Buchtipps / 2026 / November
erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk
Eilika Mühlenberg: Friedhof
/ Eilika Mühlenberg. - Hildesheim : Gerstenberg, 2026.
- 52 ungezählte Seiten : Illustrationen
ISBN 978-3-8369-6409-8 Festeinband : EUR 22, 70 (AT)
Franka und Anton besuchen mit ihrem Opa Ole das Grab von Oma Elli. Auf dem Weg dorthin drehen sie eine große Runde am Friedhof, denn da gibt es viel zu entdecken: So schauen sie Steinmetz und Gärtnerin bei ihrer Arbeit zu, bestaunen geschmückte Grabsteine und lernen über Beerdigungstraditionen aus verschiedenen Zeiten und Ländern.
Die Kombination aus kurzen Beschriftungen und Dialogen in Comicsprechblasen schafft es, eine Geschichte zu erzählen und gleichzeitig Wissen zu vermitteln, denn Franka hat viele Fragen über den Friedhof und den Tod: »Darf man auf einem Friedhof überhaupt lachen?«, überlegt sie bei Opa Oles Wunsch nach einer »lustigen Beerdigung« mit »Ballons, Regenbogen und Einhörnern« – natürlich darf man das! Durch diese niederschwellige Herangehensweise kann das Thema Sterben auf positive, aber faktische Weise diskutiert werden, ohne dabei den Aspekt der Trauer auszublenden. So kommen auf einer eigenen Doppelseite mehrere Friedhofsbesucher*innen in den unterschiedlichsten Gefühlslagen zu Wort.
Ganz im Wimmelbuchcharakter sind diese Figuren auf den restlichen Seiten verteilt zu finden. In seiner Collage aus verschiedenen Malstilen und echten Fotos verbirgt dieses Sachbuch viele witzige Details für die Lesenden, wie eine schwarze Katze und ein Skelett, die auf jeder Seite auftauchen.
Abgesehen vom informativen Aspekt leitet das Buch am Beispiel von Franka, Anton und Opa Ole auch zur eigenen Gestaltung von Friedhofsbesuchen an; so findet sich eine Ideensammlung zum Grabschmuck basteln, es wird auf die vielen zu entdeckenden Tiere hingewiesen und vor allem leben die drei Hauptcharaktere das Verbringen gemeinsamer Zeit vor, das sich mit dem Ziel des Grabbesuchs als liebevolle Art des Gedenkens zeigt.
Frieda Thiel | STUBE
Lena Hach: Cleo, Chaos und Konfetti
/ Lena Hach ; Bilder von Jutta Wetzel.
- München : Mixtvision, 2026. - 180 Seiten
ISBN 978-3-9585424-4-0 Festeinband : EUR 16,50 (AT)
Dieses Buch liefert, was der Titel verspricht: Eine bunte Mischung aus Cleos Leben. Ihre Eindrücke hält sie in ihrem neuen Achtsamkeitstagebuch fest, das sie bei einem etwas fragwürdigen Wettbewerb ihrer Schulbibliothek gewonnen hat. Die witzigen, pointiert-ausschweifenden Aufzeichnungen geben ihren durchaus wirbelnden Gedanken eine willkommene Struktur – und einen charmanten Einblick in Cleos Perspektive auf die Welt. Dabei schimmert von Anfang an durch, dass Cleo neurodivergent sein könnte, was im Laufe des Buchs auch bestätigt wird: Cleo hat ADHS. Erfreulicherweise wird das hier sehr unaufgeregt thematisiert statt problematisiert. Cleo hat Unterstützung von zuhause und Lehrpersonen, darf etwa im Unterricht eine Runde durchs Schulhaus gehen, wenn sie nicht mehr ruhig sitzen kann (und nützt das prompt für wichtige Ermittlungen – man kann ja nicht immer nur brav sein).
Der inhaltliche Rahmen der Geschichte ist das bevorstehende Faschingsfest in der Schule – von der Ankündigung bis hin zur Kür des besten Kostüms und allem, was dazwischen passiert. Neben der turbulenten Suche nach der perfekten Verkleidung und zum Beispiel Diskussionen darüber, was Cleo und ihre Klassenkamerad*innen statt des angekündigten »Fingerfoods« lieber essen würden (die Mehrheit ist für Ohrläppchen), verschwinden plötzlich die eigentlich dafür emsig gesammelten Snacks wenige Tage vor der Party! War es die geächtete 4b (Cleo selbst ist natürlich in der 4a!) oder vielleicht der Schaurige Schulz? Fad wird es jedenfalls nicht!
Lena Hach schreibt witzig, assoziativ, ohne dabei den roten Faden zu verlieren – fast wie eine schillernde Diskokugel. Gleichzeitig spart die Autorin nicht mit ungewöhnlichem, trockenem, manchmal fast schwarzem Humor. Eine äußerst unterhaltsame Lektüre!
Iris Schmidinger | STUBE
Peter Henisch: Muttersuchen
: Roman / Peter Henisch. - Salzburg : Residenz Verlag, 2026. - 313 Seiten
ISBN 978-3-7017-1817-7 Festeinband : EUR 28,00 (AT)
Bilder der Erinnerung werden zur Liebeserklärung an die verstorbene Mutter. (DR)
Mit »Muttersuchen« legt der bedeutende österreichische Gegenwartsautor Peter Henisch ein weiteres Buch vor, das ihn als virtuosen und sprachsensiblen Erzähler mit Tiefgang und Humor ausweist. Diesmal richtet der bereits 83-Jährige den Fokus auf die Mutter. Rosa repräsentiert einerseits ein Frauenleben des 20. Jahrhunderts, andererseits erscheint sie als eigenständige Persönlichkeit mit viel Entwicklungspotenzial, das die anmutige und attraktive Frau auch zu nutzen weiß. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, prägt sie ein Aufenthalt auf einem ungarischen Gut, dann kommen der Krieg und die Ferntrauung, aber später auch der Wirtschaftsaufschwung und das Streben nach Freiräumen in einer patriarchalen Gesellschaft mit vorgegebenen Geschlechterrollen.
Viele Erlebnisse aus dem Leben Rosas erzählt der Sohn mit viel Liebe und Wertschätzung, aber auch mit Fragezeichen, ob alles so gewesen sein kann, wie es die Mutter schilderte oder wie er sich erinnert. Wie viel er sich selber hinzugedacht und in der eigenen Vorstellung ergänzt hat, wird nicht immer offengelegt, aber oft gesteht er, dass er sich die Situation so vorstellen hätte können. Gleich die erste Szene reißt die Leser*innen in einen unwiderstehlichen Sog, geht es doch um die Flucht vor den herannahenden Russen mit dem kleinen Sohn im Kinderwagen und dem – in der österreichischen Peripherie noch nicht angekommenen – Kriegsende (»Gott hatte Hitler überlebt«). Episoden von solcher komprimierten Urgewalt gibt es zahlreiche in diesem Buch, sie erschüttern und kommen Erdbeben gleich, in ihnen ist exemplarisch alles ausgedrückt, was die österreichische Zeitgeschichte zu bieten hat und was die einzelnen Menschen prägte (vom Novemberpogrom über das Leben im besetzten Wien und den Staatsvertrag bis hin zur Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf).
Wieder ist Peter Henisch ein außergewöhnlich persönliches und intimes Buch, ein verletzlicher Text, gelungen, eine Liebeserklärung an eine wunderbare Frau, die seine Mutter war. Natürlich nimmt die Beziehung zu Vater Walter, einem renommierten Kriegsfotografen und Opportunisten (s. »Die kleine Figur meines Vaters«), einen breiten Raum ein, wie überhaupt die familiären Zusammenhänge, stets eingebettet in zeitgeschichtliche Ereignisse und Entwicklungen des Nachkriegsösterreich und der Zweiten Republik. Aus den vielen in den letzten Jahren erschienenen Büchern über Mütter ragt dieses heraus und sollte in keiner Öffentlichen wie Schulbibliothek fehlen. Es hätte allerdings ein feineres Papier und ein etwas ansprechenderes Cover verdient.
Martina Lainer | biblio
Allison King:
Die Manufaktur der magischen Worte
: Roman / Allison King ; aus dem amerikanischen Englisch
übersetzt von Barbara Ostrop. - München : Heyne, 2026. - 510 Seiten
ISBN 978-3-453-27543-0 Festeinband : EUR 24,70 (AT)
Berührende Fantasygeschichte über eine aus China stammende Familie, deren Frauen über eine besondere Gabe verfügen. (DR)
Die Studentin Monica ist bei ihren Großeltern, die beide vor Jahrzehnten aus China in die USA eingewandert sind, aufgewachsen. Als sie in den Semesterferien nachhause zurückkehrt und erfährt, dass ihre Großmutter an Demenz leidet, setzt sie ihr Studium aus, um sich um ihre Familie zu kümmern. Bei ihrem Versuch, Kontakt zur Cousine ihrer Großmutter, die immer noch in Shanghai lebt, herzustellen, kommt Monica einem Geheimnis auf die Spur und erfährt, dass die Frauen ihrer Familie über eine magische Fähigkeit verfügen.
Ein einfühlsamer und bewegender Roman, der auf verschiedenen Zeitebenen die spannende Geschichte einer Familie erzählt, die durch die Kriegswirren im China der 1940er Jahre auseinandergerissen wird. Die Autorin lässt ihre Leserschaft tief in die Geschichte Chinas eintauchen und widmet sich gleichzeitig der hochaktuellen Thematik des rasanten Fortschritts der Informationstechnologie und den daraus resultierenden Spannungsfeldern und zeichnet so einen beeindruckenden Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Gleichzeitig erzählt sie von Liebe, Verlust und der Suche nach Glück – und von der magischen Kraft von Worten.
Ein absolutes Highlight für alle, die Geschichten mit einem Hauch Magie zu schätzen wissen.
Michaela Grames | biblio
Stefan Zweigs »Die Welt von Gestern«
: Graphic Novel / Stefan Zweig ; Gestaltung: Bettina Egger
; mit einem Nachwort von Klemens Renoldner und Martina Wörgötter.
- Salzburg : Anton Pustet Verlag, 2026. - 184 Seiten : Illustrationen
ISBN 978-3-7025-1223-1 Festeinband : EUR 28,00 (AT)
Stefan Zweigs Erinnerungen an ein untergegangenes Europa als Graphic Novel. (DC)
Bettina Egger, Comicautorin und Comicforscherin, wagt sich als Erste an eine Graphic-Novel-Adaption von Stefan Zweigs »Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers«, einem der bis heute meistgelesenen und in 50 Sprachen übersetzten Werke des Autors aus dem Jahr 1941. Sie begreift Comicadaptionen »eher als einen Dialog mit der literarischen Vorlage«. Angesichts der Entstehungsgeschichte von Zweigs autobiografischem Text im brasilianischen Exil und seiner Bedeutung als literarische Erinnerungsschrift und historisches Dokument ist es kein leichtes Unterfangen, Bild und Wort miteinander in Einklang zu bringen.
Zweig geht es nicht allein um seine Biografie (»Ich habe meiner Person niemals so viel Wichtigkeit beigemessen, dass es mich verlockt hätte, anderen die Geschichte meines Lebens zu erzählen«). Als überzeugter Pazifist möchte er der Nachwelt vielmehr den utopischen Entwurf eines humanistisch-pazifistischen Europas hinterlassen: 1942 wählen Stefan und Lotte Zweig den Freitod.
Diesem Blickwinkel entsprechend wählt Bettina Egger aus der Fülle von Erinnerungen, Ereignissen und Anekdoten aus. Wichtige Begegnungen und Freundschaften dürfen nicht fehlen, manches wird hervorgehoben, anderes weggelassen. Dennoch bleiben der biografische Faden und die Intention des Autors erkennbar und nachvollziehbar. An Zweigs komplizierten Satzstrukturen kann nicht festgehalten werden: Das Genre Comic verlangt eine eigene, verkürzte Sprache, die durch Originalzitate aus seinem Vermächtnis ergänzt wird. Auch der farbliche Grundton der Graphic Novel trifft den Tenor des Werkes.
Ein gelungenes Unterfangen, mit viel Feingefühl umgesetzt. Wärmstens zu empfehlen!
Gerda Kysela-Schiemer | biblio
Peter Wohlleben: Bakterien – die heimlichen Helden
: wie sie uns Menschen prägen und die Natur beeinflussen
/ Peter Wohlleben. - München : Malik, 2026. - 317 Seiten
ISBN 978-3-89029-611-1 Festeinband : EUR 23,70 (AT)
Dieses informative, leicht verständliche populärwissenschaftliche Buch gewährt uns faszinierende Einblicke in die Welt der Bakterien, ohne die kein höheres Leben möglich ist. (NB)
In einer lebendigen Sprache erklärt Peter Wohlleben auch für Laien verständlich die komplexen Erkenntnisse über Bakterien aus Wissenschaft und Forschung.
Erstaunlich ist, wie durch diese Kleinstorganismen alles zusammenhängt. Sie beeinflussen die Natur in jeder Ecke unserer Erde, spielen eine zentrale Rolle in der Genmanipulation und prägen uns Menschen. Die mit bloßem Auge nicht sichtbaren Winzlinge wohnen in und auf unseren Körpern. Sie können unseren Alltag beeinflussen, miteinander kommunizieren und gemeinsame Aktionen planen. Der Autor lässt viel eigene Erfahrung anschaulich einfließen. Wir verstehen nun, warum uns ein Waldspaziergang so guttut und warum wir die Straßenschuhe besser vor der Eingangstüre stehen lassen sollten.
Manche Bakterienarten sind gefürchtet. Unter günstigen Bedingungen können sie sich unglaublich schnell vermehren. Kolibakterien verdoppeln innerhalb von 20 Minuten ihre Zahl!
Das Buch kann zu einem besseren Verständnis für das Funktionieren von Ökosystemen beitragen. Bereits jetzt sind die Winzlinge im ständigen Einsatz für eine lebenswerte Zukunft, um die menschlichen Umweltsünden auszumerzen, denn sie benötigen die Natur und auch uns für ihr eigenes Leben.
Die Mischung aus wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, verständlichen Beispielen und erzählerischer Begeisterung hat mich sehr beeindruckt und macht dieses Buch so lesenswert.
Christa Haiden | biblio
Josef Naber & Johannes Mensing:
Lernen kann jeder!
: 25 Strategien für gute Noten, großes Wissen und schnellen Erfolg
/ Josef Naber & Johannes Mensing. - München : dtv, 2026. - 267 Seiten
ISBN 978-3-423-35272-7 Broschur : EUR 14,40 (AT)
Wie du in 25 Tagen zum Lernprofi wirst? Hier erfährst du, wie’s geht! (PN)
Gegliedert in 25 Tagesabschnitte, mit Quellen belegt und mit täglich realistisch umsetzbaren, klar formulierten Aufgaben hebt sich dieses Werk von anderen Ratgebern dieser Art ab. Als Zielgruppe werden vor allem Schüler*innen angesprochen, der Ratgeber richtet sich jedoch ebenso an Studierende und Berufstätige.
Aktuelle Themen wie »KI als Lernpartner« und »Wege aus der Handyfalle« werden anhand lebhafter Beispiele anschaulich dargestellt und regen zur Reflexion an. Daneben werden auch konkrete Lerntechniken, die Auswirkungen von Schlaf auf das Lernen sowie die Bedeutung der Ernährung verständlich vermittelt. Die Autor*innen empfehlen, täglich ein Kapitel zu lesen, über die Inhalte nachzudenken und die Aufgaben konsequent umzusetzen. Der Schreibstil ist klar und verständlich und spricht alle Altersgruppen an.
Nach der Lektüre kann die nächste Prüfung oder Präsentation kommen!
Natalie Riede | biblio
Martin James:
In allen Jahreszeiten, für alle Gelegenheiten
: Wege, mit Gott ins Gespräch zu kommen / James Martin
; aus dem amerikanischen Englisch übertragen von Jokim Schnöbbe
und Dietmar Sternad. - Moosburg : essencio, 2026. - 155 Seiten
ISBN 978-3-903386-42-6 Festeinband : EUR 22,70 (AT)
Ein praktischer Leitfaden durch viele Formen des Gebets. (PR)
Der vor allem in den USA bekannte spirituelle Autor erschließt in kurzen, allgemein verständlichen und meditativen Texten die vielfältigen Formen des Gebets. In drei Kapiteln geht er zunächst auf traditionelle Gebete und Gebetsformen ein, beschreibt anschließend die zahlreichen Gelegenheiten zum Gebet im Alltag und schließt mit einem Abschnitt über das Gebet im Verlauf der Jahreszeiten.
Das handliche, bibliophil gestaltete Buch ermutigt all jene, die daran zweifeln, »richtig« beten zu können, ihren eigenen Weg zu finden, und bietet dafür eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten. Die Texte zeigen, dass es möglich ist, im Alltag mit Gott ins Gespräch zu kommen und den Glauben zu leben.
Für einen breiten Benutzerkreis geeignet, insbesondere als Geschenk für erwachsene Taufbewerber*innen und Firmkandidat*innen sowie für Exerzitien im Alltag und ähnliche Anlässe.
Hanns Sauter | biblio
