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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2020 / November

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

Torben Kuhlmann: Einstein

: die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit / Torben Kuhlmann. - Zürich : NordSüd Verl., 2020. - [128] S. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-314-10529-6      fest geb. : ca. € 22,70

Torben Kuhlmann schickte in seinen Bilderbüchern „Lindbergh“, „Armstrong“ und „Edison“ bereits mutige Mäuse in die Lüfte, den Weltraum und in die Tiefen des Ozeans. Nun ist es an der Zeit, einen kleinen Helden in die Vergangenheit zu schicken.
Denn die Maus, von der diesmal erzählt wird, ist fix und fertig: Sie hat das größte Käsefest der Welt verpasst! Um einen Tag! Wenn es um Käse geht, wird nicht lange überlegt - es muss ein Weg her, um die Zeit zurückzudrehen! Nachdem sich die naheliegendste Methode, die Zeiger einer Uhr zu verstellen, als ineffektiv erweist, beginnt die Maus zu recherchieren. Durch den kleinen Mitbewohner eines Uhrmachers wird sie auf die Theorien von Albert Einstein aufmerksam. Raum und Zeit sind also relativ. Das klingt doch gut. Vielleicht lässt sich ja in Einsteins Schriften etwas finden, das dabei hilft, so etwas wie eine Zeitmaschine zu konstruieren?
Wie von Torben Kuhlmann gewohnt, handelt es sich um kein Sachbilderbuch über die titelgebende historische Person. Vielmehr wird der Wissenschaftler geschickt in die spannende Abenteuerhandlung rund um eine erfinderische Maus eingebunden. Wie auch bei „Edison“ ist die Verbindung zu dieser Persönlichkeit recht locker, hält aber am Ende eine Überraschung parat. Auf den letzten Doppelseiten werden abschließend Albert Einstein und seine Forschung schön aufbereitet vorgestellt.
Torben Kuhlmanns Illustrationen verleihen dem Buch seinen gewohnten Charme. Mit ihrer Dynamik und Detailtreue wird sofort eine abenteuerliche und nostalgische Atmosphäre hergestellt. So wie die kleine Maus ihre mutige Reise durch Zeit und Raum wagt, so wird man auch beim Betrachten der Illustration direkt in das Geschehen hineingezogen. Interessant ist bei Kuhlmann immer das Zusammenspiel von Text und Bild. So wird gelegentlich die Handlung nicht mehr durch Text vorangetrieben, sondern ausschließlich durch Bilder, bis der Text an späterer Stelle wieder einsetzt.
Torben Kuhlmann erzählt weder eine gewöhnliche Zeitreise-Geschichte noch die Lebensgeschichte von Albert Einstein. Er erzählt von der Zielstrebigkeit und dem Wissensdrang, der selbst eine kleine Maus die Fähigkeit verleiht, das Unmögliche möglich zu machen. Ein entzückendes Zeitreiseabenteuer ab 5 Jahren - aber Zeit ist ohnehin relativ, also werden sich auch erwachsene Leser_innen an der kurzweiligen Geschichte erfreuen.

Alexander Pommer | STUBE

 

Rosaria Munda: Feuererwachen

/ Rosaria Munda. Aus dem amerikan. Engl. von Nadine Püschel. - Zürich : Arctis, 2020. - 492 S. (Feuererwachen ; 1)
ISBN 978-3-03-880023-1     fest geb. : ca. € 20,60

In Callipolis sind Drachen das Mittel zur Macht: Bis zur blutigen Revolution, in der die Drachenlords samt ihren Familien ermordet wurden, ist die Insel bestimmt vom Feudalsystem und Leibeigenschaft. Vom Gemetzel verschont wird Leo, der 8-jährige Sohn von Leon Sturmpfeil, der unter dem Namen Lee in ein Waisenhaus gebracht wird.
In der Folge des Umsturzes werden die Stände nach einem akademischen Testverfahren neu geordnet und der Zugang zu den letzten verbliebenen Dracheneiern liberalisiert: So werden Lee und Annie, seine Freundin und Verbündete aus dem Heim, als Teil des DrachenreiterInnen-Nachwuchses ausgewählt.
In diesem ersten Teil einer Trilogie, treten die beiden abwechselnd als Ich-Erzähler_innen auf. Unterbrochen werden ihre Perspektiven durch kurze auktoriale Rückblicke am Beginn jedes Kapitels, die langsam ein paar Lücken aus der gemeinsamen Vergangenheit der beiden im Waisenhaus füllen und Details zur Rebellion nachliefern.
Die Beziehung der Hauptfiguren wird vom Geheimnis um Lees Herkunft (das nur Annie kennt) und dem Tod von Annies Familie auf Befehl von Lees Vater belastet: Sie kennen einander in- und auswendig, verlassen sich aufeinander, können aber mit ihren Gefühlen nicht umgehen. Da darüber aber lang geschwiegen wird, ist die blumige, pathetische Sprache, die im Fantasygenre üblicherweise mit der gegenseitigen magischen Anziehung der Hauptfiguren assoziiert wird, weitgehend auf kurze Zitate aus dem fiktiven Versepos „Der Aurelianische Zyklus“ beschränkt.
Das neue Gesellschaftssystem, das in Anlehnung an Platons Konzept des idealen Staates konzipiert ist, stößt bald an die Grenzen der Möglichkeiten von Gerechtigkeit und Chancen für alle: Ein Angriff der überlebenden exilierten Drachenlords zerstört kurz vor dem Winter einige Vorratsdepots und die Anführerin der gegnerischen Flotte ist Lees Cousine Julia. So droht eine Hungersnot und Lee wird gezwungen, sich zwischen seiner Familie und dem neuen System, an das er glaubt, zu entscheiden.
Zentrale Motive von Drachenreitererzählungen werden in diesem Roman originell umgesetzt. So können Drachen vor dem titelgebende Feuererwachen, dem "Zünden", etwa nur Asche speien; die traditionell symbiotische Beziehung zwischen Reiter_in und Drache wird mit Vorsicht behandelt, da das „Überborden“, das Überwinden der eigenen Identitätsgrenze, als gefährlich dargestellt wird. Ungewöhnlich ist auch, dass zwar Drachen, aber sonst keine Magie gibt, was interessante Lösungen für die Herausforderungen des Drachenreitens erfordert.
Das erste Werk der Autorin ist reich an kulturgeschichtlichen Anspielungen und führt langsam in eine glaubwürdig konzipierte Welt ein, in der die Figuren ihren Platz in einer „neuen Gesellschaft“ ausloten. Es ist für Kenner_innen des Genres und Einsteiger_innen in die phantastische Jugendliteratur gleichermaßen sehr zu empfehlen.

Sonja Loidl | STUBE

 

Andreas Schäfer: Das Gartenzimmer

: Roman / Andreas Schäfer. - Köln : DuMont Buchverl., 2020. - 345 S.
ISBN 978-3-8321-8390-5     fest geb. : ca. € 22,70

Vielschichtiger, tiefgründiger Roman rund um eine verwunschene Villa aus der Zeit der Jahrhundertwende. (DR)

In von der 1909 von Max Taubert erbauten Villa Rosen am Rad des Berliner Grunewalds laufen die Schicksale mehrerer Familien wie Fäden zusammen, die die LeserInnen auf 343 Seiten zusehends zu entwirren vermögen. Die Kapitel sind mit Jahreszahlen zwischen 1908 und 2013 betitelt, wobei sich durch die Zeitsprünge, die Vor- und Rückblenden, Tagebucheinträge und Brieffragmente manches erst am Ende der Geschichte gänzlich erschließt.
Professor Rosen und seine Frau beschließen nach dem tragischen Verlust ihres Sohnes mit dem Bau einer Villa gleichzeitig einen Rückzug und Neustart, im jungen Max Taubert finden sie mehr als nur einen Architekten. Allerdings deutet Elsa Rosen Probleme beim Bau als negatives Omen, das seine zerstörerische Kraft sukzessive nach dem Tod des Philosophieprofessors entfaltet und schließlich in der NS-Zeit seine volle Tragweite zeigt.
Diese Schwingungen merkt man der hellen, offenen Oberfläche des Landhauses, in das sich der Industrielle Frieder Lekebusch und seine Frau Hannah fast hundert Jahre später verlieben, nicht an, doch sie werden Tag für Tag spürbarer. Beinahe voyeuristisch blicken die LeserInnen durch geöffnete Türen, erfahren von den Sehnsüchten und Ängsten der Menschen, die mit diesem Haus verbunden sind, sei es als Bedienstete, sei es als Kunstkenner. Doch die Fassade beginnt zu bröckeln, das Haus entpuppt sich in diesem fesselnden Roman als Projektionsfläche für die Seelenzustände der Menschen, ihre Ambivalenz zwischen Sein und Schein, Original und Kopie, Fiktion und Realität. Sehr empfehlenswert!

Sandra Brugger | biblio

Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt

: Roman / Iris Wolff. - Stuttgart : Klett-Cotta, 2020. - 213 S.
ISBN 978-3-608-98326-5      fest geb. : ca. € 20,60

Biographie einer Banater Familie im Spiegelbild zeitgeschichtlicher Veränderungen. (DR)

Der Roman beginnt mit dem Satz "Lass mir das Kind", als die junge Florentine unter größten Schwierigkeiten ihren Sohn Salomon in den 1960er-Jahren im von Ceaușescu dominierten Rumänien zur Welt bringt. Lebensmittelpunkt der kleinen Familie wird ein Banater Pfarrhof mit großem Gemüse- und Obstgarten und Vater Hannes als Pastor. Salomons Biographie schafft den Erzählrahmen mit sieben in sich geschlossenen, aber miteinander verbundenen Kapiteln. Sie erzählen aus wechselnder Perspektive von vier Familiengenerationen, die verknüpft werden mit den Lebenswegen von sieben Personen und sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen.
Da ist z. B. der nette Ferienbesuch von zwei jungen Burschen aus der DDR im Pfarrhaus mit schicksalsträchtigen Folgen verknüpft. An anderer Stelle hat Salomons waghalsige Rettung seines Freundes Oz mit einem schrottreifen Flieger ungeahnte Konsequenzen für sein eigenes Leben sowie für das Schicksal seiner Frau und der zwei Kinder.
Es ist eine Zeit der Umbrüche und der vielen Abrisskanten, markiert durch den zusammenbrechenden Ostblock sowie die allgemeinen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen Europas in den letzten 50 Jahren, die zugleich bestimmt sind von einem vielschichtigen Neuanfang. Dies entspricht jener titelgebenden "Unschärfe der Welt", die zugleich getragen wird vom universellen Wert der Freundschaft über religiöse, familiäre, geschlechtliche oder herkunftsmäßige Vorbehalte hinweg. Es ist eine wunderbar berührende, entspannend zu lesende Familiengeschichte mit präzise gestalteten Charakteren, hinreißend sarkastischen Sequenzen, emotional berührenden Momentaufnahmen und herzergreifenden Einzelschicksalen. Zugleich ist das Buch eine herausfordernde Lektüre, was in poetischen Sätzen wie "Die Erinnerung ist ein Raum mit wandernden Türen" zur Sprache kommt. Ein vielschichtiger Familienroman, der sich beim zweiten Lesedurchgang immer wieder aufs Neue erschließt und glücklich macht.

Jutta Kleedorfer | biblio

Colm Tóibín: Haus der Namen

: Roman / Colm Tóibín. Aus dem Engl. von Giovanni und Ditte Baldini. - München : Hanser, 2020. - 285 S.
ISBN 978-3-446-26181-5     fest geb. : ca. € 24,70

Antikes Familiengemetzel mit neuzeitlicher Hoffnungsperspektive. (DR)

Die Protagonisten sind bekannt: Klytaimnestra, Elektra, Orest. Eine alte Geschichte, die sogenannte "Orestie", das Endspiel im generationsübergreifenden Atridenfluch, der eine Kette von unglaublichen Gewalttaten zur Folge hatte. Um die Götter gnädig zu stimmen, wird Iphigenie von ihrem Vater Agamemnon zur Opferung freigegeben. Als dieser nach dem Trojanischen Krieg nach Hause zurückkehrt, ermordet ihn seine Frau Klytemnästra mit Hilfe ihres Geliebten Ägisth. Die Tochter Elektra sinnt auf Rache, die ihr Bruder Orest vollziehen soll.
Der Autor folgt dem antiken Material, ergänzt es allerdings stark, erweitert es auch um einige Personen, psychologisiert und aktualisiert sowohl die Denkweise als auch die Sprache der handelnden Personen. Die Götter haben nichts mehr zu sagen, es geht um menschliche Macht und Niedertracht. Das Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Klytemnästra und Elektra schildern in Ich-Perspektive. Die Geschichte Orests, seine Gefangenschaft, seine Flucht mit Leandros, sein Aufenthalt im titelgebenden Haus der Namen und seine Rückkehr werden in distanzierender dritter Person dargestellt. Deshalb wirkt er als Romanfigur farbloser und passiver, aber er steht damit auch bereits etwas außerhalb des Teufelskreises von Blutrache und Gewaltherrschaft. Zumindest befindet er am Schluss, dass es des Tötens genug sei. Stilistisch brillant mit interessanten Zusatzgeschichten. Für literarische LeserInnen und Interessierte an der Bearbeitung antiker Stoffe.

Fritz Popp | biblio

Kathrin Passig: Handbuch für Zeitreisende

: von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer / Kathrin Passig ; Aleks Scholz. - Berlin : Rowohlt Berlin, 2020. - 334 S. ISBN 978-3-7371-0085-4     fest geb. : ca. € 20,60

Ein fiktionaler Reiseführer für Abstecher in vergangene Zeiten. (GK)

Nahezu uneingeschränktes Reisen, nicht nur zu Orten überall in der Welt, sondern auch überallhin in vergangene Zeiten, das klingt ansprechend. Aber wer könnte die Möglichkeiten, die sich böten, noch überblicken? Deshalb haben die Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig und der Astronom Aleks Scholz diesen Reiseführer verfasst, der die Neugier der LeserInnen für ausgewählte Urlaubsziele weckt und praktische Reisetipps gibt.
Ein "unvergessliches Wochenende" könnte man im maurischen Spanien verbringen; wer gerne feiert und tanzt, sollte die Wikinger im mittelalterlichen Island oder ein Volksfest der Maya besuchen. Reisende, die nicht so weit in die Ferne und dennoch andere Welten entdecken wollen, sei die DDR empfohlen. Wer viel Zeit hat, könnte dem Bau von Stonehenge beiwohnen und herausfinden, wofür es verwendet wurde. "Einmalige Naturerlebnisse in garantiert unberührter Landschaft" verspricht das Pleistozän, ob in warmen Zeiten beim Wandern oder beim Skifahren in der Eiszeit. Besonders Wagemutige reisen - unter Beachtung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen (unsichtbar bleiben, keine Lebewesen anfassen, auch wenn sie harmlos aussehen usw.) und mit der richtigen Ausrüstung - zu den Dinosauriern in die Kreidezeit. Wie in jedem guten Reiseführer wird ein breites Spektrum an Interessen angesprochen: Technik (Weltausstellung in London), Kunst (Konzerte von Bach oder Beethoven), Wissenschaft (mathematische Rätsel mit Emmy Noether diskutieren).
Ethische Aspekte des Zeitreisens und Probleme, die auftauchen könnten (Begegung mit fremden Kulturen, medizinische Fragen) werden ausführlich thematisiert, ebenso die physikalischen Grundlagen des Zeitreisens (Viele-Welten-Theorie, Wurmlöcher). Auch wenn den LeserInnen im Nachwort verraten wird, dass es derzeit leider unmöglich sei, in die Vergangenheit zu reisen, wird sie das nicht stören - dieses unterhaltsame Buch bietet großes Vergnügen sowie interessante und oft ungewöhnliche Einblicke in ganz unterschiedliche Wissensgebiete, sodass es die Lesereise in jedem Fall wert ist. Sehr empfehlenswert!

Sieglinde Fürstauer | biblio

Wolfgang Schmidbauer: Die Kunst der Reparatur

: ein Essay / Wolfgang Schmidbauer. - München : oekom, 2020. - 190 S. ISBN 978-3-96238-183-7 kart. : ca. € 20,60
ISBN 978-3-8369-2171-8      fest geb. : ca. € 12,40

Alte und beschädigte Dinge zu reparieren, anstatt sie durch neue zu ersetzen, ist umweltschonend, macht Spaß und führt ganz allgemein zu mehr Achtsamkeit. (PP)

Schmidbauer zeigt sich in der "Kunst des Reparierens" von seiner praktischen Seite. In jungen Jahren renovierte er ohne einschlägige Vorkenntnisse, unterstützt von der Dorfgemeinschaft, sein baufälliges Haus in der Toskana. Vor allem aber erzählt er von der Reparatur alltäglicher Dinge und weiß die Freude, die ein selbst wiederhergestellter Gegenstand macht, anschaulich zu vermitteln. Als Psychotherapeut weist er auf Parallelen zu seelischen Konflikten und deren Behandlung hin. Da wie dort geht es darum, mit Unvollkommenheiten, sowohl mit den eigenen als auch mit denen der anderen, kreativ umzugehen. Ein gemeinsam bewältigter Konflikt kann eine Beziehung auch vertiefen. Ein schönes Sinnbild dafür ist die auf dem Cover des Buches abgebildete japanische Schale. Ihre Sprünge wurden mit dem Harz des ostasiatischen Lackbaums geklebt und das herausquellende Material mit Goldstaub bepudert. So fügt die Reparatur dem Objekt noch einen zusätzlichen Reiz hinzu.
Man merkt, dass es dem Autor nicht darum geht, einem aktuellen Trend zu folgen, sondern dass es ihm ein Herzensanliegen ist, seinen Leserinnen und Lesern zu zeigen, wie befriedigend es ist, etwas mit eigenen Händen zu bewerkstelligen. Perfektionismus ist weder interessant noch sympathisch. Der anregende Essay gibt Impulse in viele Richtungen und sei wärmstens empfohlen.

Ingrid Kainzner | biblio

Christoph Böttigheimer: Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu

: verlorene Mitte christlichen Glaubens / Christoph Böttigheimer. - Freiburg i. Br. : Herder, 2020. - 272 S.
ISBN 978-3-451-38754-8     fest geb. : ca. € 28,80

Eine gründliche Erschließung der Reich-Gottes-Botschaft Jesu und ihre Repositionierung in die Glaubensmitte. (PR)

Heute herrscht in Bibelwissenschaft und Systematischer Theologie Konsens darüber, dass die Reich-Gottes-Botschaft Jesu den Kern des christlichen Glaubens ausmacht, während in der Verkündigung der Fokus auf den Tod und die Auferstehung Jesu gelegt wird, was einer Verkürzung des Glaubens gleichkommt und der Ausdruck einer tiefer liegenden Glaubenskrise sein könnte. Das vermutet zumindest der Fundamentaltheologe Christoph Böttigheimer, der sich im vorliegenden Band systematisch und umfassend dieser Problematik widmet. Zunächst arbeitet er im Eingangskapitel die biblische Reich-Gottes-Botschaft als Kern der Predigt Jesu heraus, um dann die sich daraus ergebenden Fragestellungen in den Blick zu nehmen, die in den drei folgenden Kapiteln abgehandelt werden: Wie nahe oder fern ist - der Autor verwahrt sich gegen die gängige Dialektik von "schon jetzt" und "noch nicht" - das Reich Gottes? Welche Rolle spielen der Parusiegedanke und die Fragen nach dem Weltende und der Weltvollendung in der Predigt Jesu? Und schließlich: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Heilsbedeutung der Reich-Gottes-Botschaft und dem Kreuzestod des Nazareners? Böttigheimer diskutiert die Lösungsansätze der neueren theologischen Forschung ausführlich durch und weist bei jedem Fragenkomplex explizit auf "offene Fragen" hin, die anregende Impulse zur weiteren Auseinandersetzung und Klärung bieten wollen. Der empfehlenswerte Band ist streng wissenschaftlich gearbeitet, mit einem ausführlichen Literatur- und Bibelstellenverzeichnis ausgestattet und wendet sich an TheologInnen und interessierte Laien.

Karl Krendl | biblio

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