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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2013 / Juni

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Lorenz Pauli/Kathrin Schärer: 3 freche Mäuse

 : 3 witzige Lese- und Zählgeschichten / Lorenz Pauli und Kathrin Schärer. - Zürich : Atlantis, 2013. - [51] Bl. : überw. Ill. (farb.) - Enth. u.a.: Goldfreunde; 10 Wünsche
ISBN 978-3-7152-0651-6      fest geb. : ca. € 14,95

Der Untertitel hält, was er verspricht: 3 Geschichten für ErstleserInnen sind hier in einem Band versammelt und laden – ganz ohne aufgesetzte Anregungen oder unmotivierte Aufgabenstellungen – zum Mitreimen, -rechnen oder -schreiben ein. Denn der spielerische Umgang mit Buchstaben und Zahlen ist integrativer Bestandteil der kurzen Sequenzen. So bringen die E-Maus, die I-Maus und die N-Maus mit den entsprechenden Buchstaben auf ihrem Rücken allerlei Schriftzüge in (Un)-Ordnung und der Bauer hat so plötzlich keinen Most, sondern Mist zu verkaufen. Das Bild muss jeweils mitgelesen werden, so ergeben sich schöne Verbindungen zwischen den Illustrationen und dem leicht lesbar gesetzten Text. Ebenso bei der Geschichte der Propellerfee, die Wünsche mit ihrem Bleistift erfüllt – allerdings nicht immer richtig, wenn sie etwa statt „Edelsteine“ „wedelnde Schweine“ versteht…
Für Kathrin Schärer, die wohl talentierteste Tierzeichnerin überhaupt, gibt es hier also wieder eine Menge Gelegenheiten, allerlei Viecherei in den lustigsten Posen und Situationen zu zeigen und dabei in wunderbar gedeckter Farbgebung auf das wesentliche Moment zu fokussieren – etwa im Gerangel von Goldhamster, Goldspecht, Goldfrosch und Goldfisch um 12 Goldstücke. Auch die schöne Buchgestaltung (hochwertiges Papier, unkonventionelles Format) macht dieses Buch zu einem wahren Erstleseschatz.

Christina Ulm | STUBE 

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Kevin Brooks: Live fast, play dirty, get naked

 : Roman / Kevin Brooks. Aus dem Engl. von Uwe-Michael Gutzschhahn. - Dt. Erstausg. - München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2013. - 477 S. - (dtv premium)
ISBN 978-3-423-24957-7      kart. : ca. € 15,40

London, 1976. Als die schüchterne und Klassik-begeisterte Lili vom heißesten „bad boy“ der Schule, Curtis Ray, aufgefordert wird, in seiner Punk-Rock-Band „Naked“ mitzuspielen, beginnt ein Sommer voller Musik, Liebe und Party. Aber auch ein Sommer der Eskalation. Denn während Curtis – inzwischen Lilis fester Freund – immer mehr in die Vorstellung einer derben und brutalen Punk-Rock-Szene abrutscht, bleibt Lili fasziniert, aber selbstbeherrscht. Ohne Teilhabe an Drogen und anderweitigen Exzessen ist sie die Einzige, die in dem riesigen Spiel um Macht und Beliebtheit noch die Musik genießt – doch auch das neue Bandmitglied William, das Genie an der Gitarre, scheint nicht auf das Wesentlichste vergessen zu haben: die Musik.
So entwirft Kevin Brooks in mitreißenden und realistisch gefärbten Musikszenebeschreibungen en passant eine Liebe von Gleichgesinnten. Ein packender Jugendroman, der die Zeit, in der er verortet ist, atmosphärisch porträtiert und auf viele reale Bands und Künstler dieser Generation verweist. Ab 15 Jahren sehr zu empfehlen.

Elisabeth von Leon | STUBE

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Eva Menasse: Quasikristalle

 : Roman / Eva Menasse. - Köln : Kiepenheuer und Witsch, 2013. - 425 S.
ISBN 978-3-462-04513-0      fest geb. : ca. € 20,60

Ein multiperspektivischer Roman erzählt nach dem Strukturprinzip von "Quasikristallen". (DR)

Der ungewöhnliche Titel befremdet zuerst, erschließt sich aber im Lauf der Geschichte als eine schöne Metapher nicht nur für den Lebensweg von Xane Molin, deren Biografie in dreizehn Kapiteln erzählt wird, sondern erweist sich auch als prinzipiell gültig für jede Lebensgeschichte. In den ersten sechs Kapiteln erfährt man aus unterschiedlichen Perspektiven, wie Xanes Kindheit als Vierzehnjährige abrupt zu Ende geht, als sie mit dem Tod einer Mitschülerin konfrontiert wird, begegnet ihr als Teilnehmerin einer Exkursion nach Auschwitz, sieht sie eintauchen in das wohlhabende Milieu der Wiener Gesellschaft, vollzieht dann mit ihr den Wechsel nach Berlin, wo sie die Ehe mit einem Universitätsprofessor eingeht, für zwei halbwüchsige Stieftöchter zu sorgen hat und schließlich selbst Mutter wird. Das siebte Kapitel, in dem die Protagonistin erstmals als Ich-Erzählerin spricht, beginnt mit einem Zitat von Horaz, das als Motto für Xanes ständig sich verändernde Lebens- und Identitätsentwürfe und ihre changierenden Rollen gelesen werden kann. Am Schluss kehrt sie als Großmutter und Witwe wieder nach Wien zurück, bereit, sich neu zu orientieren.
Eine unglaublich dichte, spannende, hinreißend formulierte Frauengeschichte voll tiefgründiger Empfindungen, unglaublicher Alltagserfahrungen und menschlicher Begegnungen, die in Summe die gebrochene, "quasikristalline" Lebensstruktur widerspiegeln, die bezeichnend ist für mitteleuropäische Frauengenerationen in der späteren 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bis ins erste Millenniumsjahrzehnt.

Jutta Kleedorfer | biblio

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Christian David: Mädchenauge

: Roman / Christian David. - Wien : Deuticke, 2013. - 460 S.
ISBN 978-3-552-06208-5      fest geb. : ca. € 20,50

Ein spannender Roman über einen Sommer der Angst in Wien. (DR)

Ein eiskalter Serientäter, bestärkt in seinem Glauben, ein Auserwählter zu sein, verübt mitten in der Innenstadt Wiens seinen dritten brutalen Mord in Folge. Mit grausiger Gesetzmäßigkeit tötet er an jedem zweiten Samstag auf erbarmungslose Weise ein Opfer. Für Major Belonoz, den eigensinnigen Chef der Wiener Mordkommission, und sein Team beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Als Unterstützung teilt man ihm die unerfahrene Staatsanwältin Lily Horn zu, deren Fähigkeiten Belonoz allerdings in Frage stellt. Doch nicht nur er unterschätzt die energische junge Frau gewaltig, die mit großem Einsatz an die Ermittlungen herangeht. Die Staatsanwältin ist fest entschlossen, sich weder von machtbesessenen Politikern noch von sensationslüsternen Medien behindern zu lassen.
"Mädchenauge" bietet viel mehr als die Aufklärung einer Mordserie: Der Autor schildert, wie skrupellos sich die Politik in polizeiliche Ermittlungen einmischt, und thematisiert ihren Einfluss und ihre Macht im Zusammenhang mit der medialen Berichterstattung. Doch auch die Psyche der Hauptperson Lily Horn wird auf analytische Weise beleuchtet. Ein weiterer Aspekt dieses Kriminalromans ist sein Schauplatz - Wien - und die Beschreibung der Bezirke, Gassen, Plätze und Stimmungen. Ein gelungener Roman, der durch seine breite Thematik hervorragt und trotzdem ein mitreißendes Crescendo der Handlung bietet.

Dagmar Weingartner | biblio

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Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten

 : Roman / Nellja Veremej. - Salzburg ; Wien : Jung und Jung, 2013. - 317 S.
ISBN 978-3-99027-031-8      fest geb. : ca. € 22,00

Kindheiten im Osten und im Westen verknüpfen sich zu einer gemeinsamen Geschichte. (DR)

Viele von uns zieht es in den Westen, sagt die Protagonistin, und sie hat Recht. Während sie aus dem Kaukasus nach Berlin ausgewandert ist, bereitet sich ihre in Berlin aufgewachsene Tochter auf die Ausreise in die USA vor. Umgekehrt verlief es seinerzeit bei Herrn Seitz. Von den Wirren der Mauer unbeeindruckt und von der Sehnsucht nach dem Westen unberührt, lebt er ein beschauliches Leben als Zeitungsredakteur. Seinen Sohn zieht es bald nach Leningrad, bald nach Kamtschatka. Schilderungen aus dem heutigen Berlin als Metropole verfließen mit Kriegserinnerungen des damals noch jungen Herrn Seitz. Heute sitzt der Mann im Rollstuhl. Seine russische Altenpflegerin liebt seine Geschichten. Ihre Kindheit im Kaukasus war von ganz anderen Sehnsüchten und Wünschen geprägt. Auch wenn sie es ungern zugibt: Manchmal hat sie Sehnsucht nach Omas treuem Blick und russischen Worten. Sooft sie kann, geht sie in den russischen Supermarkt und plaudert mit Frauen aus ihrer Heimat.
Mit leichtem Spott und manchmal etwas wehmütig schildert die Autorin das Leben der beiden Protagonisten. Und plötzlich scheinen der Berliner Alexanderplatz und das Dorf im Kaukasus gar nicht mehr so weit voneinander entfernt zu liegen.

Katharina Ferner | biblio

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Josef Schöchl: Lebensmittelgeschichte[n]

: schmackhaft, wissenswert, kurios / Josef Schöchl. - Salzburg : A. Pustet, 2013. - 157 S. : zahlr. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-7025-0703-9      fest geb. : ca. € 24,00

Ein erzählendes Sachbuch mit Geschichten von A bis Z rund um Lebensmittel und legendäre Gerichte. (VL)

Dieses Buch ist so etwas wie eine Kuriositätensammlung, in der einzelne Lebensmittel, Gewürze und berühmte Speisen in alphabetischer Reihenfolge nicht nur nach Herkunft, geschichtlicher Bedeutung und Verwendung vorgestellt, sondern auch gleich mit einem passenden Rezept zum Nachkochen versehen werden. Es bietet schon beim Schmökern und Anschauen der ganzseitigen ästhetisch ansprechenden Fotos eine kulinarische Entdeckungsreise zu neuen Gaumenfreuden und macht Lust aufs Ausprobieren von klassischen und bewährten Rezepten. Eine Genusslektüre mit 72 Lektionen!

Jutta Kleedorfer | biblio

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Tina Uebel: Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt

/ Tina Uebel. - München : C.H. Beck, 2013. - 399 S.
ISBN 978-3-406-64701-7      fest geb. : ca. € 20,60

Eine unterhaltsame Reise auf einer der Traumstraßen der Welt. (EL)

Vielleicht geht es Ihnen wie mir und Sie möchten am liebsten die ganze Welt bereisen, können es sich aber einfach nicht leisten. Wie schön, dass es Menschen wie Tina Uebel gibt, die nicht nur reisen, sondern auch noch so talentiert darüber schreiben. Bestimmte Gebiete der Welt umgibt selbst heute noch ein besonderes Flair, eine mythisch-phantastische Aura. Gerade Seewege üben eine unvergleichliche Faszination aus. Der Autorin gelingt es hervorragend, diese Faszination einzufangen und in Worte zu fassen. Sie schreibt äußerst frisch, humorvoll und überaus lebendig. Immer wieder blickt sie dabei zurück auf die großen Entdecker, Seefahrer und Polarforscher, die sich vor ihr auf die gefährliche Reise ins Ungewisse gemacht haben.
Der Leser findet sich wieder in einem lebendig-bunten Reigen von Erzählungen aus Vergangenheit und Gegenwart, der alles andere als frostig und eisig wirkt. Gerade die Erzählungen über Kapitän und Reisegenossen tragen erheblich zum Lesevergnügen bei. Die "Nordwestpassage" bringt mit Sicherheit erfrischenden Wind in die Bücherregale Ihrer Bibliothek.

Jonathan R. Werner | biblio

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Petrus Stockinger: Innere Inventur

 : Innehalten, Bilanz ziehen, Kraft schöpfen / Petrus Stockinger. - St. Pölten : Residenz-Verl., 2013. - 151 S.
ISBN 978-3-7017-3307-1      fest geb. : ca. € 19,90

Versuch einer geistlichen Inventur. (PR)

Herr Petrus Stockinger, seit seinem 18. Lebensjahr Augustiner Chorherr in Herzogenburg und seit seiner Priesterweihe 2009 Stiftskaplan und Religionslehrer an Volksschule, Hauptschule und AHS sowie im Kloster für Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, nimmt die LeserInnen im vorliegenden Band zu seiner inneren Inventur mit. Der Autor verbringt jährlich eine Sommerwoche in Taize und nutzt diese Zeit, um, wie er schreibt, "Inventur zu machen". Ganz bewusst hat er diesen Begriff aus der Wirtschaft gewählt und umschreibt damit den Versuch, seinen derzeitigen geistigen Stand zu bewerten und zu sehen, wohin es weitergehen soll. Das Haben, das ist er selber, mit seinen Talenten, seinen Sehnsüchten und seinen Grenzen, das Soll ist die Gnade und Herausforderung des Glaubens. Anhand dieser beiden Sichtweisen nähert er sich in sehr persönlicher Weise mit Hilfe von in erster Linie neutestamentlichen Texten grundlegenden Glaubensfragen und wagt einen frischen Blick auf das Kirchenjahr in der Hoffnung, dass die LeserInnen aus seinen Erfahrungen und Fragen etwas für sich mitnehmen können.
Ein Band, der mich nicht zuletzt in seiner Ehrlichkeit beeindruckt hat. Hier spricht ein Kind unserer Zeit, ein gerade einmal dreißigjähriger Priester, und steht zur Prozesshaftigkeit seines Glaubens, zu Bemühen und Scheitern. Ein Ansatz, in dem sich der Autor nicht - wie in geistlicher Literatur häufig die Gefahr - hinter theologischen Floskeln versteckt, sondern seine persönliche Note einbringt und das Gespräch mit dem Leser/der Leserin sucht. Empfehlenswert.

Monika Roth | biblio

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