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Buchtipps / 2016 / Juli

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Sandra Brandstätter: Paula

: Liebesbrief des Schreckens / Sandra Brandstätter. – Berlin : Reprodukt, 2016. – 120 S. : Ill.
ISBN 978-3-95640-093-3    fest geb. : ca. € 18,50

Woran denken wir, wenn das Wort „Sommerhit“ fällt: „Eeh ab in den Süden, der Sonne hinterher, ejo was geht“ oder „Heeeeey Macarena“ oder etwas aktueller „I, I follow, I follow you“ (2012: Lykke Li: I Follow Rivers). Es ist also die Musikbranche, die die Adelung zum sommertauglichen Verkaufsschlager für sich in Anspruch nehmen darf. Oft geht Quantität vor Qualität, was für Sandra Brandstätters „Paula. Liebesbrief des Schreckens“ nicht gelten darf. Dennoch ist dieser Comic für Kinder, dieser Kindercomic ein Sommerhit. Aber nicht, weil er bereits millionenfach verkauft wurde (was wünschenswert wäre), sondern weil sich der Sommer in den Text und in die Bilder einschreibt: „Meine Familie kommt jedes Jahr an den See, um hier Campingurlaub zu machen.“ Im Panel darunter breitet sich ein Urlaubspanorama aus, das neben See, Berggipfel und Campingarchitektur durch die kräftige Farbgebung den Sommer in die Lektüre holt. Blau, grün sowie gelb sind kräftig gestaltet und die gezeichneten Motive unterstützen die Darstellung des Kindes (und des Erwachsenen) liebster Jahreszeit: Badespaß, Eisschlecken, Comiclesen finden natürlich unter freiem Himmel statt und nur eine Tätigkeit wird in den Innenraum der Camper verlegt: das Liebesbriefschreiben.
Der Untertitel verspricht Schauderhaftes, ist aber einerseits auf den persönlichen Schrecken der Titelheldin Paula bezogen und andererseits Motor für eine weitere Kinderbuchgattung, die diesen Sommerhit prägt: der Detektiv_innenroman. Paula rätselt für ihr Leben gerne und findet in Toni einen kongenialen Gefährten, der im Laufe der Erzählung nicht nur ein guter Partner für den detektivischen Bereich zu sein scheint. Bemerkbar wird diese gefühlsirritierende und doch schöne Entdeckung, als bei einer Verabschiedung das verlegene „Äh“ und das ratlose Schweigen in Form von drei Punkten in den Sprechblasen in den Vordergrund treten. Im Bild zoomt Sarah Brandstätter auf zwei Hände, die zum ersten Mal zu einander finden und in Paulas Gesicht, deren Backen zum ersten Mal rot eingefärbt werden. Neben der klaren Panelstruktur, den sympathisch gezeichneten Figuren, einer spannenden Detektivgeschichte und der sommerlichen Campingatmosphäre stattet die Comickünstlerin die Erzählung mit reichlich Wortwitz aus, der sich zum Beispiel in österreichischem Sprachkolorit niederschlägt. Was Wörter wie „Ausgefuchster“, „Turtelmaus“ oder „Herzerlpost“ auf der sprachlichen Ebene vermitteln, bringt das skurrile Campingplatzpersonal ins Bild. So tragen auch der schleimige Campingplatzwart, das grantige Nachbarsehepaar und die omnipräsente Grillkultur dazu bei, dass dieser Comic ein Sommerhit ist.

Peter Rinnerthaler | STUBE 

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Emiel de Wild: Brudergeheimnis

 / Emiel de Wild. Aus dem Niederländ. von Rolf Erdorf. - Stuttgart : Freies Geistesleben, 2016. - 202 S.
ISBN 978-3-7725-2781-4      fest geb. : ca. € 18,40

„Es ist merkwürdig, dir zu schreiben. Wer schreibt schon seinem eigenen Bruder einen Brief?“ Juri tut es. Er hat keine andere Wahl, denn während er bei seiner Großmutter ist, verschwindet Stefan aus der Familie – und offenbar auch aus dem Gedächtnis der Eltern. Neues Haus, neue Schule, neue Nachbarschaft, in der niemand weiß, dass da noch ein Kind sein müsste, ein Teenager, der immer wieder für Probleme sorgt… Juri versucht, hinter das Geheimnis von Stefans Verschwinden zu kommen –zusammen mit der ungebeten zu Hilfe eilenden Lonneke, die nach außen hin ebenfalls Einzelkind ist. Nach und nach erschließt sich durch Erinnerungen und Leerstellen das Porträt eines jähzornigen, vielleicht klinisch verhaltensauffälligen Jungen. Obwohl Juri der Jüngere ist, war es stets seine Aufgabe, auf Stefan aufzupassen – eine Pflicht, von der die Mutter bereits Abstand genommen hat („Mama hatte Unrecht. Du bist wohl zu retten, das weiß ich sicher.“) Doch der Anlass dafür, dass Stefan weggeschickt wurde (das Wort Jugendgefängnis wird, wie so mancher Begriff, nie ausgeschrieben), bringt auch Juri an seine Grenzen. Manche Dinge kann nicht einmal er verzeihen.
Häusliche Gewalt, offene Hilflosigkeit, vermutlich psychische Erkrankungen: De Wild lässt in seinem ersten Jugendroman einige klassische Themen der Problemliteratur anklingen, holt sie aber nie aus jenem unaussprechlichen Schattendasein hervor, das sie wohl auch in der Realität führen. Gerade diese Sprachlosigkeit sorgt stellenweise für ein sehr beklemmendes Gefühl – im guten Sinn. Bis zuletzt kann die Mutter nicht verwinden, dass ihr Sohn den Tod eines Kleinkindes verschuldet hat. Juri gelingt es schließlich mithilfe seines Vaters, doch Stefans Tat hat die Familie für immer verändert.

Simone Weiss | STUBE

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Manfred Rumpl: Dieser Tage

 : Roman / Manfred Rumpl. - Wien : Picus-Verl., 2016. - 278 S.
ISBN 978-3-7117-2035-1      fest geb. : ca. € 24,00

Von der Liebe und ihren Leiden in einer nicht allzu fernen Zukunft. (DR)

Gleich vorweg: Der Autor lässt es in diesem Roman mordsmäßig "rump(e)ln" - nimmt Anleihen bei Ovid, Huxley und Orwell, spinnt lustvoll Zukunftsmusik und würzt seinen literarischen Cocktail mit ordentlich viel Schmäh und Ironie. Er erzählt die Geschichte Vincent Pygmalis, eines Mittvierzigers, der seinen Job als erfolgreicher Informatiker verloren hat und jetzt ein bescheidenes Leben als Bittsteller beim Job-Center fristet. Was die Sache so interessant macht, ist der Zeitsprung, den Rumpl einbaut. Gerade noch wähnt man ­sich in der Gegenwart, dabei ist man längst in der Zukunft. Wie viele Jährchen Rumpl hinzudichtet, ist nicht ganz klar definiert, dass die Protagonisten an einer Stelle des Romans jedoch Wein des Jahrgangs 2019 trinken, lässt Rückschlüsse zu. Pygmali war nicht immer ein Loser, ganz im Gegenteil - er verdiente gutes Geld und hatte eine schicke Freundin, Gala. Als diese Vincent ohne Vorwarnung sitzenlässt, beginnt seine Abwärtsspirale.
Pygmali, krank vor Sehnsucht, möchte Gala mittels eines Hologramms, das er auf einem Quantencomputer programmiert, wiederauferstehen lassen (das gute, alte Pygmalion-Thema lässt grüßen), dabei wird er von einer Truppe reichlich schräg skizzierter Freunde unterstützt. Die gute Nachricht: Die Liebe und ihre Irrungen, gutes Essen und guter Wein spielen auch in der Zukunft eine wichtige Rolle. Die schlechte Nachricht: Das geeinte Europa ist in Rumpls Visionen längst Geschichte, der Euro wurde wieder durch den Schilling ersetzt, die Flüchtlingsthematik ist noch immer nicht gelöst, der Mensch wird rund um die Uhr ausspioniert und überwacht. Generell mutet die ganze Handlung stellenweise wie ein düsteres Endzeitszenario an. "Soma" rauchend und darob "stimmungsaufgehellt" (in Anleihe an Aldous Huxleys Roman "Schöne neue Welt") wurschtelt sich Pygmali durch ein düster gezeichnetes Wien der Zukunft. Als Tüpfelchen auf dem i programmiert er schließlich einen kleinen Roboter, der das "perfekte Risotto" kochen kann (köstlich!). Ein pointierter und fantasievoller Roman, der aufgrund der vielen Ecken und Kanten, Finten und Quanten viel Aufmerksamkeit verdient!

Barbara Rieder | biblio

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Susanne Scholl: Warten auf Gianni

 : eine Liebesgeschichte in sieben Jahren ; Roman / Susanne Scholl. - St. Pölten : Residenz-Verl., 2016. - 215 S.
ISBN 978-3-7017-1667-8      fest geb. : ca. € 19,90

Illusion einer Liebe. (DR)

Zehn Jahre hat Lilly mit dem eleganten, gut aussehenden Stefan zusammengelebt und sich neben ihm stets minderwertig gefühlt. Nun hat er sie endgültig wegen einer attraktiven Blondine verlassen. Eine Einladung von ihrer italienischen Freundin Miriam und deren Mann Carlo, doch mit ihnen den Sommerurlaub auf Sardinien zu verbringen, reißt Lilly aus der großen Traurigkeit. Unbeschwerte sonnige Tage sollen sie die schmerzhafte Trennung vergessen lassen. Auf Sardinien lernt sie den römischen Bankbeamten Gianni kennen, der mit seinem sich bereits lichtenden Haar und dem dicken Bauch über den ausgebleichten Shorts aufs Erste gar nicht so attraktiv wirkt, sich in längeren Gesprächen aber als sanft, aufmerksam und verständnisvoll erweist. Lilly erträumt sich heimlich eine romantische Zukunft mit ihm, Heirat und Kind inklusive. Gianni ist aber bereits - wenn auch nicht sehr glücklich - verheiratet und hat einen heranwachsenden Sohn. Wieder daheim in Wien ist Lilly auf ihre Probleme zurückgeworfen: familiäre Konflikte, berufliche Schwierigkeiten…
Sieben Sommer verbringt Lilly in der Folge auf Sardinien, in denen sie stets mit Gianni in Kontakt kommt, ohne Klarheit über ihre Beziehung zu finden. Die seltenen E-Mails während des Jahres befeuern ihre sehnsüchtigen Phantasien mehr, statt sie zu entzaubern. Lillys verwundetes Herz fängt noch mehr an zu bluten, als ihre vertraute Freundin Sophie an Krebs stirbt. Erst der siebte sardische Sommer bringt endlich die überraschende Entscheidung.
Mit leiser Ironie zeichnet die bekannte ORF-Journalistin in ihrem Roman die Figuren rund um die verunsicherte Mittdreißigerin Lilly, wobei sie das typische Wiener Mittelstandsmilieu mit der lockeren südlichen Lebensart kontrastiert. Am besten irgendwo im sonnigen Italien als entspannende, leichte Lektüre zu genießen!

Maria Schmuckermair | biblio

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Juli Zeh: Unterleuten

: Roman / Juli Zeh. - München : Luchterhand, 2016. - 639 S.
ISBN 978-3-630-87487-6      fest geb. : ca. € 25,70

Die Planung eines Windparks im Dorf Unterleuten entfacht einen erbitterten Kampf, in dem sowohl Alteingesessene als auch Zugezogene Allianzen und Intrigen schmieden und für die Durchsetzung ihrer Interessen vor kriminellen Handlungen nicht zurückschrecken. (DR)

Das idyllische Dorf Unterleuten im Brandenburgischen hat zwar keine Touristenattraktionen zu bieten, zieht aber Jahr für Jahr Ornithologen an, welche hier selten gewordene Vogelarten beobachten können. Auch ein paar Aussteiger aus dem nicht allzu weit entfernten Berlin proben seit einiger Zeit in Unterleuten das Landleben. Da ist der 45-jährige ehemalige Dozent der Sozialwissenschaften, der mit seiner jungen Frau und dem gemeinsamen Baby nach Unterleuten gezogen ist und nun als Naturschützer arbeitet. Linda, eine attraktive 25-Jährige, setzt alles daran, die Genehmigung für eine Pferdezucht zu bekommen. Unter den Alteingesessenen ragt der erfolgreiche Unternehmer Gombrowski hervor, der es geschafft hat, das Landgut seiner Familie, das in der DDR-Zeit enteignet wurde, wieder zurückzubekommen und Kron, sein Widersacher, ein Wendeverlierer, der nicht verwinden kann, in die Bedeutungslosigkeit gesunken zu sein. Das Dorf gerät in Aufruhr, als bekannt wird, dass ein Windpark gebaut werden soll. Dies ist aber nur möglich, wenn eine entsprechend große zusammenhängende Fläche verfügbar ist. Dazu müssten einige Grundstücke verkauft werden, was deren Besitzer in eine privilegierte Lage bringt.
Damit sind Streit und Intrigen vorprogrammiert. Sowohl die Zugezogenen als auch die Alteingesessenen kämpfen um ihre Interessen. Dabei geht es nicht nur um materielle Vorteile, sondern auch um alte Rechnungen zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern, um zerstörte Illusionen und Lebenslügen. Geradezu mythisch spitzt sich der Kampf zwischen Gombrowski und seinem Kontrahenten Kron zu, die Frau des eloquenten Naturschützers, die bisher ganz in der Symbiose mit ihrem Baby aufgegangen ist, gewinnt Konturen und die attraktive Pferdeflüsterin schockiert sogar ihren Freund mit der Skrupellosigkeit, mit der sie ihre Pläne verfolgt.
Es ist wirklich bewundernswert, wie gekonnt Juli Zeh ihre ProtagonistInnen miteinander in Beziehung setzt, deren Charaktere schildert und die Handlung ungemein spannend vorantreibt. Der vieldiskutierte Roman liest sich wie ein Thriller und geht weit über eine moderne "Dorfgeschichte" hinaus. Der Autorin ist es gelungen, den Zeitgeist und das Lebensgefühl einer ganzen Epoche sichtbar zu machen, sehr zu empfehlen!

Ingrid Kainzner | biblio

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Matt Haig: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

 / Matt Haig. Dt. von Sophie Zeitz. - Dt. Erstausg. - München : dtv, 2016. - 309 S.
ISBN 978-3-423-28071-6      fest geb. : ca. € 19,50

Ein sehr persönliches und informatives Buch über Depressionen. (BO)

Matt Haig brauchte einen Abstand von rund 14 Jahren, um über seine ganz persönliche Lebenskrise zu schreiben. Wie ein Faustschlag brach damals eine massive depressive Phase über ihn herein und er konnte sich nicht vorstellen, noch einen einzigen Tag weiterzuleben. Aber Haig hat diesen Tag und viele andere schwere Tage überstanden. Er ist von seiner Depression und von seiner Angststörung nicht geheilt, aber er hat gelernt, damit umzugehen. Geholfen haben ihm dabei vorrangig seine Lebenspartnerin, seine Familie, gute Freunde und eine Vielzahl von Techniken und Strategien, die er sich zur Bewältigung seiner Krisen erarbeitet hat.
Matt Haigs Buch macht Betroffenen und Angehörigen Mut, ohne dabei falsche Hoffnungen zu erwecken. Haig lässt keinen Zweifel daran, dass die Krankheit schrecklich ist, aber er zeigt, dass viele winzige aneinandergereihte Schritte sich letztlich zu einem großen positiven Schritt ergänzen. Das mag sich für Außenstehende banal anhören, für Betroffene und Angehörige ist es das nicht.
Haig schreibt dieses Buch aus seiner ganz persönlichen Sicht und stellt dabei nicht den Anspruch, einen wissenschaftlichen Ratgeber vorzulegen. Aus meiner Sicht ist es genau das, was dieses Buch so wertvoll macht. Es ist leicht und flüssig lesbar, authentisch von der ersten bis zur letzten Zeile und bleibt dabei doch auch sachlich und informativ. Unbedingt zu empfehlen.

Uschi Pirker | biblio

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Angela Bajorek: Wer fast nichts braucht, hat alles

: Janosch ; die Biographie / Angela Bajorek. Aus dem Poln. übertr. und für die dt. Ausg. ergänzt von Paulina Schulz. - 3. Aufl. - Berlin : Ullstein, 2016. - 315 S. : Ill.
ISBN 978-3-550-08125-5      fest geb. : ca. € 22,70

Ein lang erwarteter lesenswerter biografischer Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt eines Ausnahmekünstlers. (PL)

Am 11. März wurde der beliebte und allseits bekannte Kinderbuchautor Janosch alias Horst Eckert 85 Jahre alt. Wer kennt nicht seine Kinderbuchklassiker "Oh wie schön ist Panama" (1978) oder "Post für den Tiger" (1980). Tiger, Schnuddel und Tigerente sind aus vielen Kinderzimmern mittlerweile nicht mehr wegzudenken, allein über ihren Schöpfer weiß man sehr wenig, da sich der Autor sein Privatleben betreffend stets bedeckt hielt. Die Germanistin Angela Bajorek wechselte mehr als 1000 Mails mit Janosch und besuchte ihn in seinem Wohnsitz auf Teneriffa, wo mehrere intensive Gespräche stattfanden. Als Resultat erschien nun anlässlich von Janoschs Geburtstag eine höchst interessante Biografie, die viele unerwartet intime Einblicke in die schweren Kindheits- und Jugendjahre des Schriftstellers bereithält.
Janosch wuchs in sehr einfachen Verhältnissen in einer Grubenarbeitersiedlung im schlesischen Hindenburg (heute Zabrze in Polen) auf. Der Vater war Alkoholiker, aggressiv und stets gewaltbereit, die Mutter in ihrer Frustration über den Gatten und dessen proletarische Herkunft beschämt, ebenfalls oft gewalttätig und grausam gegenüber dem kleinen Horst. Einzig der Großvater vermochte dem kleinen Jungen ein wenig emotionalen Halt zu geben. In der Schule von den Mitschülern schikaniert, von Vertretern der katholischen Kirche gequält und eingeschüchtert, zur Hitlerjugend gezwungen, waren es vor allem leidvolle und traurige Kindheits- und Jugendjahre. Doch all das ihm widerfahrene Leid diente Janosch als Motivation für seine späteren literarischen Erfolge - sei es als Kinderbuchautor, sei es auf dem Sektor der Erwachsenenliteratur.
Vor dem Hintergrund der Biografie des Autors vermag man die ein wenig widersprüchlichen Figuren seiner Bücher erst richtig zu verstehen: die oft rebellischen Tiere, die sich so gut wie nie um Konventionen kümmern, und die unterhaltsam-ironischen Geschichten, die ohne pädagogischen Zeigefinger auskommen. Die Biografie liest sich flüssig, ist spannend und interessant und eine wohl dosierte Mischung aus gesammelten Fakten, Informationen, Gesprächsprotokollen und Zitaten aus Janoschs Bücherwelt. Auf ideale Weise wird der Text durch eine Vielzahl an Fotos und Bilddokumenten ergänzt, was in Summe einen höchst bereichernden und absolut lesenswerten Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt eines Ausnahmekünstlers garantiert.

Barbara Tumfart | biblio

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Franz Hübner / Giuliano Ferri: Mein Gott, dein Gott, unser Gott

 / Franz Hübner. Mit Ill. von Giuliano Ferri. - Freiburg i. Br. : Herder, 2016. - [13] Bl. : überw. Ill. (farb.) ; 28,5 cm
ISBN 978-3-451-71339-2      fest geb. : ca. € 15,40

Drei Kinder entdecken das Gemeinsame in ihren Religionen. (ab 5) (JP)

David, Ibrahim und Johanna sind befreundet, sie leben im selben Dorf und spielen oft miteinander. Immer wieder einmal gibt es auch Streit, manchmal streiten sie sich über "Gott", denn jeder hat eine andere Vorstellung von Gott. Da beschließt Ibrahim, sich auf die Reise zu machen und herauszufinden, wer der größte, beste und mächtigste Gott ist. Sein Weg führt um die ganze Welt, am Ende erkennt er, dass Gott immer derselbe ist, überall, die einen Menschen nennen ihn so, die anderen so. Er kehrt zu seinen Freunden zurück und will nun nicht mehr mit ihnen über diese Frage streiten.
Der ähnlich einer Parabel erzählte Text ist hineingeschrieben in doppelseitige Bilder des italienischen Illustrators Giuliano Ferri. Auch ohne religiöse Symbole vermitteln sie eine spirituelle Stimmung. Menschen, die einander begegnen, stehen im Mittelpunkt.
Kinder begegnen heute schon im Kindergarten anderen Religionen und müssen sich - mehr als viele Erwachsene - damit auseinandersetzen. Dieses Buch ist dabei eine wertvolle Unterstützung, es lädt Kinder ab 5 und Erwachsene zum Nachdenken und zum Gespräch ein.

Gabriele Doblhammer | biblio

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