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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2018 / Mai

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Andrea de Santis / Steve Parker: Space Kids

: eine Einführung in den Weltraum / ill. von Andrea de Santis. Texte von Steve Parker. Übers. von Andreas Bredenfeld. – Berlin: Kleine Gestalten, 2018. – 37 S. : zahlr. Ill. (farb.) ; 29 cm
ISBN 978-3-89955-794-7   fest geb. : ca. € 20,50

Ein junges Mädchen liegt an einem See und sieht in den Nachthimmel, ihr Fahrrad liegt neben ihr und um den Steg tummeln sich rote Fische. Blickt man noch etwas weiter vom Ufer entfernt, sieht man Sterne, eine Galaxie und sogar eine Supernova. „Ich bin das Weltall. Ich bin alles und überall“, stellt sich das Thema dieses Sachbilderbuches vor. Es beginnt eine einführende Reise in den Weltraum, ohne dabei jemals den Faden zur Erde und zur kindlichen Lebenswelt reißen zu lassen.
Die lebendigen und verspielten Illustrationen des italienischen Graphikdesigners Andrea de Santis setzen die einladenden und schlüssigen Erklärungen stets in den Kontext von kleinen ErdenbewohnerInnen. Die Kinder unterschiedlicher ethnischer Hintergründe werden so zum Beispiel beim Spielen mit einer Bollerwagenrakete gezeigt, während sich am Himmel darüber die Milchstraße und andere Galaxien auftun.
Der britische Wissenschaftsautor Steve Parker erzählt kurz und prägnant von Sternen, Galaxien, dem Sonnensystem, Raumfahrt und Astronautenzahnpasta. Dabei enthält jede Doppelseite ein Thema, das sich in der ersten Person vorstellt. Dazu gibt es kurze Textblöcke, die einen Überblick dazu bieten sowie Erläuterungen zu den Illustrationen. Der Fokus liegt allerdings weniger darauf, Detailwissen zu vermitteln, als viel mehr zum Staunen einzuladen über die Unendlichkeit des Universums und die Wunder, die es bietet.
Von den weltraumfaszinierten Kindern, die Ausgangspunkt der meisten Doppelseiten sind, wird der Bogen konsequenterweise zurück zur Erde gespannt. „Schau dich um, kleiner Erdling. Die Erde ist ein wundersamer Ort. Hier gibt es Tiere, Pflanzen, Luft, Festland, Wasser … Und dich!“ Ein liebevolles Sachbilderbuch zur Einführung in die Weiten des Weltalls und zum Immer-wieder-Anschauen für alle Erdlinge ab 6 Jahren.

Alexander Pommer | STUBE 

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Alex Wheatle: Liccle Bit

: der Kleine aus Crongton ; Roman / Alex Wheatle. Aus dem Engl. von Conny Lösch. - München : Verlag Antje Kunstmann. - 251 S.
ISBN 978-3-95614-231-4     fest geb. : ca. € 18,50

Lemar ist 14 Jahre alt, unscheinbar und kunstbegabt, bringt ein bisschen zu viel Pfund auf die Waage und ein bisschen zu wenig Zentimeter in die Höhe, weswegen er von allen nur „Liccle Bit“ genannt wird. Er lebt in der fiktiven Stadt Crongton, die Alex Wheatle in ein britisches Umfeld einbettet, ihr durch zahlreiche US-amerikanische, internationale Anleihen aber zugleich einen kosmopolitischen Charakter einschreibt. In seinem jugendliterarischen Debüt entwirft der britische Autor mit jamaikanischer Abstammung jene sowohl in räumlich-sozialer als auch in sprachlicher Hinsicht eindrückliche Erzählwelt, in der auch die folgenden Bände seiner Crongton-Trilogie verortet sind: In einer Stadt, in der die Majorität der Bevölkerung schwarz ist – was im Buch jedoch kaum angesprochen und dadurch normalisiert wird – und die in zwei Teile geteilt ist: Seit Generationen sind die North Crongs und die South Crongs in brutale Bandenkriege verstrickt, die auch das Leben von Lemars Familie bestimmen. Dieser lebt in South Crongton gemeinsam mit drei weiteren Generationen (Großmutter, Mutter, Schwester, Neffe) in einer viel zu kleinen Wohnung, in der es an männlichen Vorbildern mangelt. Lemars Dad hat seine Familie verlassen und will nun mit neuer Frau und Tochter auch noch ganz aus Crongton wegziehen, weshalb seine Mutter als Alleinverdienerin für die Familie sorgen muss. Lemars aufbrausende Schwester, die die Schule abgebrochen hat, um für ihren Sohn zu sorgen, will von dem Vater des dauerkreischenden Babys nichts mehr wissen. Denn er ist OG („Obergangsta“) Manjaro, der Bandenboss von South Crongton. Lemar selbst hat mit dem Ganzen eigentlich gar nichts am Hut. Er will sich ja nur ein bisschen Geld dazuverdienen, für einen Iro-Schnitt, der gerade der letzte Schrei ist. Praktischerweise bittet Manjaro ihn um einen Gefallen. Und plötzlich gehört Lemar dazu.
Eindrucksvoll erzeugt Alex Wheatle eine beklemmende Atmosphäre, in der er nicht nur Lemars Welt, sondern auch jene der Leser_innen an der Stadtgrenze enden lässt. Seine differenzierte Figurenzeichnung ermöglicht es ihm, sich geschickt durch heikle Themenkomplexe wie soziale Ungerechtigkeit, Rassismus und Bandenkriminalität zu manövrieren. Bemerkenswert ist auch Wheatles erfundene, auf der Südlondoner Umgangssprache basierende Jugend-Slang-Sprache, die er mit Ausdrücken aus der US-Hip-Hop-Szene und dem jamaikanischem Dancehall Reggae sowie mit allerhand anderen populärkulturellen Anleihen anreichert. Ein buntes Gemisch, das die Schnelllebigkeit und Vielseitigkeit von Alltagssprache gekonnt einfängt. Auch wenn Wheatles englische Sprachspiele, die Conny Lösch in ihrer Übersetzung geschickt umschifft, durch die Übertragung ins Deutsche manchmal an ihrer Originalität verlieren, machen die flott getakteten Dialoge und Lemars spritzige Erzählerstimme, die auch vor ordentlichem Fluchen nicht zurückschreckt, den Roman nicht nur zu einer gesellschaftskritischen, sondern auch äußerst unterhaltsamen Lektüre.

Claudia Sackl | STUBE

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Fernando Aramburu: Patria

: Roman / Fernando Aramburu. Aus dem Span. von Willi Zurbrüggen. - 2. Aufl. - Reinbek : Rowohlt, 2018. - 760 S.
ISBN 978-3-498-00102-5      fest geb. : ca. € 25,70

Die katastrophale Kraft des fanatischen Nationalismus, die tief in höchst persönliche Beziehungen wie Familie und Freundschaft hineinwirkt. (DR)

2011 erklärte sich die baskisch-nationalistische Untergrundorganisation ETA nach vier Jahrzehnten blutigen Kampfes zum Waffenstillstand mit der spanischen Regierung bereit. Am Beispiel zweier Familien, die eng befreundet waren und durch den Terror entzweit wurden, zeigt der großartige, aus dem Baskenland stammende und in Deutschland lebende Erzähler Aramburu alle Facetten von nationalistischer Verblendung sowie fanatischem Hass auf der Täterseite und nie verheilender Verwundung und verzweifelter Ohnmacht auf der Opferseite.
Der Fuhrunternehmer Txato hat sich von den Drohungen der ETA nicht einschüchtern lassen und keine Revolutionssteuer bezahlt. Deshalb wird er vor seinem Haus erschossen. Joxi Mari, der Sohn seines besten Freundes, steht im Verdacht, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Zwanzig Jahre nach dem Mord kehrt Txatos Witwe Bittori in ihr altes Haus zurück, misstrauisch beäugt vom ganzen Dorf. Bittori ist todkrank und hat nur mehr wenige Monate zu leben. Damit sie bei ihrem Mann im Grab Ruhe finden kann, möchte sie, dass der mutmaßliche Mörder Abbitte leistet. Doch Joxi Mari ist auch nach 17 Jahren Gefängnis noch immer von Hass zerfressen und uneinsichtig.
Die Sprachform der erlebten Rede, die passagenweise sogar in die Ich-Form kippt, erlaubt es, den plastischen Figuren extrem nahe zu kommen und ihre Emotionen und Gedankengänge nachzuvollziehen. Neben den familiären, menschlichen Problemen (Ehekrisen, Krankheit, Ausgrenzung…) belastet der alles durchdringende Terror des Baskenkonfliktes das Leben der Hauptfiguren. Letztlich ist dieser dichte Roman ein wortgewaltiger Aufruf zur Versöhnung. Starke Empfehlung!

Maria Schmuckermair | biblio

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Ruth Cerha: Traumrakete

: Roman / Ruth Cerha. - Frankfurt/M. : Frankfurter Verlagsanst., 2018. - 477 S.
ISBN 978-3-627-00249-7      fest geb. : ca. € 24,70

Zwischen Traum und Realität auf den Spuren eines Familiengeheimnisses. (DR)

Dave, Ruth Cerhas verletzlicher Protagonist in "Traumrakete", befindet sich zu Beginn des Romans in keiner beneidenswerten Situation. Das liegt zum einen daran, dass sein Ehe- und Familienleben im Grunde nur noch eine Farce ist: Mit seiner Frau Janet ist kein offener Austausch mehr möglich, seine Tochter Mel ist in die Irrungen und Wirrungen der Pubertät verstrickt, sein Sohn Max pendelt nur noch zwischen Computerspielen und den nebligen Welten seiner Joints, während Daves dominanter, gefühlskalter Vater seine angeschlagene Gesundheit vorsätzlich aufs Spiel setzt. Zum anderen leidet Dave an Depressionen, die ihn vom Gros seiner Mitmenschen isolieren, mit Ausnahme seines jüngsten Sohnes Nobbs. Als sich dann auch noch zunehmend seltsame Träume in Daves Dasein drängen, beginnt er mit der Technik des luziden Träumens zu experimentieren. Dadurch hofft er, seine Traumbilder enträtseln zu können, vor allem jene wiederkehrenden von einer Unbekannten im beigen Trenchcoat und einer Frau in einem zerrissenen weißen Kleid. Tatsächlich provoziert diese Technik aber vorerst nur noch kryptischere Visionen, über die sich Dave mit seinem skeptischen Therapeuten nur ansatzweise austauschen kann. Schließlich zur Überzeugung gelangt, dass der Schlüssel in der eigenen Familiengeschichte liegt, bricht er kurzentschlossen nach New York auf, um dort bei seinem Onkel Bill, einem Vietnamveteranen, Antworten zu finden.
Was Dave in seiner Heimatstadt dann tatsächlich entdeckt und welches Licht es nicht nur auf sein eigenes Leben wirft, muss an dieser Stelle verschwiegen werden - allein, die Auflösung der Rätsel überzeugt in diesem kunstvoll konstruierten, klug verschachtelten, zwischen Zeit- und Wahrnehmungsebenen effektvoll changierenden Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite stets stimmig bleibt.

Eva Unterhuber | biblio

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James Baldwin: Von dieser Welt

: Roman / James Baldwin. Aus dem amerikan. Engl. von Miriam Mandelkow. Mit einem Vorw. von Verena Lueken. - Neuübers. - München : dtv, 2018. - 317 S.
ISBN 978-3-423-28153-9      fest geb. : ca. € 22,70

Selbstfindung eines schwarzen Jungen, der sich nicht nur in einer den Schwarzen feindlich gesinnten Umwelt, sondern auch gegen einen sadistischen Stiefvater behaupten muss. (DR)

Harlem, New York um 1930: Hier wächst John Grimes, ein aufgeweckter, sensibler Bub, in bitterer Armut auf. Seine Familie ist tief religiös, der Stiefvater Gabriel Prediger einer Pfingstbewegung. An Johns vierzehntem Geburtstag bricht vieles, was bisher unter der Oberfläche gebrodelt hatte, auf. Sein Halbbruder Roy kommt von Messerstichen schwer verletzt nach Hause. In der Folge entbrennt zwischen seinen Eltern ein heftiger Streit, der in einem Gewaltexzess endet. John ist von ambivalenten Gefühlen hin und her gerissen. Er fürchtet und verabscheut seinen Stiefvater, ist aber auch stark von ihm geprägt. Seine erwachende Sexualität, das Aufbegehren gegen die väterliche Tyrannei und die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstentfaltung kollidieren mit dessen patriarchaler Autorität. Was ihn aufrecht hält sind die Liebe seiner Mutter, die Freundschaft mit einem etwas älteren Jungen der Kirchengemeinde und die Unterstützung seiner resoluten Tante. Ein ekstatisches Erweckungserlebnis, das ihn bei einem Gottesdienst vor der Gemeinde als Prediger offenbart, gibt ihm die Zuversicht, sich gegen alle Widrigkeiten behaupten zu können.
In seinem autobiografischen Roman schildert Baldwin das Aufwachsen eines Kindes, das nichts anderes kennt als den täglichen Überlebenskampf, die Verachtung der Weißen und die reale Gefahr, ohne Grund zusammengeschlagen zu werden. Für seinen Protagonisten (wie seinerzeit für den Autor) wird dieses ohnehin schon prekäre Leben durch einen sadistischen Stiefvater noch schwieriger. In Rückblenden wird das Schicksal von Johns Eltern lebendig. Als Kinder von Müttern, die noch als Sklavinnen geboren wurden, suchen sie selbst eine bessere Zukunft im Norden. Doch auch dort stoßen sie auf eine ihnen feindlich gesinnte weiße Bevölkerung. Die erlittenen Traumata sind eine Bürde, an denen noch ihre eigenen Kinder schwer tragen werden. Trost und Halt wird in einer inbrünstig gelebten Religiosität gesucht, an deren strengen Forderungen aber auch der fanatische Gabriel scheitert, als er eine außereheliche Beziehung eingeht und das Mädchen, als es schwanger wird, seinem Schicksal überlässt.
James Baldwin (1924-1987) gelang es aufgrund seiner außergewöhnlichen Begabung zu dem führenden schwarzen Autor der USA zu werden. Rassendiskriminierung, Sex, Gewalt, Liebe und Religion sind die Themen sowohl seiner Romane und Erzählungen als auch seiner scharfsinnigen und stilistisch brillanten Essays. Nach seinem Tod geriet sein Werk zwar nicht in Vergessenheit, doch man hielt die darin behandelten Probleme für überholt. Nicht zuletzt durch den Rechtsruck, der in den USA unter Trump einen kräftigen Aufwind bekommen hat, beschäftigen sich zeitgenössische schwarze Autoren wieder verstärkt mit dem Thema Rassismus. Auch das Werk James Baldwins wird wieder neu entdeckt. Im deutschsprachigen Raum macht dtv den Auftakt mit dem vorliegenden Roman und wird in Folge das gesamte Werk in neuer Übersetzung herausbringen. "Von dieser Welt" ist so eindringlich und fesselnd geschrieben, dass man als Leser, als Leserin, aufgewühlt und zutiefst berührt ist. Ein Stück Weltliteratur, das jede Bibliothek bereichert.

Ingrid Kainzner | biblio

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Mona Horncastle: Gustav Klimt

: die Biografie / Mona Horncastle ; Alfred Weidinger. - Wien : Brandstätter, 2018. - 325 S. : zahlr. Ill. (z.T. farb.)
ISBN 978-3-7106-0192-7      fest geb. : ca. € 29,90

Goldene Zeiten - goldene Seiten: eine umfassende, aufwendig gestaltete Klimt-Biografie. (KB)

Gustav Klimt (1862-1918) avancierte im 20. Jahrhundert zur Jugendstil-Ikone, die Beliebtheit des Secessions-Gründungspräsidenten ist ungebrochen. Doch zeigen die Autoren den progressiven Künstler des Fin de Siècle nicht nur von seiner schillernden und offiziellen Seite, sondern auch als mürrischen Einzelgänger, kompromisslos in der Arbeit und unfähig, einer Frau treu zu sein, der aber gleichzeitig die Frauen schätzte, Kinder liebte, großzügig war und bedingungslos die Verantwortung für seine Familie übernahm.
Die Aufmachung dieser Biografie über Gustav Klimt ist vielversprechend: Gelb-goldene Ornamente zieren den Bucheinband, selbst der Buchschnitt ist in dieser Farbe gehalten. In 20 Kapiteln wird Klimts Lebensgeschichte vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund leichtfüßig und gleichzeitig fundiert geschildert. Die farbigen Illustrationen sind ebenso wie die textlichen Quellen gut gewählt und bereichern den Text. Mit seinem umfassenden Anhang und dem ausführlichen Personenregister eignet sich das Werk auch als Basislektüre für wissenschaftliches Arbeiten. Den Klimt-Experten Mona Horncastle und Alfred Weidinger ist ein in jeder Hinsicht hochwertiger Überblick zu Gustav Klimt und seiner Zeit gelungen, der angesichts der großen Popularität dieses Künstlers für jede Bibliothek eine Bereicherung darstellt.

Sandra Brugger | biblio

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Georg Schmidt: Die Reiter der Apokalypse

: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges / Georg Schmidt. - München : C.H.Beck, 2018. - 810 S. : Ill.
ISBN 978-3-406-71836-6      fest geb. : ca. € 32,90

Der Dreißigjährige Krieg - auf dem neuesten Stand der Geschichtsforschung. (GE)

Georg Schmidt, Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit in Jena, behandelt in seinem Buch den Dreißigjährigen Krieg, der vor 400 Jahren mit dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 begann. Ihm gelingt das Kunststück, die unterschiedlichen Ursachen, die vorwiegend religiösen Motive, die differenzierten politischen und militärischen Geschehnisse, bedingt durch die Vielfalt der Bündnisse und der Schauplätze, sowie die oft unbeabsichtigten Verläufe und Folgen umfassend darzustellen.
Mit dem aussagekräftigen Buchtitel "Die Reiter der Apokalypse" erklärt der Autor das Denken der Menschen im 17. Jahrhundert: Religiosität und Aberglaube regierten das Volk, die Heerführer und ihre Soldateska sowie die Kaiser selbst. Hungersnöte und Krankheiten wie die Pest wurden als gottgewollt erklärt und ertragen, ebenso alle Kampfhandlungen. Diese endeten letztendlich mit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück 1648, wo ein Vertrag unter besonderen Prinzipien entstand: Alle Parteien handelten ihn aus, durch ihn wurden Amnestie und immerwährendes Vergessen garantiert. "Wer wollte heute ein solches zukunftsweisendes Grundgesetz unterschreiben?", analysiert der Autor.
Dieses wissenschaftlich fundierte Buch kann allen historisch interessierten LeserInnen wärmstens empfohlen werden. Abbildungen, Literaturverzeichnis und Personenregister runden die Komplexität ab. Als ideengeschichtliche Einführung passt dazu bestens das Werk von Heinz Schilling "1517. Weltgeschichte eines Jahres" (C.H. Beck).

Michael J. Ogrisegg | biblio

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Olivier Ndjimbi-Tshiende: Und wenn Gott schwarz wäre ...

: mein Glaube ist bunt! / Olivier Ndjimbi-Tshiende. - Gütersloh : Gütersloher Verl.-Haus, 2017. - 189 S.
ISBN 978-3-579-08684-2      fest geb. : ca. € 18,50

Erfrischende Gedanken für eine zukunftsfähige Kirche. (PR)

Ndjimbi-Tshiende stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, ist Priester und lebt seit 2005 in Deutschland. Hier leitete er mehrere Pfarren, bis er 2015 die Flüchtlingspolitik und den Umgang mit Flüchtlingen in seiner letzten Pfarre (Zorneding bei München) offen kritisierte - und sie aufgrund einer darauf einsetzenden Hetzkampagne verlassen musste. Diese Erfahrungen waren Anlass für den Autor zu fragen, wie Kirche sein müsste, um in einer solchen Gesellschaft beispielhaft und verändernd vorangehen zu können. Und so formuliert er in sieben Kapiteln - inspiriert vom Evangelium und dem lebendigen Glauben der afrikanischen Heimat - seinen Traum von einer zukunftsfähigen (europäischen) Kirche. Diese müsste sich entschieden für die Gleichheit aller Menschen stark machen, mehr Gott als sich selbst in den Mittelpunkt stellen, ein Ort gelebter Liebe und Barmherzigkeit sein, sich vom Zölibat verabschieden und offen für die Dienste von Frauen als Diakoninnen oder Priesterinnen eintreten.
Damit reiht sich dieser Band in eine Folge von Publikationen der letzten Zeit ein, in welchen Priester aus ihrer Erfahrung (Frustration?) heraus positiv-konstruktive Anstöße zur Erneuerung und Belebung ihrer Kirche geben möchten. Die Ausführungen Ndjimbi-Tshiendes sind leidenschaftlich, erfrischend, klar strukturiert und sehr konkret. Jetzt fehlt nur noch die Umsetzung!

Karl Krendl | biblio

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