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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2015 / Jänner

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Malala Yousafzai: Malala

: meine Geschichte / Malala Yousafzai mit Patricia McCormick. Aus dem Engl. von Maren Illinger. - Frankfurt a. M. : Fischer KJB, 2014. - 269 S., [4] Bl. : Ill. (farb.), Kt.
ISBN 978-3-596-85660-2      fest geb. : ca. € 13,40

Malala ist mittlerweile eine internationale Symbolfigur für den Frieden. Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil sie offen für das Recht auf Bildung eintrat, ist die jüngste Nobelpreisträgerin aller Zeiten. Ihre Geschichte, die sie 2013 mit einer Journalistin verfasste, ging als Bestseller um die Welt. Der Satz „Ein Kind, ein Lehrer, ein Bleistift und ein Buch können die Welt verändern“, den sie vor den Vereinten Nationen sprach, ist bereits heute legendär. Unter der Federführung der erfolgreichen Jugendbuchautorin Patricia McCormick ist nun eine schlankere Version ihrer Biografie erschienen, die sich an junge LeserInnen wendet. Mit Fotos, Karten, einem Glossar und einer Timeline wird Malalas Geschichte in die Geschichte Pakistans kontextualisiert. Malala wird so als beeindruckende Persönlichkeit fassbar, die selbstbewusst ihren muslimischen Glauben mit dem Glauben an Gleichberechtigung vereint und zu Recht zum Vorbild auf der ganzen Welt wurde. Eine Leseempfehlung für alle Menschen ab 12 Jahren, vor allem auch in pädagogischen Kontexten.

Jana Sommeregger | STUBE 

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Sebastian Meschenmoser: Gordon und Tapir

/ Sebastian Meschenmoser. - Esslingen [u.a.] : Esslinger, 2014. - [28] Bl. : überw. Ill.
ISBN  978-3-480-23189-8   fest geb. : ca. € 15,50

Wenn sich am Vorsatzpapier ein Pinguin auf dem Klo verzieht und nach der entspannenden Zeitungslektüre (auf dem Schmutztitel) nach dem Klopapier greift – gut, aber aus! – ist unverkennbar Sebastian Meschenmoser am Werk, um (zwischen-) tierisches mit seinem typisch kecken Buntstiftstrich einzufangen. Schauplatz ist diesmal eine Wohngemeinschaft, eine WG, und der Schuldige am Klopapierdebakel bald gefunden: „So konnte es nicht weitergehen!“ konfrontiert Pinguin Gordon seinen Mitbewohner Tapir, der anders als der geflügelte Pedant von eher chaotischer Natur zu sein scheint: Der Abwasch ist nicht erledigt, der Boden war klebrig vom vielen Obst und die Vogelanlage viel zu laut. Aber auch an Gordon gibt es einiges zu beklagen: Der stinkende Fischabfall oder die Clubsitzungen, zu denen Tapir nicht eingeladen ist. Die daraus resultierende wohnliche Trennung (deren Szenen Meschenmoser in einer herrlich traurigen Zwischensequenz in Grau einfügt) wird jedoch zur therapeutisch wirksamen Maßnahme, die Freundschaft wieder zu beleben …
Erneut überträgt Meschenmoser seine treffenden Beobachtungen menschlicher Beziehungen und Gepflogenheiten auf (unpopuläre) Tiere und lädt so ein, sich schmerzfrei zu fragen, ob man im eigenen Wohnstil eher Gordon oder Tapir ist. Dieser doppelbödige Spaß mit der Identifikation richtet sich an Kinder gleichsam wie Erwachsene – an FreundInnen der Ironie ebenso wie die des Interieurs.

Christina Ulm | STUBE

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Karin Peschka: Watschenmann

 : Roman / Karin Peschka. - Salzburg : O. Müller, 2014. - 298 S.
ISBN 978-3-7013-1220-7      fest geb. : ca. € 19,00

Das Elend der Nachkriegszeit in Wien. (DR)

Ein Roman, der schon einen Preis bekommt, bevor er fertiggestellt ist. Geschrieben in einer Mischung aus poetischer Sprache, verkürzten Sätzen, wienerischen Redewendungen. Ist das intellektuelles Kalkül oder Unsicherheit im Stil? Aber es ist der Inhalt, der einen gefangennimmt: Heinrich ist ein junger, verwirrter Mann zur Zeit des von den Alliierten besetzten Wiens. Er glaubt, dass er ein lebendiger Watschenmann ist. Er lässt sich verprügeln, damit das Schlechte, das der Krieg in die Menschen gepflanzt hat, heraus kann. Ein Serbe und eine Frau, die auf ihren Bräutigam wartet, der vielleicht aus sowjetischer Gefangenschaft kommt, helfen ihm zu überleben.
"Trümmerliteratur" nannte man die Literatur der Nachkriegszeit. Die Aufarbeitung der Schrecken des Krieges, des Grauens, der Verzweiflung. Wolfgang Borcherts "Nachts schlafen die Ratten doch" und "Draußen vor der Tür" werden noch immer häufig in den Schulen gelesen. Aber damals lag alles noch in Schutt und Asche, war die Verheerung des Krieges allgegenwärtig. Kaum anzunehmen, dass fast 70 Jahre später sich eine Autorin in diese Zeit einfühlen kann. Doch so wie Maja Haderlap mit ihrem "Engel des Vergessens" begeistern konnte, so gelingt es auch Karin Peschka, eindringlich die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, an ihren realistischen Charakteren zu zeigen. Sie muss nicht übertreiben, nach Effekten haschen, denn der Alltag ist schrecklich genug. Ein wirklich berührendes Buch.

Michael Wildauer | biblio

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Fredrik T. Olsson: Der Code

: Thriller / Fredrik T. Olsson. Aus dem Schwed. von Ursel Allenstein. - München : Piper, 2014. - 521 S.
ISBN 978-3-492-05639-7      kart. : ca. € 17,50

Die spannende Jagd nach einer schicksalhaften Botschaft in der menschlichen DNA. (DR)

Alles beginnt mit drei Gewaltverbrechen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Die junge Sumerologin Janine Haynes wird in Amsterdam entführt, in Berlin ermorden drei als Sanitäter verkleidete Unbekannte einen Obdachlosen und in Stockholm verschwindet der berühmte Kryptologe William Sandberg aus einem Spitalszimmer. Sandberg, der sich schon einige Male das Leben nehmen wollte, wacht in einem luxuriösen Lear Jet hoch über den Wolken auf und erfährt in einem abgelegenen Schloss die Wahrheit über seine mysteriöse Entführung: Er soll für eine geheime Organisation, die im Interesse von 20 Ländern arbeitet, einen hoch komplizierten Zahlencode entschlüsseln, der in Zusammenhang mit der menschlichen DNA steht.
Inzwischen hat sich Sandbergs geschiedene Ehefrau Christina gemeinsam mit dem Redaktionsassistenten Leo auf die Suche nach ihrem Ex-Ehemann gemacht. Sie muss schnell feststellen, dass es Menschen gibt, denen ihre Nachforschungen nicht in den Plan passen. Nicht anders ergeht es Albert, dem Lebensgefährten von Janine Haynes. Seit er seine Freundin als vermisst gemeldet hat, wird er von Männern in schwarzen Anzügen beschattet. Der Rest ist Spannung pur.
Mit diesem Buch, das zwischen Endzeitroman und Spionagethriller angesiedelt ist, widmet sich der schwedische Autor Fredrik T. Olsson einem hochbrisanten Thema. Welche Botschaften können in der DNA des Menschen verborgen sein und wer vermag sie zu entschlüsseln? Ein äußerst lesenswertes Buch!

Johannes Preßl | biblio

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Susan Kreller: Schneeriese

/ Susan Kreller. - Hamburg : Carlsen, 2014. - 205 S.
ISBN 978-3-551-58318-5      fest geb. : ca. € 15,40

Das Herzeleid eines großwüchsigen, unglücklich verliebten Jungen. (ab 12) (JE)

Seit seiner Kindheit wohnt Adrian Tür an Tür mit Stella Maraun, die für ihn im Geheimen so viel mehr ist als eine gute Freundin. Poetisch und liebevoll fängt Susan Kreller die Zuneigung des künstlerisch begabten Adrian zu dem Nachbarsmädchen ein: "Und als er vor nicht ganz zwei Jahren zum ersten Mal den Wunsch verspürte, mit dem Zeigefinger eine Stellahand oder einen Stellafuß zu berühren, da hatte er etwas Wichtiges begriffen: Zeichnen war keine Kunst. Oder besser, es war viel mehr als das. Zeichnen war die geheimste Art, Stella Maraun zu streicheln." (S. 47) Doch dann zieht Dato mit seiner Familie in das leerstehende Haus der Straße ein und Stella scheint ihren Adrian zu vergessen. Niemand mehr, der ihn, den großwüchsigen Jungen, liebevoll Einsneunzig nennt. Ihm das Gefühl gibt, normal zu sein. Denn nun ist da Dato, dieser "maßgeschneiderte Junge mit der Schnöselnase", und es schmerzt, das Leuchten in Stellas Augen zu sehen und zu wissen, dass jener andere der Grund dafür ist. Seine rasende Eifersucht treibt einen Keil zwischen ihn und Stella und Adrian bekommt die Eiseskälte dieses Winters nur allzu deutlich zu spüren.
In wunderschöner melodiöser Prosa schildert die deutsche Autorin den Schmerz dieses unglücklich verliebten Jungen, der hilflos und verloren wirkt - wie ein schwermütiger flügelloser Schneeriese mit glühendem, tonnenschwerem Herzen. Hat er seine tiefen Gefühle für Stella doch immer im Verborgenen gehalten, wie nun sich öffnen und jemand an seinem Verlust Anteil nehmen lassen?
Ganz nah führt Susan Kreller die LeserInnen in dieser personal erzählten Geschichte an den wunden Seelenzustand des Vierzehnjährigen heran, macht seinen Liebeskummer unmittelbar und eindringlich fassbar. Stella bleibt dabei Randfigur, Projektionsfläche seiner Sehnsucht: "Zwischen ihnen der Abstand eines ungeküssten Kusses. Der größte Abstand von allen." (S. 122) Ähnlich wie in einem Andersen-Märchen muss Adrian durch die größte Dunkelheit, durch Schmerz, Zorn und Trauer gehen, um in der kältesten Nacht dieses eisigen Winters auf einer Hollywoodschaukel einen Weg zurück zu Stella und ihrer Freundschaft zu finden. Unbedingt empfehlenswert für versierte LeserInnen ab 12, auch für Erwachsene ein kleines Juwel.

Cornelia Gstöttinger | biblio

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Rudolf Buchbinder: Mein Beethoven

: Leben mit dem Meister / Rudolf Buchbinder. - St. Pölten : Residenz-Verl., 2014. - 220 S. : Ill. (farb.)
ISBN 978-3-7017-3347-7      fest geb. : ca. € 24,90

Einer der größten Pianisten unserer Zeit schreibt fundiert und gleichermaßen unterhaltsam über "seinen" Meister. (KM)

Rudolf Buchbinder gehört zweifellos zu den besten Pianisten der Welt. Mit diesem Buch legt er ein Bekenntnis zu jenem Komponisten ab, der ihn von seiner Kindheit bis heute prägt und fasziniert: Ludwig van Beethoven. Schon als Siebenjähriger - als jüngster Klavierstudent an der Wiener Musikhochschule - beeindruckte Buchbinder mit den G-Dur-Variationen, heute spielt Rudolf Buchbinder als einziger Pianist sämtliche Beethoven-Sonaten auswendig in den großen Konzertsälen der Welt. Buchbinder bewundert Beethoven für seine - zur damaligen Zeit - unfassbare Modernität und Kompromisslosigkeit.
Für dieses Buch hat sich der Autor neben den Urtext-Ausgaben der Noten auch umfassend mit dem Menschen Ludwig van Beethoven beschäftigt. Aus unzähligen Briefen und Notizen entstand ein Charakterbild, das nur wenig mit oft publizierten Klischees zu tun hat. Eines der interessantesten Kapitel des 220 Seiten starken Werkes befasst sich mit den inneren und äußeren Kämpfen des Komponisten. Hier wird deutlich, wie eng die Extreme in Beethovens Leben zeitlich nebeneinander liegen. Während 1813 mit Graf Kinsky einer der großen Gönner durch einen Reitunfall ums Leben kommt und Beethoven dadurch größte existenzielle Sorgen bekommt, ist er ein Jahr später auf dem Höhepunkt seines Ruhms und seiner Popularität angelangt.
Das vorliegende Buch ist gleichermaßen informativ und spannend. Das Niveau, das Rudolf Buchbinder als Pianist hat, fordert er von sich selbst auch mit diesem Buch ein.

Johannes Preßl | biblio

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Florian Prüller: Als der Bär am Zelt anklopfte

: mit dem Fahrrad auf Hochzeitsreise um die Welt ; Island - USA - Mittelamerika - Patagonien - Südostasien - Ostafrika / Florian Prüller ; Klara Prinz-Prüller. - Innsbruck : Tyrolia, 2014. - 264 S. : zahlr. Ill.
ISBN 978-3-7022-3413-3      fest geb. : ca. € 24,95

Lebendig erzählter Reisebericht. (EL)

Nach ihrer Hochzeit erfüllen sich die beiden Autoren einen Traum: Sie kündigen Jobs und Wohnung und starten mit schwer bepackten Rädern eine Reise, auf der sie in knapp einem Jahr über 20.000 Radkilometer zurücklegen und vier Kontinente und völlig unterschiedliche Klimazonen bereisen. Sie beginnen ihre Reise in Island und erleben bereits dort, wie sehr man als Radreisender dem Wetter und dem Zustand der Straßen ausgeliefert ist. Von Washington aus durchqueren sie die USA auf dem TransAmerican-Trail über endlose Landstraßen der Südstaaten, durch Indianerreservate und atemberaubende Canyons bis zur Westküste. Von San Francisco geht es weiter nach Zentralamerika, danach nach Patagonien, wo sie durch Regen und Wind bis zur südlichsten Stadt der Erde radeln. In Südostasien "erfahren" sie in Thailand, Laos und Vietnam wunderbare Gebirgslandschaften zwischen Gegenden, die durch Armut und Elend geprägt sind, und touristisch aufgeputzten Zentren. Ihre letzte Route führt sie durch Ostafrika, durch Ruanda, Uganda und Kenia bis an die Küste Tansanias.
Die beiden Autoren erzählen abwechselnd in lockerem Plauderton, illustriert von schönen, oft auch recht lustigen Fotos, und lassen die LeserInnen so ganz hautnah an ihrem großen Abenteuer teilhaben. Empfehlenswert für alle, die Abenteuerlust und Fernweh lieben.

Eva Moser-Reitsamer | biblio

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Antonio Sagardoy: Teresa von Ávila

: trotzdem liebe ich die Kirche / P. Antonio Sagardoy. - Wien [u.a.] : Styria Premium, 2014. - 159 S. : Ill. (farb.)
ISBN 978-3-222-13464-7      fest geb. : ca. € 14,99

Zum 500. Geburtstag eine Liebeserklärung dem Leben und Wirken der großen Kirchenlehrerin. (PR)

Als Bischofsvikar für Orden und Experte in Ordensfragen mit spanischen Wurzeln zeichnet der Autor ein wertschätzendes und achtungsvolles Porträt der Heiligen nach. Eine Fülle von Zitaten aus den Briefen und Schriften von Teresa schaffen ein authentisches Bild von ihrem Denken, ihren Kontakten und Konflikten mit kirchlichen Würdenträgern und ihrem Ringen um ihre ganz spezifische Gottesbeziehung. Thematisiert werden auch ihre familiären Prägungen, ihre Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebensräumen und ihre Auseinandersetzungen mit den gesellschaftlichen und kirchlichen Gegebenheiten des 16. Jahrhunderts. So zeigt sich die Darstellung einer starken Frau, die Ecken und Kanten hat, die kein Übermensch ist, die aber auch sehr begabt und von Gott begnadet ist. Interessant zusammengestellt ist auch der Prozess der Positionierung einer Frau mit ihrer spirituellen Prioritätensetzung des meditativen Gebetes.
Mit Disziplin, Hartnäckigkeit und Demut geht Teresa ihren Weg und trägt Rückschläge, Ausgrenzungen und Abwertungen auch mit Gelassenheit und Humor. Dass für Teresa nichts unmöglich ist, wird immer wieder deutlich, auch in der Gründung von Ordenshäusern beispielsweise wie bei der vom "Stall von Bethlehem" mit seinen herausfordernden Rahmenbedingungen. Lernen können wir aus dieser Biografie von der Heiligen, dass nicht der Mensch als Werkzeug Gottes, sondern die Hand des Künstlers, der mit dem Werkzeug Großes tun kann, wichtig ist.

Birgit Leitner | biblio

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