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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2026 / Jänner

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

Draculotta

/ Danielle Chaperon ; mit Bildern von Baptiste Amsallem
; Deutsch von Lisa-Marie Lutz.
- Hamburg : Friedrich Oetinger, 2025. - 48 Seiten : Illustrationen
ISBN 978-3-7512-0790-4      Festeinband : EUR 12,40 (AT)

Draculotta scheint ein perfektes Leben zu führen: Sie lebt mit ihrer Mutter Arteria und ihrem Vater, dessen Name ein Geheimnis ist, in einem großen Haus, besitzt ein schönes Zimmer und eine Fledermaus als Haustier. Das Wort »Vampir« wird kein einziges Mal explizit in der Geschichte erwähnt. Nur einige Details, wie das Wachsein in der Nacht oder die ganz selbstverständliche Existenz weiterer Gruselwesen, deuten darauf hin, dass man es hier nicht mit einer menschlichen Familie zu tun hat. Stattdessen kreieren die comicartigen Illustrationen eine vampirische Atmosphäre und lassen auch beim Auftreten der Figuren keinen Zweifel an ihrer Übernatürlichkeit.
Die anfängliche Idylle trügt jedoch: Draculotta will eine Freundin! Jetzt sofort! Zum Glück kommt Mamas Cousine, die Fliegen-Fee Mortadella, zu Besuch. Diese kann Draculotta mit ihren Zauberkräften Abhilfe verschaffen. Das Mädchen muss nur eine Zeichnung der gewünschten Freundin anfertigen und nach Mortadellas mysteriösem Zauberspruch (»Klünüs Büld, klünüs Büld, kümm lübündig üf dü Wüld!«) springt die krakelige Strichfigur tatsächlich von Draculottas Zeichnung in die erste Ebene der Illustration über. Allerdings hat die kleine Vampirin nicht damit gerechnet, dass die fehlenden Details ihres Bildes genauso in die Realität übertragen werden: Die Stachelhaare der neuen Freundin zerstechen beim ersten Spiel den Ball und aufgrund ihrer nicht vorhandenen Knie kann sie Seilspringen ebenfalls vergessen. Da Draculotta außerdem gerne bestimmt, kommen die beiden Mädchen überhaupt nicht miteinander klar, und Draculotta ist bald überzeugt, dass sie überhaupt keine Freundin mehr will! Dieses Wechselbad der Gefühle steht der Vampirin in den begleitenden Illustrationen eindrücklich ins Gesicht geschrieben, doch auch die Eltern sind von den Problemen ihrer Tochter sichtlich überfordert. Damit hinterfragt diese Geschichte auf witzige Weise, was Freundschaft ausmacht, und erzählt in vampiriger Atmosphäre von einer auch für menschliche Kinder sehr nachvollziehbaren Situation.

Nina Thiel | STUBE

Herman van de Wijdeven: Die schlechteste Idee
in der Geschichte der schlechten Ideen

/ Herman van de Wijdeven ; aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann.
- München : Mixtvision, 2025. - 165 Seiten
ISBN 978-3-9585422-7-3      Festeinband : EUR 16,50 (AT)

Bent und Juri (elf Jahre) sind beste Freunde – bis Finn neu in die Klasse und neben Juri zu sitzen kommt. Zu Bents Verwunderung scheinen sich die beiden auf Anhieb zu verstehen; doch mit Finn als Drittem in der Runde ändert sich die Dynamik schlagartig. Bent wird immer mehr zum Geduldeten, fühlt sich zunehmend unsicher und hilflos, pendelt zwischen Rückzug und Trotz. Wie immer hat Juri das Sagen; er bestimmt immer, teilt die anderen ein, treibt sie an, und seine Ideen für gemeinsame Aktionen – die er bis Finns Erscheinen mit Bent allein durchgezogen hat – werden immer waghalsiger. Zur Ausführung der schlechtesten Idee in der Geschichte der schlechten Ideen wird Juri am Ende allerdings von Bent angestiftet, dessen grundsätzlich ambivalente Gefühle nach zahlreichen Demütigungen und einem schwerwiegenden Verrat letztendlich von Wut dominiert werden. Die »Mutprobe« – die sich als Ausgangspunkt der a-chronologisch erzählten Ereignisse entpuppt – geht schief...
Der niederländische Schauspieler, Dramatiker und Schriftsteller Herman van de Wijdeven entfaltet in seinem Kinderbuch-Debüt die bedrückende Geschichte einer schwierigen Freundschaft und fokussiert ganz auf den Ich-Erzähler Bent, den er zwischen Gegenwart und mehr oder weniger unmittelbarer Vergangenheit hin- und herspringen (Heute / Vor zwei Wochen / Gestern / Vor zwei Monaten / Letzte Woche / Vor zwei Tagen …) lässt; er bleibt dabei in Andeutungen, füllt Leerstellen nur partiell – vieles muss zwischen den Zeilen bzw. aus den eingestreuten Hinweisen (etwa die langen Abwesenheiten von Bents Vater, die Gefühlslage der Mutter) herausgelesen werden. Dass Bent mit sich selbst, seiner Familie und in seinen sozialen Kontakten nicht stressfrei zurechtkommt, wird vor allem über Kommunikation und Interaktion zwischen ihm und seinem Umfeld spürbar, wodurch die quer berichteten Abläufe intensiviert und zugleich eine irritierende Beklemmung über die Ereignisse gelegt wird. Eine bewegende und karge Geschichte, die durch die sprunghafte, spannungsgeladene Dramaturgie und den verhaltenen Erzählton ebenso fordert wie überzeugt.

Ela Wildberger | STUBE

Richard Hooton: Der Tag, an dem Barbara starb

: ein Fall für Margaret Winterbottom und ihren Enkel : Roman
/ Richard Hooton ; Deutsch von Susanne Goga-Klinkenberg.
- München : dtv, 2025. - 381 Seiten
ISBN 978-3-423-26432-7      Borschur : EUR 17,50 (AT)

Berührender Cosy Crime, der Dorfidylle, Humor und den Umgang mit Alzheimer feinfühlig verbindet. (DR)

Richard Hooton verknüpft das Thema Alzheimer mit einer warmherzig erzählten Krimihandlung. Margaret Winterbottom lebt in einem nordenglischen Dorf, sie kennt jeden und jeder kennt sie. Seit dem Tod ihres Mannes lässt allerdings ihr einst so gutes Gedächtnis zunehmend nach. Darum kann sie sich auch nicht mehr an eine wichtige Sache erinnern, die ihre Nachbarin Barbara ihr anvertraut hat. Dann stirbt Barbara – nicht einfach so, sie wird ermordet! Die Polizei tappt im Dunkeln. Gut, dass Margarets Enkel James da ist. Er hilft ihr bei den Nachforschungen, während die Polizei ratlos bleibt.
Die Geschichte bietet klassische Cosy-Crime-Elemente mit liebenswerten Figuren und ohne brutale Details, hebt sich jedoch durch die Erzählperspektive ab: Margaret berichtet, als erzähle sie direkt ihrem Enkel, was oft wie ein leises Selbstgespräch wirkt. Diese Perspektive wirkt warm, sympathisch, aber auch von einer gewissen Verzweiflung über die eigene, plötzliche Unzulänglichkeit durchzogen. Der Roman ist eine Hommage an die Großmutter des Autors, die an Alzheimer litt und verstarb, als er selbst noch ein Jugendlicher war. Sehr empfehlenswert für alle Bestände.

Sabine Eidenberger | biblio

Liza Marklund: Der Polarkreis

: Kriminalroman / Liza Marklund ; aus dem Schwedischen von Dagmar Mißfeldt.
- Zürich : Atrium Verlag, 2025. - 399 Seiten - (Polarkreis-Trilogie ; 1)
ISBN 978-3-85535-212-8      Festeinband : EUR 24,70 (AT)

Ein Leichenfund bringt eine alte Clique wieder zusammen und fördert Abgründiges zu Tage. (DR)

Nach 40 Jahren wird die Leiche eines Mädchens in einem Brückenfundament entdeckt, an der Stelle ihres Kopfes liegen Sofias Schultasche, ihre Kleidung und Geldbörse. Sie verschwand im Spätsommer 1980 an einem gewittrigen Nachmittag auf ihrem Heimweg von der Bibliothek. Dort fanden die Treffen des Buchklubs statt, dem vier weitere Mädchen angehörten. Der Leichenfund »setzte jahrzehntelang sorgfältig verborgene Kräfte frei und riss Leben auseinander, die womöglich nie ganz gewesen waren.« (S. 6)
Das Auftauchen der Leiche erregt Aufsehen in dem kleinen Ort ganz im Norden Schwedens und ruft nach und nach alle Mitglieder des damaligen Buchklubs auf den Plan. Sie erinnern sich zurück, geben Einblick in ihre Leben. Kapitelweise erhalten die Leser*innen so unterschiedliche Sichtweisen auf das Geschehen von damals und heute. Je mehr personale Perspektiven man kennenlernt, desto mehr Abgründe tun sich auf.
Die bekannte Krimiautorin schildert ein interessantes Zeitbild der 1980er-Jahre, greift am Rande auch gesellschaftspolitische Debatten auf (unter Verschluss gehaltene Tests von Massenvernichtungswaffen, Rechtspopulismus, nicht mehr zeitgemäße Formulierungen in Klassikern etc.). Rasch wird klar, dass die Teenagerinnen, die sich regelmäßig trafen, um über Bücher zu diskutieren, sich einander nicht unbedingt freundschaftlich verbunden fühlten. Man war längst auseinandergedriftet, hatte sich über die Jahre in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Eifersucht, Liebeskummer, Klassenunterschiede machten das Zusammensein zusehends kompliziert. Die Stimmung unter den Teenagerinnen war sexuell aufgeladen: Hier lauern Geheimnisse unter der Oberfläche, jedes Mädchen hatte etwas zu verbergen.
Was im Klappentext noch relativ harmlos klingt, entwickelt sich auf den letzten Seiten zu einem fesselnden Pageturner, der Grausames ans Licht bringt. Ich habe das Ende tatsächlich lange nicht kommen sehen und bin im Nachhinein erstaunt: Blickt man nach der Lektüre auf die Geschichte zurück, leuchten einem einige Details entgegen, die von der Autorin raffiniert platziert wurden und ein stimmiges Ganzes ergeben. Fazit: Unterhaltsamer, empfehlenswerter Krimi mit düsterem nordischen Setting. Im Frühjahr 2026 erscheint Teil 2 von Marklunds neuer Trilogie – darin wird ein weiterer Vermisstenfall gelöst, der bereits angeteasert wurde. Es dürfte also spannend bleiben!

Cornelia Gstöttinger | biblio

Milena Michiko Flašar: Der Hase im Mond

: japanische Geschichten / Milena Michiko Flašar.
- Berlin : Verlag Klaus Wagenbach, 2025. - 235 Seiten
ISBN 978-3-8031-3379-3      Festeinband : EUR 24,70 (AT)

Neun Kurzgeschichten über das Verschwinden, Wegträumen und Auflösen von Wirklichkeit. (DR)

In der titelgebenden Erzählung verehrt ein Schüler seinen Kalligrafielehrer, bis er ihn eines Tages dabei beobachtet, wie er in Mistkübeln nach Essensresten sucht. Diese Entdeckung erschüttert den jungen Mann so tief, dass er unfähig wird, sein Leben fortzusetzen.
Alle anderen Geschichten haben ein ähnliches Muster: Es geht um einen Moment der Irritation, in denen der Alltag plötzlich kippt: Ein Ehepaar beobachtet eine Doppelgängerin der Frau – bis der Mann seine Arbeit kündigt und schließlich spurlos verschwindet, vielleicht zur Beobachteten. In einer anderen Geschichte wird ein Schüler von einem Film über den Holocaust so berührt, dass er sich allmählich selbst in einen KZ-Häftling verwandelt.
Die Texte, entstanden während der Pandemie, spiegeln die Erfahrung einer Welt, in der Gewissheiten ins Wanken geraten. Flašar greift dieses damalige Gefühl auf und beschreibt die Ohnmacht gegenüber einer Veränderung im Leben. Sie möchte in ihren Geschichten das Verdrängte an die Oberfläche bringen, denn oft sind es Schattenseiten, Sehnsüchte oder andere Leerstellen, unter denen Menschen leiden. Dies wird in surrealen Fantasien zum Ausdruck gebracht.
Die Kritik bezeichnet Milena Michiko Flašars Kurzgeschichten als »literarisches Kunststück, in dem dichte und komplexe Darstellungen leichtfüßig erzählt werden«.
Dem kann ich mich nur anschließen – eine starke Empfehlung für alle Bibliotheken.

Doris Göldner | biblio

Katrin Schaudig: Hot Stuff

: Wechseljahre-Wissen to go / Dr. med. Katrin Schaudig ; Katrin Simonsen.
- München : dtv, 2025. - 255 Seiten
ISBN 978-3-423-26437-2      Broschur : EUR 16,50 (AT)

Ein medizinischer Ratgeber für alle Frauen. (NK)

Wechseljahre sind mehr als Hitzewallungen, sie beginnen früher und dauern länger, als viele denken, und können mit vielfältigen Beschwerdebildern einhergehen. Frauen sollen mehr darüber wissen, um nicht unnötig leiden zu müssen, sagen die beiden Autorinnen, die zusammen den Podcast »Hormongesteuert« über alles rund um den Wechsel gestalten. Katrin Schaudig ist erfahrene Gynäkologin und Präsidentin der Deutschen Menopausegesellschaft und Katrin Simonsen Radiomoderatorin. Beiden zusammen gelingt mit diesem Buch ein ansprechender, übersichtlicher Ratgeber, dessen Kapitel überaus praxisbezogen anhand von Fragen angeordnet sind. Was ist die Ursache für die Wechseljahresymptome? Soll ich Hormone nehmen, um gesund alt zu werden? Helfen pflanzliche Mittel? Brauche ich mehr Proteine für meine Muskeln?
Mit einem geschichtlichen Rückblick wird das Thema der Hormongaben behandelt und erklärt, warum Hormontherapie bis heute auf Ablehnung stößt. Dabei gibt es ein bestimmtes Zeitfenster, in dem Hormone hochwirksam gegen eine Vielzahl von Symptomen helfen. Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit, Kopfschmerzen, erhöhter Blutdruck, Verdauungsbeschwerden, Konzentrationsstörungen, Blasenentzündungen, Stimmungsschwankungen und Gelenkschmerzen werden neben vielen anderen Beschwerdebildern dem hormonellen Chaos im Wechsel zugeordnet. Medizinische Behandlungen werden sehr gut erklärt, unterstützende Maßnahmen wie Sport, Yoga, Entspannungstechniken und Ernährung jedoch nur überblicksmäßig erörtert. Allen Bibliotheken empfohlen.

Aloisia Altmanninger | biblio

Michael Maar: Das violette Hündchen

: große Literatur im Detail / Michael Maar.
- Hamburg : Rowohlt, 2025. - 591 Seiten
ISBN 978-3-498-00291-6      Festeinband : EUR 35,00 (AT)

Literaturgeschichte für Genießer*innen. (PL)

Umfassend, humorvoll und mit Blick fürs Detail führt der Literaturkritiker Michael Maar in kleinen Portionen durch die Literaturgeschichte. In kurzen, miteinander verwobenen Kapiteln fokussiert er das weniger Offensichtliche, das Erotische oder »Literatur-Gossip«. Anstelle eines Überblicks thematisiert er das Besondere, beispielsweise das ambivalente Verhältnis zwischen Thomas Mann und Adorno, er beleuchtet Klassiker wie Bram Stokers »Dracula« gleichermaßen wie aktuelle Literatur wie Kehlmanns »Tyll« und setzt sich auch mit großen Frauen wie Jane Austen oder Patricia Highsmith auseinander. Immer wieder kommt er auf Nabokov und das Lolita-Thema zurück. Die wohl größte Qualität dieses Buchs liegt in der Verbindung von Lesegenuss und Informationsdichte, was auch die umfangreichen Anmerkungen, der Nachweis und das Register deutlich machen. Eine großartige Lektüre für alle, die sich gerne mit Literatur beschäftigen.

Sandra Brugger | biblio

Kreuz und quer durchs Kirchenjahr

: geistliche Impulse aus Musik, Kunst und Literatur
/ Wolfgang Raible ; Dieter Groß.
- Ostfildern : Schwabenverlag, 2025. - 167 Seiten : Illustrationen
ISBN 978-3-7966-1876-5      Broschur : EUR 20,60 (AT)

Neue Zugänge zu Glaubensinhalten für die Praxis. (PR)

Songwriter, Schriftsteller, Künstler, Filmemacher setzen sich mit menschlichen Fragen und Problemen auseinander und möchten zum Weiterdenken anregjacen. Dabei ergeben sich oft unerwartet unkonventionelle Zugänge zum Glauben. Auch ein Blick auf die Tier- und Pflanzenwelt kann Anregungen für ein geistliches Leben geben. Hier werden 50 solcher unkonventionellen Zugänge zum Glauben aufgegriffen und weitergedacht.
Die Beiträge sind in einer lebendigen und unverbrauchten Sprache gehalten, eignen sich als Inspirationen zur Gestaltung der Treffen unterschiedlicher pfarrlicher Gruppen von Jugendlichen bis zu den Senioren, für Wort-Gottes-Feiern, als Pfarrblatt-Beiträge oder einfach zur privaten Lektüre. Die Themen ergeben sich aus dem Ablauf des Kirchenjahres und sind durch ein Register aufgeschlüsselt. Interessant für die Handbüchereien in Pfarrzentren oder Bildungseinrichtungen.

Hanns Sauter | biblio

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