Detail
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Thome, Felix:
Studien zum Johanneskommentar des Theodor von Mopsuestia
/ Felix Thome
- Bonn
: Borengässer,
2008.
- 463 S.
- (Hereditas; Bd. 26)
ISBN 978-3-923946-76-1 / 3-923946-76-7
fest geb. : ca. € 49,25
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Rezension:
Die Entstehung der hier im Druck vorliegenden Tübinger Habilitationsschrift von Felix Thome wurde von Hermann Josef Vogt angeregt und begleitet, von Luise Abramowski unterstützt, von Hans Reinhard Seliger und Stephen Gerö begutachtet. Das gelehrte Umfeld dieser Forschungsarbeit könnte nicht kompetenter sein. Aufgrund des Titels würde man zunächst eine Sammlung verschiedener Einzeluntersuchungen zum Johanneskommentar des Theodor vermuten. Tatsächlich veröffentlicht Felix Thome hier seine Vor- und Begleitarbeiten zu einer neuen kritischen Textausgabe und der ersten deutschen Übersetzung des Johanneskommentars von Theodor von Mopsuestia. Felix Thome präsentiert seine Forschungsergebnisse in vier großen Kapiteln: A. Überlieferung und Erforschung des Johanneskommentars Theodors von Mopsuestia, B. Untersuchungen zum Textbestand des Johanneskommentars, C. Die Schriftzitate des syrischen Johanneskommentars, und D. Abwehr gegnerischer Auslegungen und Meinungen.
Im Kapitel A seiner Arbeit informiert der Verfasser zunächst kurz über die antike Bezeugung des behandelten Textes bei frühchristlichen Autoren und über die handschriftliche Überlieferung seiner syrischen Übersetzung, über Parallelen bei späteren syrischen Kommentatoren, und das Zeugnis griechischer Katenen und lateinischer Zitate. Insbesondere beschäftigt sich der Verfasser hier aber mit seinen modernen Vorgängern in der Forschung und weist ihnen in umfangreichen und gewissenhaft kommentierten Verzeichnissen ihre zahlreichen Abschreib-, Druck- und Verständnisfehler nach. Einen vorgeblichen Übersetzer von Theodors Johanneskommentar aus dem Syrischen ins Italienische überführt er in einem eigenen Exkurs als dreisten Schwindler, und einem griechischen Bearbeiter und Übersetzer der Katenen-Fragmente ins Englische beweist er in einem zweiten Exkurs seine höchst mangelhafte Kenntnis der altgriechischen Sprache. Zu allen inkriminierten Übersetzungsstellen und Interpretationen argumentiert und präsentiert Thome jeweils auf überzeugende Weise seine eigenen Lösungen.
Das Kapitel B ist der Frage nach dem ursprünglichen Umfang des Kommentars gewidmet: Bietet die einzig erhaltene syrische Übersetzung aus dem Griechischen überhaupt den vollständigen Text, zumal darin manche Verse des Johannesevangelium unkommentiert bleiben, der Schluss überhaupt lückenhaft ist und manche griechische Katenen-Fragemente über den syrisch überlieferten Text hinausgehen? Hier übersetzt und kommentiert der Verfasser alle griechischen Katenen-Fragmente und lateinischen Zitate neben und gemeinsam mit ihren Parallelen in der syrischen Überlieferung, um jeweils dem ursprünglichen Text auf die Spur zu kommen. Es ist dies der umfangreichste Teil der Arbeit, der auch schon einen Vorgeschmack auf die gesamte Übersetzung ins Deutsche und einen repräsentativen Einblick in den Kommentar des Theodor insgesamt gibt. Der Befund des Verfassers ist differenziert: Die syrische Übersetzung habe den griechischen Text fast vollständig wiedergegeben, allerdings auch Stellen, die schwer zu übersetzen gewesen wären, weggelassen. Aber schon Theodor selbst habe nicht alle Stellen des Evangeliums kommentiert. Der verlorene Schluss der syrischen Übersetzung des Kommentars sei zum Teil aus einer anderen Überlieferung ergänzt worden.
Naturgemäß weniger spannend liest sich Kapitel C über die Schriftbenützung des Theodor. Auch das Ergebnis ist unspektakulär: Theodor hat die Bibel wohl oft aus dem Gedächtnis zitiert, der syrische Übersetzer gleicht Zitate oft an die Peschitta (Peši.tta) an, ausgenommen dort, wo die Erklärung des Theodor mit dieser traditionellen syrischen Bibelübersetzung nicht harmoniert hätte.
Den Patristiker, Kirchenhistoriker und Ökumeniker interessiert vor allem das Kapitel D, in dem Felix Thome "Stellen aus Theodors Johanneskommentar zusammenstellt, in denen Theodor gegen Auslegungen polemisiert, die nicht mit seinem Verständnis der entsprechenden Schriftstellen übereinstimmen". Theodor richtet seinen Kommentar ausdrücklich gegen die beiden Arianer Eunomius und Asterius Sophistes und einen Johannneskommentar des letzteren. Dabei geht es ihm um die Ewigkeit des Logos und die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater und des Geistes mit dem Sohn. Ohne Apollinaris von Laodizäa zu nennen, argumentiert Theodor auch gegen die Bestreiter der Seele Christi. An anderen Stellen hat er Gnostiker im Visier. Um dogmatische Schwierigkeiten des Textes aufzulösen oder gegnerische Meinungen zu widerlegen, argumentiert Theodor immer wieder mit seiner Unterscheidung zwischen dem Gott-Logos und dem von diesem angenommenen Menschen Jesus Christus, auch wenn er eine solche Differenzierung dem Text nur gewaltsam aufzwingen kann. Hier tritt die Problematik und Schwäche im Denkansatz Theodors evident zu Tage, und dies an den Texten aufzuzeigen, ist ein Verdienst von Felix Thome. Das Evangelium lässt sich eben nicht in dieses scheinbar logische Schema pressen. Theodor wollte häretischen Auslegungen begegnen, ist aber dabei selbst auf einen Abweg geraten. Seine spätere Verurteilung wird somit doch verständlich und nachvollziehbar. Interessant ist wiederum, wie Theodor die Unterschiede der Evangelien, besonders in der Passionsgeschichte, zu erklären versucht.
In seiner "Schlussbetrachtung" geht Felix Thome auf die ökumenischen Fortschritte in der Annäherung zwischen der katholischen Kirche und der Kirche des Ostens ein. Er befasst sich ausdrücklich mit der Konsultation der Stiftung PRO ORIENTE im Jahre 1997 in Mundelein/Chicago, bei der den Kirchen empfohlen wurde, das Anathema über Theodor von Mopsuestia von 553 aus dem Gedächtnis zu tilgen. So weit will Thome nicht gehen. Er würde es aber "für richtig halten, zwischen dem Anathem über einzelne seiner Lehren und der Verurteilung seiner Person, seines ganzen Lebens und Lebenswerkes, zu unterscheiden und letzteres einer Revision zu unterziehen". Zu Recht warnt Thome davor, Theodor im Sinne der späteren Orthodoxie "durch eine vermeintliche Rehabilitation ein Denken zu unterschieben, das nicht das seine war." Gleichzeitig weist Thome am Beispiel von Narsai darauf hin, dass die Kirche des Ostens ihrem großen Lehrer in seinen extremen Interpretationen nicht gefolgt ist. Was den Kommentar betrifft, so sei Theodor zwar "nicht in jeder Hinsicht dem Text des Johannesevangeliums gerecht geworden", aber es steht für Thome außer Zweifel, dass es sich dabei um das Werk "eines der bedeutendsten Theologen und Schriftausleger der Alten Kirche" handelt.
Dessen vollständiger Übersetzung darf man mit Spannung entgegensehen.
*Theologisch-Praktische Quartalschrift* 1/2010 Peter Hofrichter
Quelle: Theologisch-Praktische Quartalschrift
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