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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2016 / September

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Jean-Luc Englebert: Der kleine Bär in der Schule

/ Jean-Luc Englebert. Aus dem Franz. von Alexander Potyka. - Wien : Picus-Verl., 2016. - [17] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-85452-191-4      fest geb. : ca. € 13,00

In „Der kleine Bär in der Schule“ wird auf den ersten Blick eine simple Handlung erzählt. Eine fremde Person tritt in das Leben einer Gruppe ein, von der er/sie herzlich aufgenommen wird, bevor man ihm/ihr dabei hilft, wieder sicher nach Hause zurückkehren zu können. Bei genauerer Betrachtung kommen jedoch Details zum Vorschein, die eine tiefergehende Handlung freilegen.
Die Person ist ein kleiner Bär – also eigentlich ein wildes Tier –, der auf eine Volksschulklasse trifft. Durch eine Wollmütze, die er im Wald findet und sich auf den Kopf setzt, wird er aber nicht als Bär erkannt, sondern für ein Kind in einem Pelzmantel gehalten: „Warum hast du einen Pelzmantel an?“, wird beiläufig gefragt. Dass die Erzählung nicht so simpel ist, wie sie anfangs erscheint, erkennt man an der Tatsache, dass die Kinder einen vollkommen Fremden ohne weiteres in die Gruppe aufnehmen. Als dem kleinen Bären die Wollmütze vom Kopf rutscht, wird er zwar als Bär enttarnt, zur Verunsicherung bei Kind und Lehrerin kommt es allerdings nicht. Obwohl der Bär komplett anders aussieht als die Kinder, wollen ihm diese ohne Umschweife helfen, wieder nach Hause zu finden.
Gegen Ende der Geschichte fällt ein weiteres Detail auf, das sich in den – von Jean-Luc Engleberts selbst gestalteten – lebendigen Illustrationen verbirgt: die Wollmütze spielt dabei die zentrale Rolle. Sie leitet den Text und gibt der Erzählung einen dramaturgischen Rahmen. Geprägt wird die doppelbödige Geschichte dadurch, dass sich der Bär zuerst auf allen Vieren – wie das ein Bär normalerweise so macht – fortbewegt. Sobald er aber die Wollmütze aufsetzt, geht er auf zwei Beinen und als er sie am Ende nicht mehr trägt, ist er wieder auf allen Vieren unterwegs.
Abgerundet wird die Erzählung durch den engen Zusammenhang von Anfang und Ende. Zu Beginn geht der kleine Bär auf die Wollmütze, die verloren an einem Ast hängt, zu und es endet damit, dass die Wollmütze an einem Ast hängen bleibt und sich der Bär wieder von der Mütze entfernt. Diese beiden Details kommen lediglich in den Bildern zum Ausdruck und werden im Text ausgespart. All diese Feinheiten und das Weitererzählen der Illustrationen sorgen dafür, dass die Erzählung ab der zweiten Lektüre vielerlei Gesprächsanlässe bereitstellt, die eine Grundlage für den Umgang mit neu hinzugekommenen Personen darstellen kann.

Jan Mirbeth | STUBE 

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Jakob Wegelius: Sally Jones - Mord ohne Leiche

 / Jakob Wegelius. Aus dem Schwed. von Gabriele Haefs. - Hildesheim : Gerstenberg, 2016. - 617 S. : Ill.
ISBN 978-3-8369-5874-5      fest geb. : ca. € 20,60

Charly, Cheeta, Judy und Herr Nilsson sind berühmte Affen. Bekanntheit erlangten die TV- und Literaturprimaten dank ihres besonderen, wenn auch fiktionalen, Lebensraumes: Sie lebten unter Menschen und waren süße, haarige Helferfiguren. Sally Jones ist dagegen ein ausgewachsenes Gorillaweibchen und erzielt somit zwar keinen „cuteness-Effekt” in ihrer seitenstarken Erzählung, die Jakob Wegelius als Memoiren eines außergewöhnlichen Affen inszeniert. Dafür lernt die Gorilladame nicht nur Lesen und Schreiben, sondern wird im Laufe der Abenteuergeschichte zu einer weltbekannten Schiffsingenieurin, gefragten Musikinstrumentenbauerin, Weltklasse-Schachspielerin, furchtlosen Pilotin und zur besten Freundin des ultrareichen Maharadschas von Bhapur. „Außergewöhnlich” ist das Wort, mit dem sie immer wieder beschrieben wird und somit bedient sie nicht nur die Sensationsgier des frühen 20. Jahrhunderts, sondern auch die Ausstellungs- und Sammelbesessenheit, die den damaligen Zeitgeist mitbestimmten. Ein richtiger Freund in Affengestalt, wie sie einen in „Sally Jones. Eine Weltreise in Bildern” (2009) zur Seite gestellt bekam, ist ihr auf Grund ihrer populären Sonderstellung in der Fortsetzung nicht mehr vergönnt. Dennoch ist der Roman von den Themen Freundschaft, Selbstlosigkeit und Treue geprägt. Die bedingungslose Freundschaft zu ihrem langjährigen Freund, der von allen nur „Chief” genannt wird, macht aus der „außergewöhnlichen” Affenerzählung einen Krimi: Chief wird zu Unrecht als Mörder verdächtigt, zu 25 Jahren Haft verurteilt und hat wenig Chancen auf Begnadigung, denn es ist ein „Mord ohne Leiche”. Jakob Wegelius begnügt sich allerdings nicht damit, einen Krimi im klassischen Sinne zu erzählen. Sallys unermüdliche Detektion wird von korrumpierenden Machthabern sowie einem breit angelegten Aktionsstrom à la Bond und Bourne erschwert. Das Tempo auf der Reise von Portugal nach Indien und retour ist jedoch wesentlich entschleunigter, man reist mit Zug oder Hochseedampfer und wartet angespannt auf Nachrichten in Briefform, die immer wieder in den Text eingewoben werden. So wird die spannungsgeladene und emotionale Ich-Perspektive Sally Jones’ regelmäßig durch weitere Erzählstimmen unterbrochen, wodurch ein atemloses Krimi-Abenteuer-Hybrid entsteht, das trotz der über 600 Seiten nie Längen aufweist.

Peter Rinnerthaler | STUBE

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Bov Bjerg: Auerhaus

 : Roman / Bov Bjerg. - 6. Aufl. - Berlin : Blumenbar, 2015. - 235 S.
ISBN 978-3-351-05023-8      fest geb. : ca. € 18,50

"Birth, school, work, death. Kurse, Pausen, Klausuren, der Mechanismus war noch immer derselbe. Dem Anschein nach." - Eine Gruppe Teenager will mehr vom Leben. (DR)

Die Geschichte von Höppner, einem 18-jährigen Abiturienten, spielt in den 1980er Jahren. In einer Zeit vor Internet und Handy lebt er im Haus seiner Mutter, die mit ihrem neuen Freund glücklich werden möchte. Höppners Alltag besteht aus Schule, Familie und dem ständigen Zank mit dem Stiefvater sowie einem nächtlichen Aushilfsjob bei einer Hühnerfarm. Oft flieht er mit seiner Freundin Vera aus dieser Monotonie und trampt nach Berlin. Als eines Tages sein bester Freund Frieder versucht sich umzubringen, wird alles anders. Höppner beginnt, über sein eigenes Leben und seine Ziele nachzudenken. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird für ihn bedeutend.
Entlassen aus der Psychiatrie, bekommt Frieder die Chance, mit Höppner in das Haus seines verstorbenen Großvaters zu ziehen. Die beiden gründen zusammen mit vier anderen Jugendlichen eine SchülerInnen-WG am Land und geben sich ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift "Birth - School - Work" abgeheftet werden, sondern sie wollen etwas bewegen und ihrem Dasein Ausdruck und Sinn verleihen. Doch jeder der sechs Jugendlichen hat so seine eigenen Probleme. Themen rund um Suizid, Drogen, Homosexualität, Verantwortung füreinander und Respekt gegenüber Anderen treten prägnant in den Vordergrund.
Ein Buch, das durch jugendlichen Sprachstil auffällt und große Fragen des Lebens nebenbei behandelt. Empfehlenswert für Heranwachsende und Ausgewachsene.

Linda Ranegger | biblio

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Alessandro Baricco: Mr. Gwyn

: Roman / Alessandro Baricco. Aus dem Ital. von Annette Kopetzki. - Hamburg : Hoffmann und Campe, 2016. - 315 S.
ISBN 978-3-455-40561-3      fest geb. : ca. € 22,60

Ein erfolgreicher Schriftsteller beschließt am Zenit seines Erfolgs, die Notbremse zu ziehen und nur mehr das zu tun, was er wirklich möchte. (DR)

Am Anfang steht eine Liste, auf der Jasper Gwyn 52 Punkte notiert, die er fortan aus seinem Leben verbannen möchte. "Nicht mehr Schreiben" gesellt sich als letzter Punkt dazu. Und das ist interessant, denn Gwyn bestreitet seinen Lebensunterhalt als Autor. Sein Agent schreit Zeter und Mordio und glaubt an eine vorübergehende Schaffenskrise. Die nachhaltige Begegnung mit einer alten Dame treibt Gwyn endgültig dazu, seinem bisherigen Leben Lebewohl zu sagen. Nach reiflicher Überlegung fasst er den Beschluss, fortan als "Kopist" Menschenporträts anzufertigen. Nicht wie ein Maler mit Pinsel und Farben, nein, nur mit Worten. Dazu mietet er ein ramponiertes Atelier, beauftragt einen befreundeten Komponisten mit der Erstellung einer entsprechenden Hintergrundmusik, bestellt bei einem alten Glaskünstler Glühbirnen, die nach Ablauf einer bestimmten Frist von Tagen von selbst sanft verglühen. Das ist wichtig für Gwyn, denn er hat vor, genau innerhalb dieser Zeitspanne jeweils ein Porträt eines Menschen zu verfassen, der ihm zuvor über viele Tage hindurch stumm Modell sitzt, nackt und schutzlos. Doch dann stellt eine junge Frau Gwyns sorgfältig geplante neue Welt auf den Kopf.
Bariccos Roman besticht durch seine lebensbejahende Aussage - Gwyns euphorische Aussteigerstimmung überträgt sich beim Lesen unmittelbar. Der Autor erfindet phantastische Szenen, die beinahe märchenhaft anmuten. Der Roman vereint Humor und überbordendes Erzähltalent, das von Baricco bis zur letzten Seite ausgereizt wird. Der zunächst mächtige Erzählfluss verliert mit der Zeit etwas an Sogkraft, das Finale wirkt fast ein wenig (zu) nüchtern. P.S.: Überraschung. Am Ende finden die LeserInnen ein Buch im Buch, dessen Handlung lose an den eigentlichen Haupt-Roman anknüpft. Baricco-Fans erwartet nach Welt-Bestsellern wie "Seide" ein weiteres elegantes, fabelhaftes und inspirierendes Buch. Top-Empfehlung.

Barbara Rieder | biblio

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Regine Koth Afzelius: Die letzte Partie

: Roman / Regine Koth Afzelius. - Salzburg : Müry Salzmann, 2016. - 201 S.
ISBN 978-3-9901413-1-1      fest geb. : ca. € 19,00

Eine etwas andere Geschichte von Eva und Adam. (DR)

Nach einigen Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften liegt mit der "Letzten Partie" nunmehr der erste Roman der 1962 in Wien geborenen und im Weinviertel lebenden Regine Koth Afzelius vor. Ein dem Romantext vorangestelltes Zitat von Hemingway bringt das Thema auf den Punkt: "Die Welt zerbricht jeden und nachher sind viele an den gebrochenen Stellen stärker." Eva ist mit einer Freundin zum Essen verabredet, wird von dieser aber versetzt. Dafür trifft Eva dort auf Adam, der sie nach allen Regeln der Kunst zu umwerben beginnt. Scheinbar sind die beiden füreinander geschaffen. Allerdings nur solange, bis die gemeinsame Zukunft zum Thema wird. Nach dem gängigen Strickmuster möchte Eva die Verbindlichkeit, während Adam seine Freiheit bevorzugt. Es kommt daher zur ersten Trennung, woraufhin Eva zunächst in eine tiefe Krise stürzt. Mit Unterstützung von Freunden und dem Psychotherapeuten Otto beginnt sie aber zu lernen, das von einer Partnerschaft unabhängige Glück zu entdecken.
Im Weiteren nutzt Regine Koth Afzelius den Plot, "um herauszukristallisieren, wie man sich selbst Freund werden kann", so die Autorin in einem Interview mit Daniela Fürst von "Literadio". Erst nach diesem Lernprozess eröffnet Eva im letzten Fünftel des Romans ihr "Lebendschachspiel" und inszeniert die "letzte Partie" mit Adam … und das mit treffsicheren Pointen und aberwitzigen Wortspielen. Man kann der Empfehlung der Autorin getrost folgen: "Frauen wie Männer, lest und erkennt - euch selbst und das andere Geschlecht!"

Simone Klein | biblio

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Alberto Manguel: Eine Geschichte der Neugierde

 / Alberto Manguel. Aus dem Engl. von Achim Stanislawski. - Frankfurt a. M. : S. Fischer, 2016. - 527 S. : Ill.
ISBN 978-3-10-048758-2      fest geb. : ca. € 25,70

Auf einem spannenden Streifzug durch die Weltliteratur wird die Bedeutung der Frage nach dem "Warum" eindrucksvoll untermauert. (PI)

Alberto Manguel, den man ohne Übertreibung als Universalgelehrten bezeichnen kann, geht dem Wesen der Neugierde auf den Grund und erläutert, dass sie die Voraussetzung aller geistigen Errungenschaften ist. Er illustriert dies anhand von Beispielen aus dem Schatz der Weltliteratur - mythologischen, philosophischen und belletristischen Werken, die auf faszinierende Art zeigen, dass schon die bloße Artikulation der Frage nach dem "Warum" einen Raum unendlicher Möglichkeiten eröffnet. Während für die griechischen Philosophen mit ihrer unbändigen Lust am Denken das Hinterfragen bedeutsamer als das Streben nach einer Antwort war, warnte Augustinus davor, alles und jedes in Zweifel zu ziehen. Der manische Leser Thomas von Aquin antwortete auf die Frage, was er als das größte Geschenk Gottes in seinem Leben betrachte: "Dass ich jede Seite, die ich gelesen habe, verstanden habe." Allerdings verurteilte er das übermäßige Interesse an geringfügigen Dingen wie der Lektüre von populärer Literatur!
Manguel gestaltet seinen philosophischen Streifzug abwechslungsreich und spannend und er besitzt die Gabe, seine LeserInnen an seinem immensen Wissen ohne Arroganz, man könnte fast sagen, freundschaftlich teilhaben zu lassen. Wenn es auch dahingestellt bleiben mag, ob Fans populärer Literatur zur "Geschichte der Neugierde" greifen werden, BibliothekarInnen werden das Buch, das letzten Endes ein leidenschaftliches Plädoyer für das Lesen ist, nicht missen wollen.

Ingrid Kainzner | biblio

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Maria Theresia Rössler / Gudrun Sulzenbacher: Neue Lese-Rezepte

 : kreative Methoden / Maria Theresia Rössler ; Gudrun Sulzenbacher. [Live-Fotos Erwin Profunser ; Günther Schlemmer]. - Innsbruck : Tyrolia, 2016. - 160 S. : zahlr. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-7022-3544-4      fest geb. : ca. € 19,95

Großartige Sammlung neuer praxiserprobter Ideen zur Leseanimation. (PB)

Gleich vorweg: Bis auf wenige Ausnahmen wird bei allen Projekten vorausgesetzt, dass die Kinder Lesen und Schreiben können. Dann aber steht der kreativen Arbeit nichts mehr im Wege. Es werden neue Titel für Bücher gesucht, Texte zu Bildern erarbeitet, Textsorten und ihre Wirkung untersucht. Das geschieht auf jeweils so spannende und spielerische Art, dass ein "Und jetzt lernen wir" nie in den Sinn kommt.
Viele Ideen widmen sich der Wirkung von Bildern aus Bilderbüchern. Dazu wird eine Galerie aufgebaut, wobei die Bilder originellerweise auf Notenständern stehen. Und da zeigt sich eine weitere Stärke des Buches: Alle Materialien sind recht einfach zu beschaffen und schonen das Bibliotheksbudget. Für den größten Teil der Projekte braucht man in etwa eine Stunde, weshalb sie sich ausgezeichnet für Klassenbesuche eignen. Dazu gibt es genaue Materialangaben und eine Liste der verwendeten Bücher.
Obendrein ist das Buch auch noch sehr professionell durchgestaltet - so wird auch die erwachsene Zielgruppe zum Lesen verlockt. Da alle Projekte mit verschiedensten Schulklassen durchgespielt wurden, finden sich jede Menge Fotos, die vieles auch optisch erklären.
Alles in allem ist das klug gemachte Buch ein absolutes Muss für alle BibliothekarInnen, LehrerInnen und (Vor-)LesepatInnen. Es sollte in keiner Bibliothek fehlen!

Anita Ruckerbauer | biblio

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Johannes Fried: Dies irae

 : eine Geschichte des Weltuntergangs / Johannes Fried. - München : C.H. Beck, 2016. - 352 S., [8] Bl. : Ill. (z.T. farb.)
ISBN 978-3-406-68985-7      fest geb. : ca. € 27,80

Der Weltuntergang als "Dauerbrenner" in unserer Kultur. (PR)

Vom Weltuntergang war immer schon die Rede. Der Rezensent erinnert sich: Schon 1984 - in Anlehnung an George Orwell - geisterten Weltuntergangsphantasien durch den alternativen Teil der Gesellschaft, zur Sonnenfinsternis 1999 und zur Jahrtausendwende 2000 erfasste der Boom des Endes aller Welten die gesamte Gesellschaft; begleitet von einer Literaturflut zur Thematik, die inzwischen in privaten und öffentlichen Bibliotheken sanft vor sich hinschlummert. Nun sind viele Jahre vergangen und eine neue Angst vor dem Weltuntergang und apokalyptischen Exzessen hat sich in vielen Gemütern und Hirnen festgesetzt. Finanzkrise, Umwälzungen im Arbeitsbereich samt digitaler Revolution, Migrationsströme - wieder einmal scheint sich der Planet Erde aufzulösen oder - die sanfte Variante - die Gesellschaft transformiert sich zu … ja, wer weiß das schon.
Der Autor greift diese neue apokalyptische Stimmung, deren Beginn er mit 9/11 und dem Tsunami festlegt, in seinem Buch auf. Er untersucht auch die Weltuntergangsprophezeiungen und -visionen in der Literatur und Musik. Der Hauptteil des Buches ist jedoch geschichtlicher Natur. Von der Antike bis in das christliche Mittelalter und in das Zeitalter der Aufklärung hineinreichend sind Botschaften des Weltuntergangs ein prägendes Merkmal der europäischen, insbesondere der christlichen Kultur. Außereuropäische Untergangsszenarien werden nur erwähnt. Wer über kein älteres Werk zur abendländischen Lust am Weltuntergang verfügt, ist mit diesem gelehrten Buch gut beraten.

Roman Schweidlenka | biblio

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