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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2016 / Oktober

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Stefan Boonen: Hier kommt Oma

/ Stefan Boonen. Aus dem Niederländ. von Verena Kiefer. Mit Bildern von Melvin. – Würzburg : Arena, 2016. – 87 S. : Ill.
ISBN   978-3-401-60158-8    fest geb. : ca. € 10,30

Hier kommt eine Oma, wie man sie selten sieht: Mit Tennissocken bis zum Knie, runder überdimensionaler Brille und permanentem Lächeln im Gesicht. In dieser Aufmachung holt sie ihre Enkel mit dem „Klapperbus” ab und entführt die Kinder für ein Wochenende aus ihrem alltäglichen Leben. Die Eltern, die nur durch Beine, Arme und ein paar lästige Fragen im Bilderbuch von Stefan Boonen und Melvin präsent sind, haben hier so gut wie keinen Platz. Eingangs folgt man dem Enkelsohn, der gleich auf der ersten Doppelseite aus dem elterlichen Haus stürmt und dabei gekonnt alle Fragen der Eltern so kurz wie möglich beantwortet. Das vordergründige Ziel ist das alte Haus im Wald, das mit viel Fantasie wie ein überdimensionaler Drache aussieht.
Dieser Ort steht in starkem Kontrast zu dem, was man sonst von zu Hause kennt, und das nicht nur, weil in diesem Haus angeblich ein Riese gewohnt hat. Die Kinder bekommen die gruseligsten Geschichten erzählt, ihnen wird zum Einschlafen in die Wangen gebissen und sie können in ihren schmutzigen Socken herumlaufen, wenn es ihnen gefällt. Diese skurrile Oma versteht es, aus Alltäglichem etwas Besonderes zu machen, die Kinder eigene Entscheidungen treffen zu lassen und gleichzeitig den Zusammenhalt der Kinder sowie ihre Eigenständigkeit zu stärken. Einem abenteuerlichen Ausflug in den Wald steht nichts im Wege – abgesehen vom ruheliebenden und außerordentlich korrekten Förster Schild, der seinem Namen alle Ehre macht. Er hat den Wald mit Schildern, die irgendetwas verbieten oder vor irgendetwas warnen, versehen. Doch das hält die abenteuerlustigen Kinder und ihre Oma vor nichts ab und die Anweisungen werden entweder ignoriert oder neu beschriftet. Der Wald wird zum wilden Spielplatz, in dem man „Mutig-Sein” üben kann. Sobald das Wochenende vorbei ist, geht es aber wieder nach Hause, wo den fragenden Eltern der Einblick in die letzten drei Tage verwehrt wird und so die Enkel mit ihrer Oma zu einer Art geschlossenen Einheit gemacht werden.
In den in dunkelblau, orange und weiß gehaltenen Illustrationen werden Fantasiegebilde immer wieder mit der Realität vermischt und die Größenverhältnisse aufgehoben. Die dynamisch eingesetzten Farben spiegeln die Turbulenz wider, die eine Kindergruppe mit dieser außergewöhnlichen Oma mit sich bringt. Die Bilder korrespondieren gekonnt mit dem Text, der aus dem Niederländischen übersetzt wurde, und bilden eine Einheit, indem die Wortspiele und die kindliche Kreativität verbildlicht werden. Das 87 Seiten umfassende Bilderbuch erhält durch den Einsatz von Dialogen und der lautmalerischen Akzentsetzung einen Rhythmus, der zu den Handlungen der Kinder passt. Zudem bietet es der wohl wildesten Großmutter in der Kinder- und Jugendliteratur, die zeigt, dass man auch in hohem Alter ordentlich auf den Putz hauen kann, viel Platz, um Eindruck zu hinterlassen.

Carina Kargl | STUBE 

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Sarvenaz Tash: Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums

/ Sarvenaz Tash. Aus dem Engl. von Sandra Knuffinke und Jessika Komina. – Bamberg : Magellan, 2016. – 302 S.
ISBN    978-3-7348-5027-1     fest geb. : ca. € 17,50

„Wenn irgendwer inzwischen Gedankenhologramme erfunden hätte, würde jetzt vor mir in der Luft eine leere Excel-Tabelle erscheinen.“ Graham ist verliebt. Außerdem hat er Karten für die New Yorker Comic-Con, auf der dieses Jahr sein absoluter Lieblingscomicautor Robert Zinc („der J.D. Salinger der Comic-Szene“) ein 45-minütiges Live-Interview geben wird. Zudem ist er auch der Lieblingsautor seiner besten Freundin Roxy, in die Graham heimlich verliebt ist. Welch bessere Gelegenheit gäbe es also, ihr mit dem Überreichen einer Karte für das heiß ersehnte Interview auch endlich seine Liebe zu gestehen?
„Mein Gedankenhologramm explodiert zu Konfetti.“ Wenn das nur so einfach wäre und er sich nur nicht in einer Geschichte befinden würde, wie er sie selbst auch schreibt. Denn Graham ist nicht nur Comicleser, sondern auch Comicautor. Gemeinsam mit Roxy, die die Zeichnungen beisteuert, arbeitet er gerade an einer Teenager-Superhelden-Graphic Novel. Jedweden Widrigkeiten zum Trotz versucht Graham alles, um Roxy für sich zu gewinnen. Daran kann weder der unmögliche Typ von der Ticket-Schlange noch der unverschämt attraktive, britische Comicfan Devin, den Roxy beim Speeddating kennengelernt hat, etwas ändern.
„Auf der Suche nach guten Erzählsträngen im Chaos.“ Sarvenaz Tash verortet ihren unterhaltsamen Jugendroman in einem etwas anderen Setting. Die Geschichte ist rund um die Tage an der größten Comicmesse der Welt angelegt und dementsprechend prägen Intertextualität und popkulturelle Bezüge, Comicsprache und Computersymbolik Grahams Erzählung. Seine Hobby-Karriere als Verfasser von Fan-Fiction gibt Anlass für einen erfrischenden Metadiskurs über das Geschichtenschreiben und Autorschaft, der in ironischen Verneinungen der eigenen Fiktionalität seinen Ausdruck findet. Aber auch an Selbstironie gegenüber seiner Identität als Comic-Geek fehlt es dem 16-jährigen Ich-Erzähler nicht. (Beinahe) ganz ohne Kitsch und Klischees kommt Sarvenaz Tashs Roman aus, der humorvolle Ton und der flotte Erzählstil sorgen für eine äußerst amüsante Lektüre.

Claudia Sackl | STUBE

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René Freund: Niemand weiß, wie spät es ist

: Roman / René Freund. - Wien : Deuticke, 2016. - 270 S.
ISBN 978-3-552-06326-6      fest geb. : ca. € 20,60

Ein Testament als Auftrag zur Grenzerfahrung. (DR)

Nach dem Tod ihres Vaters erfährt Nora seinen letzten Willen und der ist reichlich seltsam. Sie soll die Asche ihres Vaters an einen zunächst unbekannten Ort bringen. In der Kanzlei des zuständigen Notars lernt sie dessen Gehilfen Bernhard kennen. Die beiden könnten gegensätzlicher nicht sein: Sie lebenslustig und chaotisch, er ein etwas seltsamer Asket. Doch ausgerechnet Bernhard soll sie auf dieser eigenartigen Tour begleiten. Quer durch Europa und zu Fuß - als notarielle Aufsicht. Per E-Mail und Videobotschaft erhält sie täglich neue Hinweise auf Etappenziele.
Die Geschichte lebt natürlich von der zwischenmenschlichen Dynamik, die sich auf so einer Reise ergibt. Emotional, aber auch humorvoll entwickelt sich zwischen Nora und Bernhard eine ganz eigene Gemeinschaft. Außerdem erfährt Nora viel über ihren verstorbenen Vater, der sich diese Sache ja nicht ohne Grund ausgedacht hat. Ein schöner Roman, der für alle Bestände geeignet ist.

Sabine Eidenberger | biblio

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Akos Doma: Der Weg der Wünsche

 : Roman / Akos Doma. - Berlin : Rowohlt Berlin, 2016. - 333 S.
ISBN 978-3-87134-839-6      fest geb. : ca. € 20,60

Eine ungarische Familie flüchtet 1970 in den Westen. (DR)

Teréz und Károly leben mit ihrer 14-jährigen Tochter Borbála und dem siebenjährigen Sohn Misi in äußerst beengten Verhältnissen in Budapest. Nur 16 Quadratmeter stehen der Familie zur Verfügung. Dazu kommen die Demütigungen und Schikanen, mit denen die Kommunistische Partei jene traktiert, die ihr die Mitgliedschaft verweigern. Als Teréz, die in einem wissenschaftlichen Institut arbeitet, von heute auf morgen in die Provinz versetzt wird, ist die Organisation des Familienlebens kaum mehr möglich. Die Eltern beschließen, in den Westen zu fliehen. Die Kinder werden zunächst nicht eingeweiht, sie meinen, so wie jedes Jahr im Sommer an den Plattensee zu fahren. Doch diesmal geht es weiter nach Jugoslawien. Von dort gelingt es der Familie nach einigen missglückten Versuchen, Italien zu erreichen und Asyl zu beantragen. Sie werden in ein völlig desolates Auffanglager eingewiesen, in dem sie sich in einem schmutzigen Verschlag, in dem es von Ratten wimmelt, einrichten müssen. Károly schreibt immer wieder an Kollegen in Deutschland, die ihm versprochen haben, dort Fuß zu fassen, und bekommt keine Antwort. Die Lage spitzt sich zu, als Borbála sich in einen zwielichtigen Mann verliebt, der sie fast in den Abgrund reißt. In dieser verzweifelten Situation bringt Teréz ein großes Opfer, das es der Familie schließlich ermöglicht, die erforderlichen Papiere zu bekommen und nach Deutschland weiterzureisen.
"Der Weg der Wünsche" beginnt mit einem Kindergeburtstag, einem Fest, das zugleich ein heimlicher Abschied ist. Die Schilderung dieses Sommernachmittags lässt an ein Bild von Monet denken. Der Autor ist ein großer Meister des Atmosphärischen, der die LeserInnen behutsam in seinen Bann zieht. Unversehens sind einem Teréz, Károly, Borbála und Misi ans Herz gewachsen und bevor man nicht weiß, ob sie allen Schicksalsschlägen zum Trotz ihr Ziel erreicht haben, möchte man das Buch nicht aus der Hand legen. Akos Doma ist es gelungen, in einer leisen, außergewöhnlich schönen Sprache ungeheuer spannend zu erzählen. Große Empfehlung!

Ingrid Kainzner | biblio

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Lot Vekemans: Ein Brautkleid aus Warschau

: Roman / Lot Vekemans. Aus dem Niederländ. von Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach. - 2. Aufl. - Göttingen : Wallstein-Verl., 2016. - 253 S.
ISBN 978-3-8353-1601-0      fest geb. : ca. € 20,50

Roman einer gescheiterten Liebe. (DR)

In gewisser Weise ist dieses Buch ein moderner, sehr europäischer Lebens- und Liebesroman. Marlena, bereits Mitte zwanzig, soll endlich heiraten. In der polnischen Provinz findet sie sich allerdings noch immer keinen Mann, sehr zum Leidwesen ihrer konservativen Mutter. Als ein amerikanischer Journalist, der über das Polen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus schreibt, in ihr Dorf kommt, verliebt sie sich Hals über Kopf. Dass aus dieser Liebe mit Natan ein Kind entsteht, erfährt der Geliebte nicht einmal mehr, er ist schon wieder abgereist. Nun muss aber geheiratet werden. Eine Agentur, die sich speziell mit solch heiklen Geschichten befasst, wird engagiert. Marlena geht in die Niederlande und heiratet in einen Bauernhof ein.
Der nun gesetzliche Vater, der Bauer Andries, kommt auch zu Wort in diesem Roman. Nachdenklich, verletzt. Marlena wollte doch nur in die Ferien fahren, nach Warschau. Sie kehrt nicht zurück. Nach langer Zeit reist er ihr nach. Und dann ist da noch Szymon, ein Onkel Natans, der den dritten Teil der Geschichte schildert.
Grundsätzlich erzählt dieser Roman keinen neuen Stoff. Unmögliche Liebe, uneheliche Kinder, Heirat aus der Not heraus. Doch diese Geschichte ist eine Geschichte unserer Zeit, einer Zeit, in der alles liberal ist, alles zulässig und voller Möglichkeiten. Oder eben doch nicht. Ein sehr schöner Roman und ein gelungenes Debüt der niederländischen Schriftstellerin. Für alle Bestände geeignet.

Sabine Eidenberger | biblio

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Martin Leidenfrost: Expedition Europa

: fünfzig exzessive Selbstversuche / Martin Leidenfrost. - Wien : Picus-Verl., 2016. - 239 S.
ISBN 978-3-7117-2033-7      fest geb. : ca. € 20,00

Kurzreportagen zum Konglomerat Europa. (GS)

Die Vielfalt Europas scheint unermesslich zu sein. Jedes europäische Land hat seine eigene, viele Jahrhunderte alte, meist schillernde Geschichte und vielschichtige Beziehungen zu den anderen Ländern des Kontinents. Allein die zahlreichen Sprachen und noch viel mehr Dialekte sind im Gesamten kaum überschaubar. Martin Leidenfrost, erfolgreicher österreichischer Reporter und Autor, kann sich in zehn dieser europäischen Sprachen unterhalten. Er stromert kreuz und quer durch den Kontinent und sucht nach Besonderheiten, nach Standpunkten von Minderheiten, nach hellen und dunklen Geschichten, die oft nur vom Hörensagen bekannt sind. Viel hält er sich in der Slowakei sowie an den Rändern und Pufferzonen zwischen EU und Russland auf. Das kann nur tun, wer den Leuten aufmerksam begegnet und sich furchtlos und allein in die letzten Winkel begibt, auch dahin, wo extrem denkende Gruppen und Außenseiter wohnen.
Fünfzig, in beliebiger Reihenfolge lesbare Kurzreportagen werfen Schlaglichter auf sehr unterschiedliche Themenkreise. Hier drei kleine Einblicke: Obwohl sich Serben und Albaner eigentlich nicht mögen, bemühen sich viele serbische Bauern um albanische Mädchen. Bezahlte Kupplerinnen können bei der Anbahnung helfen und ein paar Kühe als Mitgift machen den Hochzeitstermin rasch klar. Oder: Dass sich in einem hochgelegenen bosnischen Dorf, in das sich nachts nicht einmal die Polizei hinauftraut, ehemalige afghanische Gotteskrieger aufhalten sollen, verblüfft und bestürzt. Martin Leidenfrost fuhr dorthin und überlebte. Weniger überrascht es, dass Chinesen werbewirksame Weingüter in Frankreich aufkaufen. Und von wem wollen die vielen Touristen aus China bedient werden? Natürlich von Franzosen, nicht von Chinesen.
Das Buch liest sich äußerst kurzweilig. Martin Leidenfrost will aufzeigen, unterhalten und die LeserInnen zum Nachdenken anregen. Mit seiner persönlichen Meinung zum Konglomerat Europa hält er sich bewusst zurück, obwohl er seine Liebe zu seinem Heimatkontinent kaum verbergen kann. Gute, unterhaltsame Lektüre für alle, die Scheuklappen als störend empfinden.

Frieder Rabus | biblio

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Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten

: Freiheit, Sein und Aprikosencocktails ; mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus, Martin Heidegger, Edmund Husserl, Karl Jaspers, Maurice Merleau-Ponty und anderen / Sarah Bakewell. Aus dem Engl. von Rita Seuß. - München : C.H. Beck, 2016. - 448 S. : Ill.
ISBN 978-3-406-69764-7      fest geb. : ca. € 25,70

Die Existenzialisten des 20. Jahrhunderts im Porträt: Was wollten sie, wie lebten sie? Denken und Handeln als Einheit. (PI)

Ausgehend von Edmund Husserls Phänomenologie (endlich wird die einmal ordentlich erklärt!) entwickeln verschiedene Philosophen, die charakterlich nicht unterschiedlicher sein könnten, eine Denkrichtung, die unter dem Schlagwort "Existenzialismus" zusammengefasst wird. Der Einzelgänger Martin Heidegger, der sich nicht vom Nationalsozialismus lossagt, und der Rebell Jean-Paul Sartre, der am Kommunismus festhält, als dieser längst seine Schattenseiten offenbart, sind die Hauptprotagonisten dieses Buches, das mit großem Wissen und sorgfältiger Recherche sicher auch Fachkundigen Neues bieten kann.
Die große Kunst Bakewells ist aber, schwierige Gedanken anschaulich zu vermitteln und auch eigene Assoziationen und Erinnerungen einfließen zu lassen, ganz im Sinne ihrer Auffassung von Existenzialismus. Simone de Beauvoir, Albert Camus, Maurice Merleau-Ponty werden ebenso behandelt wie eine große Zahl an Wegbegleitern wie z.B. Karl Jaspers oder Hannah Arendt. Verbeugen muss man sich auch vor der Übersetzerin Rita Seuß. Heideggers "Sein und Zeit" in englischer Übersetzung rückzuübersetzen, ohne dass man es merkt, gehört sicher nicht zu den leichtesten Übungen. Wer immer schon mehr über den Existenzialismus wissen wollte, sollte dieses Buch lesen!

Michael Wildauer | biblio

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Hubert Gaisbauer: Ein Brief für die Welt

: die Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus für Kinder erklärt / Hubert Gaisbauer. Mit Bildern von Leonora Leitl. - Innsbruck ; Wien : Tyrolia, 2016. - 101 S. : Ill. (farb.)
ISBN 978-3-7022-3523-9      fest geb. : ca. € 14,95

Ein sehr empfehlenswertes Nachdenk- und Lernbuch nicht nur für Kinder ab 8 Jahren zu Fragen der Nachhaltigkeit, der Ressourcenschonung und des Klimawandels. (JP)

Der bekannte Journalist Hubert Gaisbauer hat sich das Ziel gesetzt, die Inhalte der Enzyklika Laudato si in einfache, nachvollziehbare Worte zu übertragen, um damit die komplexen Themen der Umwelterziehung für Kinder verständlich zu machen und den Auftrag von Papst Franziskus, mit der Schöpfung verantwortungsvoll und nachhaltig umzugehen, für uns alle plausibel zu machen. In 23 Briefen an seine Enkelin Caro gelingt es dem Autor, eine gute Gesprächsgrundlage herzustellen zu aktuellen Anliegen wie zum Beispiel schonender Umgang mit der Ressource Wasser, Wiederverwertung von Wegwerfmaterialien oder der Reparatur von Gebrauchsgegenständen, die oft nur aus Lust auf etwas Neues allzu leichtfertig weggeworfen werden. Sehr schön ist jener Brief, der die Frage, wann Krieg bzw. wann eigentlich Frieden beginnt, aufgreift und in dem auf den schon in der Familie gelernten und gelebten liebevollen Umgang miteinander hingewiesen wird.
Gaisbauer greift die Worte von Papst Franziskus zu den drei lebenswichtigen Beziehungen - zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Erde - auf und erklärt, was alles zu einer guten Beziehung gehört: das Zuhören, das Antworten und das Liebhaben. Dann zeichnet der Autor mit dem Bild des zerbrochenen Kruges nach, wie es zu einem Scherbenhaufen kommen kann, wenn nämlich Menschen sich verhalten, als wären sie selber an Gottes Stelle und als könnten sie über alles herrschen und verfügen. In mehreren Lexikonkapiteln wird Wissenswertes zu den Themen Enzyklika, Schöpfung und zum Sonnengesang dargelegt und eine Verbindung der beiden kirchlich bedeutsamen Personen Franz von Assisi und Papst Franziskus hergestellt. Die Bilder von Leonora Leitl sind eine wunderschöne Ergänzung und bilden ein interessantes Gegenüber zu den Geschichten rund um die Themen der Enzyklika. Originalzitate runden diese lesenswerte Umsetzung des "Päpstlichen Umweltbuches" ab.

Birgit Leitner | biblio

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