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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2011 / Juli

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Mein Sommer-Buch

 / Wieland Freund ; Heinz Janisch ; Paul Maar ; Antonie Schneider ; Martina Wildner. Ill von Isabel Pin. - Berlin : Bloomsbury , 2011. - 89 S. : Ill.
ISBN 978-3-8270-5424-1      fest geb. : ca. € 15,40

„Und es verging die Zeit. Der Sommer kam.“ Und mit ihm die Urlaubszeit. Für jeden der sieben Tage von sechs Ferienwochen bieten Wieland Freund, Heinz Janisch, Paul Maar, Antonie Schneider und Martina Wildner Gedichte und Geschichten, Lieder, Spiele und Rätsel, die die freie Zeit noch zusätzlich versüßen und neben der Unterhaltung auch ganz konkrete Anregungen für eigene Urlaubsaktionen geben.
Wo die humorvoll-pointierten Gedichte von Heinz Janisch über das Reisen, die Tierwelt und Anderes jeweils abgeschlossen für sich stehen, ziehen sich einzelne Geschichten wie ein roter Faden durch den Verlauf der sechs Wochen: Martina Wildner lässt ihre Undine Woche für Woche in ihrer „kleinen Wellenkunde“ Wissenswertes und Kurioses über Wasser, Meer und Gezeiten vermitteln, während Parzival Hübner seinem Deutschlehrer Dr. Brot eMails mit seinen Urlaubsbeobachtungen zukommen lässt, die Wieland Freund wochenweise skurriler werden lässt. Isabel Pins zarte Buntstift-Illustrationen nehmen den locker-heiteren Ton der Texte in diesem Ringbuch auf und vermitteln durch den Einsatz einzelner Bildmotive auf weitem Weißraum Urlaubsstimmung pur.

Lukas Bärwald | STUBE 

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Claire Knightley: Dark Moon

: erster Band / Claire Knightley. - Ravensburg : Ravensburger Buchverl., 2011. - 345 S. - (Dark Moon; 1)
ISBN 978-3-473-35337-8   fest geb. : ca. € 17,50

Der sich verfinsternde Mond: Selten genug sind kosmische Ereignisse wie dieses zu beobachten; in der Literatur rund um die Wesen der Nacht jedoch sind sie dauerhaft präsent und verweisen auf das geheimnisvolle Dunkel, in dem sich die untoten und/oder hybriden Gestalten tummeln. Jack Valentine ist einer von ihnen und Claire Knightley (es handelt sich dabei um ein Pseudonym eines im selben Verlag publizierenden Autors) bindet ihre/seine Vampirfigur motivisch wieder an diese nächtliche Existenz. Um aber mit der menschlichen Welt verbunden zu bleiben, bedarf es so genannter Gefährten: Emilia Frazetta, eine attraktive und kunstsinnige Italienerin in ihren besten Jahren lebt seit ihrer Jugend in einer solchen Verbindung mit Jack Valentine. Als Lydia Garner, die jugendliche Ich-Erzählerin, Emilia kennenlernt, weiß sie jedoch weder von der Existenz von Vampiren, noch von ihrer eigenen in der Vergangenheit von Mutter und Großmutter begründeten Verbindung zu dieser Welt.
Ohne sich die Blöße einer epigonalen, im Vordergrund des Erzählens stehenden Liebesgeschichte zu geben, entwickelt der Roman Beziehungsmuster zwischen Menschen und Vampiren, die zuallererst gesellschaftpolitischen Charakter haben. Und hebt sich damit auf reizvolle Weise vom breiten Angebot ab. Rasch lesen, im Herbst erscheint der zweite (und letzte) Teil. Ab 13 Jahren.

Heidi Lexe | STUBE

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Catalin Dorian Florescu: Jacob beschließt zu lieben

: Roman / Catalin Dorian Florescu. - München : C.H. Beck, 2011. - 402 S.
ISBN 978-3-406-61267-1      fest geb. : ca. € 20,60

Politisches Zeitbild des Banats verwoben in eine außergewöhnliche Familiengeschichte, die letztlich darlegt, wie Liebe das Überleben sichert. (DR)

Erst im dritten Kapitel begegnen wir dem Ich-Erzähler Jacob Obertin, als er vor den russischen Soldaten ins Reich der Toten, in sein Geheimversteck, eine Gruft, flüchtet. Man schreibt den 14. Januar 1945 und die Soldaten treiben unbarmherzig die in dem im Banat gelegenen Dorf Triebswetter ansässigen jungen Deutschen in Viehwaggons zusammen. Ihr Ziel: Sibirien. Um sich von dieser Situation abzulenken, begibt sich der schmächtige 18-Jährige auf die Spuren seiner Kindheit: Von seinen zwei wundersamen Geburten ist da die Rede, von der distanzierten Mutter, dem unberechenbaren, gewalttätigen Vater und von der ein wenig furchteinflößenden Zigeunerin Ramina, die er vergöttert und die ihm, kränklich wie er ist, mit ihrer Heilkraft mehr als einmal das Leben rettet. Vor allem aber ist es seine zarte Liebe zu dem Serbenmädchen Katica, die Jacob die Wartezeit in seinem kalten Versteck überstehen lässt.
In großem Bogen erzählt Catalin Dorian Florescu die wechselvolle Geschichte der Bevölkerung des Banats: Florescu lässt die Kapitel auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen und fügt so eine Familienchronik zusammen, die von historischen Umbrüchen, von Kriegen und Katastrophen, von Hunger, Armut und Vertreibung geprägt ist. Ende des 18. Jahrhunderts machen sich Jacobs Vorfahren aus Lothringen auf zu einer abenteuerlichen und beschwerlichen Reise und es ist sein rühmlicher Ahn Frederick Obertin, der das Dorf Triebswetter gründet. "Jacob beschließt zu lieben" ist aber auch die Geschichte einer schmerzlichen Vater-Sohn-Beziehung, die bestimmt ist von Gewalt, Ablehnung und Verrat. Am Ende schließt sich der Kreis in dieser großen Familiensaga und Jacob zeigt, dass er ein wahrer Obertin ist.
Nicht immer wirkt hier alles in sich rund, zu Beginn werden manche Passagen holprig aneinandergefügt, hier hätte dem Text ein strengeres Lektorat gutgetan. Florescus einzigartige Erzählstimme nimmt einen jedoch so sehr in Bann, das man schnell über diese Schwächen hinwegsieht und gerne in dieses atmosphärisch dichte Familienepos eintaucht. Skurrile Begebenheiten, ungewöhnliche Vergleiche und Florescus Fabulierlust und -kunst sorgen für höchsten Lesegenuss. Allen Büchereien sehr zu empfehlen!

Cornelia Gstöttinger | biblio

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Leonardo Padura: Der Mann, der Hunde liebte

/ Leonardo Padura. Aus dem kuban. Span. von Hans-Joachim Hartstein. - Zürich : Unionsverl., 2011. - 730 S.
ISBN 978-3-293-00425-2      fest geb. : ca. € 29,80

Fesselnder Tatsachenroman über das Leben Trotzkis im Exil und seines Mörders und zugleich eine beeindruckende Schilderung der stalinistischen Terrormaschinerie. (DR)

Kuba 1977: Iván, ein desillusionierter Schriftsteller, lernt am Strand von Havanna einen Spanier kennen, der hier seine beiden Windhunde ausführt. Nach und nach enthüllt ihm der geheimnisvolle Fremde eine Geschichte, die Iván einen tiefen Einblick in die Machenschaften des stalinistischen Terrors gewährt. Es handelt sich um die minutiöse Planung der Ermordung des verbannten Revolutionärs Leo Trotzki. Der von Stalin der Konterrevolution beschuldigte Gründer der Roten Armee lebte seit 1929 im Exil, immer gewärtig von den Schergen Stalins liquidiert zu werden. Mit dem Auftrag, Trotzki zu ermorden, wurde der jungen Katalane Ramón Mercader betraut, der sich mit einer falschen Identität die Bekanntschaft mit Trotzki erschlich und ihn 1940 mit einem Eispickel erschlug.
Im Roman werden abwechselnd die Geschichte Trotzkis im Exil und der Werdegang seines Mörders geschildert. Dazwischen kommt der kubanische Schriftsteller Iván zu Wort, der das "Vermächtnis" Mercaders aufzeichnet. Anhand von zwei außergewöhnlichen Lebensgeschichten gelingt es Padura, die Zeit des Stalinismus, vor allem dessen Einfluss auf die Linke in Europa ab den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, dermaßen spannend zu erzählen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann und atemlos die Schachzüge verfolgt, mit denen Mercader sein Opfer immer enger umkreist. Nicht minder spannend wird das Leben Trotzkis geschildert, der von Exil zu Exil flüchtet, seine Gesinnung nicht aufgibt und versucht, die kommunistische Utopie vor ihrer stalinistischen Pervertierung zu retten.
Während die Schilderung der Gräuel Stalins für bzw. gegen sich selbst sprechen, urteilt Padura nicht über seine Protagonisten und lässt Verständnis für den Mörder erahnen. Mit Leidenschaft, aber ohne jedes Pathos ist hier ein großer humanistischer Roman entstanden. Wenn mit einem berühmten Literaturpreis jener ausgezeichnet werden soll, der "das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat", so kommt Padura ganz gewiss auch hier in Betracht. Sein außergewöhnlicher Roman sollte in keiner Bibliothek fehlen.

Ingrid Kainzner | biblio

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Judith W. Taschler: Sommer wie Winter

: Roman / Judith W. Taschler. - Wien : Picus-Verl., 2011. - 199 S.
ISBN 978-3-85452-671-1      fest geb. : ca. € 19,90

Manu und Alexander haben einen schweren Autounfall. In den Gesprächen danach erschließen sich ihre Lebensumstände. (DR)

Alexander wird von einer angesehenen Hoteliersfamilie in Sölden als Pflegekind aufgenommen. Er scheint es gut getroffen zu haben. Die Familie ist nett und recht erfolgreich. Sie baut sich gemeinsam eine Pension und ein Fünf-Sterne-Hotel auf. Und die Kinder helfen mit, diese Idylle zu erhalten. Alexander ist einerseits der erhoffte Sohn nach den drei Mädchen, andererseits wird er oft hart hergenommen für die Arbeit im Stall, auf der Alm und im Hotel. Er möchte gern eine weiterführende Schule besuchen, denn er ist ein begabter Schüler. Doch die Familie braucht Unterstützung bei der Arbeit. Alexander ist ein ruhiger Bub und fügt sich. Und doch versucht er, in die Fantasie zu entfliehen. Beinahe erwachsen, macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter. Wie es unter der schönen Fassade brodelt und gärt, kommt erst in den Gesprächen nach dem schweren Unfall Schritt für Schritt zutage. Alle erzählen sie vom Alltag, von der Schule und der Arbeit, von den gemeinsamen Weihnachtsfeiern mit ihren Hausgästen und anderem mehr.
Die Brüche im Leben der Protagonisten sind erschreckend. Es sieht alles so harmlos und angenehm aus. Das Buch ist hinreißend, authentisch und tragisch. Es lässt erahnen, wie Menschen in ihren Lebensrollen leiden, und doch können sie dem Druck, der auf ihnen lastet, nicht entfliehen. Ein fantastisches Buch, einfühlsam, eindringlich und kaum aus der Hand zu legen! Für alle Bibliotheken ein Gewinn!

Angela Zemanek-Hackl | biblio

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Cees Nooteboom: Schiffstagebuch

: ein Buch von fernen Reisen / Cees Nooteboom. Fotos: Simone Sassen. Aus dem Niederländ. von Helga van Beuningen. - Frankfurt a. M. : Suhrkamp, 2011. - 283 S. : Ill.
ISBN 978-3-518-42227-4      fest geb. : ca. € 20,50

Ein schreibender Reisender erhellt die Welt. (EL)

Cees Nooteboom, der in den späten 1950er Jahren als Leichtmatrose auf einer Fahrt in die Karibik anheuerte, ist wieder unterwegs. An Bord eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffes kommt er über Kap Hoorn nach Montevideo und Buenos Aires. Das zweite Kapitel in diesem Tagebuch eines schreibenden Reisenden führt nach Indien, wo er sich inmitten des Gestanks und Tumultes von New Delhi Gedanken darüber macht, wie man in diesem Staat mit mehr als einer Milliarde Menschen, mit den explosiven Gegensätzen zwischen Muslimen und Hindus dem Dasein näher sein kann als anderswo. Nach Reisen in die nördlichste und südlichste Stadt der Erde, nach Australien, Mexiko und Südafrika lässt der Autor sein exzellentes Buch mit Notizen aus Bali ausklingen.
Der feinsinnige Reiseschriftsteller beschreibt einzigartige Landschaften mit wenigen Worten und sagt damit alles über ihren Charakter. Nootebooms Stil ist ein Synonym für die Vorzüge einer Schiffsreise. Da ist nichts übereilt, alles hat die Zeit und Aufmerksamkeit, die es braucht. Das für jede Bibliothek empfohlene Buch ist eine wunderbare Mischung aus der Vermittlung von Wissen und subjektivem Erleben. Im Klappentext ist zu lesen: "Wer Nooteboom liest, ist erleuchtet". Dieser Satz gilt uneingeschränkt.

Johannes Preßl | biblio

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Anne-Katrin Weber: Obstkuchen

/ Autorin: Anne-Katrin Weber. Fotos: Wolfgang Schardt. - München : Gräfe und Unzer, 2011. - 64 S. : zahlr. Ill. (farb.) - (GU Küchenratgeber)
ISBN 978-3-8338-0913-2      kart. : ca. € 8,30

Etwa 50 Rezepte für Kreationen mit Sommerbeeren, Steinobst und Herbstfrüchten. (VL)

Gleich beim ersten Blick auf das Cover bekommt man Gusto, das dort abgebildete Stück Träubleskuchen, einen luftig aussehenden Kuchen mit Ribisel, zu verkosten. Wie immer bei Büchern aus dem Gräfe und Unzer Verlag sind die Bilder ein zusätzlicher Genuss. Die wunderschönen Fotos im vorliegenden Band stammen von Wolfgang Schardt - jedes Einzelne ist gleichermaßen verlockend. Die bekannte Kochbuchautorin Anne-Kathrin Weber hat Obstkuchen-Rezepte aus den verschiedensten Ländern zusammengetragen: Da gibt es Rezepte wie Rhabarberwähe (Schweiz), Apple Pie und Erdbeercheesecake (USA) sowie Rhabarbercrumble (Großbritannien) und dazwischen mehr oder weniger bekannte Kuchen aus allen Regionen Deutschlands. Angenehm ist der Aufbau des Buches: Beginnend mit Rezepten, in denen die ersten Obstsorten des Jahres (Erdbeeren, Rhabarber) verarbeitet werden, über Vorschläge für Kuchen oder Torten mit allerlei Beeren, finden dann - dem Verlauf des Sommers folgend - Steinobst und schließlich typisch herbstliche Früchte wie Äpfel, Birnen und Weintrauben Verwendung.
Zusätzlich gibt es auf der vorderen Umschlagseite Erfolgstipps z.B. zum Einfrieren oder Häuten von Obst und auf der hinteren Umschlagseite werden eine Pannenhilfe sowie Blitzrezepte mit Fertigteig angeboten. Eine kleine Obstkunde und die Beschreibung von verschiedenen Teigarten am Beginn des Textblocks komplettieren das Buch. Ein weiterer empfehlenswerter Band der Reihe "GU Küchenratgeber".

Doris Göldner | biblio

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Johannes Pausch: Ich bin dann mal alt!

: dem Leben auf der Spur bleiben - eine spirituelle Altersvorsorge / Johannes Pausch ; Gert Böhm. - München : Kösel, 2011. - 220 S.
ISBN 978-3-466-37014-6      fest geb. : ca. € 17,50

Was der Mensch zum Älterwerden braucht. (PR)

Viele Ratgeber für ein gutes Älterwerden enthalten Vorschläge zur Gesundheitsvorsorge, zum Erhalt der Fitness und zur materiellen Absicherung des Lebensunterhaltes. Für die Autoren dieses Buches ist dies - so sinnvoll und notwendig es auch ist - nur ein Teil der Altersvorsorge, die zu einem erfüllten Älterwerden beiträgt. Wesentlich für sie ist eine spirituelle Lebensführung, worunter sie die bewusste Gestaltung des Lebens verstehen. Damit aber sollte bereits im mittleren Erwachsenenalter begonnen werden.
Auf den über 200 Seiten geben sie dazu Anregungen und Wegweisungen, die sie an der natürlichen Autorität von Josefine Wagner, der über 100 Jahre alten Lindenwirtin am Wolfgangsee, überprüfen. Ihre Gedanken und Aussprüche ergänzen die eher psychologisch ausgerichteten Ausführungen der Autoren durch die alltägliche Lebenserfahrung. Vor allem diese Lebensweisheiten zeigen, was zu einem gelassenen Weg ins Alter gehört und wie dieser aussehen kann. Eine durchaus alternative Lektüre unter der einschlägigen Ratgeberliteratur.

Hanns Sauter | biblio

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