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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2013 / Dezember

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Birgit Lockheimer / Sonja Bougaeva: Zu Tisch!

: das Hausbuch vom Essen und Trinken / hrsg. von Birgit Lockheimer. Mit Bildern von Sonja Bougaeva. - Hildesheim : Gerstenberg, 2013. - 141 S. : zahlr. Ill.
ISBN 978-3-8369-2696-6     fest geb. : ca. € 25,70

„Puddingspeise, wackelst leise, ist dir kalt?“ – Edward van de Vendels beliebtes Gedicht „Pudding“ ist ein schönes Beispiel für die delikate Textauswahl dieser gut abgeschmeckten Anthologie rund um Essen, Tischmanieren, Geschmäcker, dicke Bäuche, Essensverweigerer und Lieblingsspeisen, die Birgit Lockheimer in diesem Hausbuch zusammengestellt hat. In vier Kapiteln wird nicht nur das Essen selbst in den literarischen Blick genommen, sondern auch das nötige Drumherum: Vom gedeckten Tisch bis zum Sattsein. Unter den aufgenommenen zeitgenössischen AutorInnen finden sich u. a. Hanna Johansen, Jürg Schubiger oder Salah Naoura gut vermengt mit großen Namen der Literaturgeschichte, beginnend bei Hans Sachs bis hin zu Johann Wolfgang von Goethe oder Heinrich Hoffmann.
Sonja Bougaevas Illustrationen geben diesem Sammelsurium aus Gedichten, Kurzgeschichten und Romanausschnitten für jedes Alter die nötige Würze: Der Suppen-Kasper beispielsweise versinkt reglos in einem überdimensionierten Ohrensessel, während „Morgens früh um sechs“ eine adrette „Hex“ am Herd anstatt am Holzofen kocht. – „Fröschebein, Krebs und Fisch. Hurtig, Kinder, kommt zu Tisch!“

Andrea Kromoser | STUBE 

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Elisabeth Steinkellner / Michael Roher: Papilios Welt

 / Elisabeth Steinkellner. Michael Roher. - Wien : Picus-Verl., 2013. - [13] Bl. : überw. Ill. (farb.) ; 28,5 cm
ISBN 978-3-85452-170-9      fest geb. : ca. € 14,90

Alle kochen nur das, was ihnen am besten schmeckt, tun und arbeiten nur das, was sie am liebsten machen, alle können leben, wo und wie sie möchten, und alle haben „ein Tier, das mit ihnen spazieren geht.“ So einfach und verführerisch ist die Welt, die sich Papilio ausmalt – der Junge mit Flügeln und Fliegerbrille, der Seiltänzerin, Polizist, Anzugträger und Barfußgeherin auf den ersten Seiten einlädt, ihm (gedanklich) zu folgen.
Er nimmt die Menschen mit auf seine schöne Reise; die Offenheit der Geschichte wird dabei durch die vielfältigen Mittel der Illustration aufgegriffen: Eingeklebte Papierschnipsel, schattierte Bleistiftzeichnungen, Zeitungspapier, etc. werden collagiert und lassen ein Konglomerat der Diversität entstehen, deren so unterschiedliche Einzelteile dennoch problemlos zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden.
Die vielschichtige Bezugnahme von Illustration und Erzählung schmiedet ein greifbares Bild einer Traumwelt, deren Realität am Ende nicht mehr nur für Papilio allein glaubhaft ist. Eine wunderbare Bilderbuch-Utopie – „Und wenn ihr die Augen schließt, könnt ihr sie auch sehen.“

Katharina Portugal | STUBE

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Khaled Hosseini: Traumsammler

: Roman / Khaled Hosseini. Aus dem Amerikan. von Henning Ahrens. - Frankfurt a. M. : S. Fischer, 2013. - 440 S.
ISBN 978-3-10-032910-3      fest geb. : ca. € 20,60

Ein dicht verwobenes Geflecht an Schicksalen vor dem Hintergrund des Verkaufs und der Adoption eines Kleinkindes in Afghanistan. (DR)

Die Bewohner des afghanischen Dorfes Shadbagh sind sehr arm. Jeden Winter fordert die Kälte ihren Tribut, wenn Babys und Kleinkinder nicht ausreichend versorgt werden können. So haben Saboor und Parwana ihr erstes gemeinsames Kind an die Kälte verloren. Jetzt steht der nächste Winter vor der Tür und Parwana ist wieder schwanger. Die Kinder aus Saboors erster Ehe, der zehnjährige Abdullah und die dreijährige Pari, leben ebenfalls im Haushalt. Abdullah hat die Pflege des Babys übernommen und die beiden Geschwister lieben einander abgöttisch. Nun fällt Saboor eine schwere Entscheidung: Um das Überleben der Familie zu sichern, verkauft er Pari an eine wohlhabende Familie in Kabul. Damit ist der Zusammenhalt in der Familie jedoch zerbrochen. Der Vater kann nicht mehr froh sein und Abdullah geht schon bald aus dem Dorf weg.
Nach diesem Einstieg nimmt der Autor die LeserInnen mit auf eine lange Reise zu den Schicksalen der Menschen im Umfeld von Abdullah und Pari. Er erzählt die Geschichte von Parwana und ihrer behinderten Zwillingsschwester, von Nabi, dem Bruder Saboors, der die Adoption eingefädelt hat, oder von den Wahdatis, die Pari adoptiert haben. Und er schildert den Krieg in Afghanistan und das Elend der Flüchtlinge. Man nimmt Anteil an vielen Lebensgeschichten und Lebensträumen. Nach rund 60 Jahren und vielen Reisen um die halbe Welt gelangt man wieder zu Pari und Abdullah zurück...
Wer Hosseini und seinen unnachahmlichen Erzählstil kennt, weiß, dass seine Bücher viele Stunden ungetrübte, informative und fundierte Lesefreude bereiten.

Susanna Schrampf | biblio

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Claus-Ulrich Bielefeld / Petra Hartlieb: Nach dem Applaus

: ein Fall für Berlin und Wien ; Roman / Claus-Ulrich Bielefeld ; Petra Hartlieb. - Orig.-Ausg. - Zürich : Diogenes-Verl., 2013. - 388 S.
ISBN 978-3-257-30018-5      kart. : ca. € 15,40

In seinem dritten Fall wirft das streitbare Ermittlerpärchen einen Blick hinter die Kulissen der deutschsprachigen Theaterwelt. (DR)

"Was ist der Unterschied zwischen dem Berliner und dem Wiener Charme? Der Berliner Charme tut sofort weh." (S. 283): Erneut sorgt das bewährte deutsch-österreichische Autorenteam Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb für einen bühnenreifen Auftritt ihres beliebten Ermittlerduos. Diesmal schnuppern Thomas Bernhardt aus Berlin und Anna Habel aus Wien todbringende Theaterluft: Für Sophie Lechner, den gefeierten Jungstar am Wiener Burgtheater, fällt der Vorhang kurz nach ihrem Umzug nach Berlin, wo sie ihre Traumkarriere fortsetzen wollte. Wer hat die ehrgeizige, exzentrische Schauspielerin mit den zahlreichen Liebschaften in ihrer Berliner Wohnung erstochen? Bald führen die Spuren zurück nach Wien, sodass Anna widerwillig ihren lang gebuchten Urlaub sausen lässt, um dem stets Paroli bietenden Berliner Kollegen bei der Lösung des Falls behilflich zu sein. Dieser versetzt mit seinen emotionalen Wechselbädern nicht nur Annas Herz in Aufruhr.
Im Laufe der solide konstruierten Handlung stolpert das Duo über weitere unschöne Leichen und nimmt die fragwürdigen Seiten der österreichischen Mentalität unter die Lupe: "Sie wissen doch, wie das ist in Österreich. Man kennt sich, man braucht sich, man nützt sich, und dann ist man auch befreundet. Wenn man sich nicht mehr braucht, ist das schlagartig vorbei mit dem Besserkennen." (S. 261) Der filmreife Showdown in der tief verschneiten Bergwelt Österreichs lässt sich am besten bei einer heißen Tasse Tee am Kamin genießen.
Die charmante Melange aus Wiener Schmäh und trocken-bissigem Berliner Humor, das bunte Lokalkolorit beider Städte, treffend gezeichnete Charaktere und pointierte Dialoge garantieren ein intelligentes und kurzweiliges Krimivergnügen. Die komfortable Schriftgröße dieser gut in der Hand liegenden Broschur vollendet den Lesegenuss. Wer die Vorgängerbände "Auf der Strecke" und "Bis zur Neige" noch nicht kennt: Unbedingt nachholen, in der Bibliothek einstellen und selber lesen!

Elisabeth Zehetmayer | biblio

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Margarita Kinstner: Mittelstadtrauschen

: Roman / Margarita Kinstner. - Wien : Deuticke, 2013. - 285 S.
ISBN 978-3-552-06226-9      fest geb. : ca. € 20,50

Marie verliebt sich in Jakob, Jakob trennt sich von Sonja, die lernt Gery kennen, der der beste Freund von Joe war. Joe wiederum ist der ehemalige Freund von Marie... (DR)

Die verschlungenen Wege des Lebens und der einzelnen Menschen sind eigenartig, ja schicksalhaft! Marie stolpert in einem Café und bekleckert dadurch Jakob. Dieser ist zwar mit Sonja zusammen, doch die Hitze des Verliebtseins ist dahin und die Glut kühlt bereits aus. Er, der wegen seines Vaters Quantenphysiker wurde und nie die Geborgenheit einer Familie kennen gelernt hat, verliebt sich in die stolpernde Marie. Sonja, die bald die Exfreundin von Jakob ist, lernt Gery kennen, der sich bei Essen auf Rädern verdingt und sich liebevoll um die alte Frau Brunner kümmert. Gery war der beste Freund von Joe: Dieser versuchte ein Filmprojekt umzusetzen, sprang dafür - mehrmals - in die Donau, doch beim letzten Mal tauchte er nicht mehr auf. Joe wiederum ist der ehemalige Freund von Marie.
Eins ist mit dem anderen verwoben, keines existiert ohne das andere - das führt uns Margarita Kinstner fulminant und sprachgewaltig vor Augen. Poetisch und anrührend, einfühlsam, lakonisch, märchenhaft und auch traurig - der Roman begeistert und lässt die LeserInnen in die Leben der Protagonisten blicken. Nach all dem "Mittelstadtrauschen" in Wien verknüpft sich eins mit dem anderen und erklärt sich das Leben als eine Symphonie der lauten und leisen Töne. Das beste Debüt seit langem!

Angela Zemanek-Hackl | biblio

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Cornelia Schinharl: Herbst, Winter, Gemüse!

: überraschend neue Rezepte für Kürbis, Kohl und Knolle / Texte und Rezepte: Cornelia Schinharl. Fotos: Klaus-Maria Einwanger. - München : Gräfe und Unzer, 2013. - 159 S. : zahlr. Ill.
ISBN 978-3-8338-3438-7      fest geb. : ca. € 15,50

Sie wollen ökologisch sinnvoll und gesundheitsbewusst kochen - und schmecken soll es auch noch? Mit diesem Kochbuch kein Problem. (VL)

Fleisch spielt eine untergeordnete Rolle; hier dreht sich alles um Gemüse der Saison. Der Verlag verspricht nicht zu viel: Hier sind wirklich neue und außergewöhnliche Rezepte entstanden wie Kürbiscarpaccio mit Grapefruit, Steckrüben-Wedges mit Spinatjoghurt oder Minicalzone mit Roter Beete und Ricotta. Die Zutaten entsprechen dem saisonalen Angebot. Einige der verwendeten Gemüse sind inzwischen fast aus dem Angebot verschwunden wie Steckrüben oder gelbe Rüben, vielleicht erleben sie mit Kochbüchern wie diesem eine Renaissance. Einigen nicht so üblichen Gemüsesorten wird deshalb eine eigene Vorstellungsrunde gewidmet, dazu gehören Schwarzwurzel, Topinambur und Winterportulak.
Wer ökologisch bewusster leben und damit weitestgehend auf Lebensmittel verzichten will, die über die ganze Welt transportiert werden, und stattdessen Zutaten verwendet, die problemlos bei uns angebaut werden können, wird mit diesem Kochbuch seine Freude haben. Neue und originelle Rezeptideen machen Lust aufs eigene Experimentieren. Dabei sind sie erfreulicherweise gut beschrieben, recht einfach nachzukochen und durchwegs für die alltägliche Küche geeignet.
Schöne Fotos verlocken zum Ausprobieren. Ein Kochbuch, das in keiner Bibliothek fehlen sollte.

Anita Ruckerbauer | biblio

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Weihnachts-Deko natur

 : Ideen zum Selbermachen / Gerlinde Auenhammer ; Marion Dawidowski ; Annette Diepolder ; Angelika Kipp. - 3. Aufl. - Freiburg : Christophorus, 2012. - 62 S. : zahlr. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-8388-3459-7      fest geb. : ca. € 13,40

Viele dekorative Ideen zum Selbermachen aus (vorwiegend hölzernen) Naturmaterialien für die Advents- und Weihnachtszeit. (VB)

Es gibt viele schöne Möglichkeiten für Dekorationen in der Advents- und Weihnachtszeit. Wenn man bereits im Spätsommer und Frühherbst beginnt, im Wald und im Garten Naturmaterialien zu sammeln, kann man sich an den länger werdenden Abenden der Vorfreude auf Weihnachten widmen und aus natürlichen Materialien wie Holzscheiten, Ästen, Zäpfen, Reisig, Baumrinde und vielem mehr - stilvoll kombiniert mit Metall, Filz, buntem Karton oder Bändern - wunderschöne Dekorationen für die "schönste Zeit im Jahr" anfertigen. Viele sind zudem länger haltbar und können auch für kommende Jahre aufgehoben werden.
Bei einem minimalen Aufwand entstehen mit Hilfe von Säge, Draht und Heißkleber die verschiedensten ansprechenden und oft auch anspruchsvollen Gebilde wie Türkränze, Kerzenleuchter, Schmuck für Fenster oder Tisch, Vogelfutterstäbe, Windlichter und vieles mehr.
Es werden 26 Projekte jeweils auf einer Doppelseite mit genauen Informationen vorgestellt. Materialbedarf, Vorbereitungsarbeiten und eine schrittweise Anleitung auf der einen Seite stehen einem farbigen Vollbild auf der anderen Seite gegenüber, so dass man sofort sieht, was entstehen soll. Viele Tipps und Hinweise sowie weihnachtliche Gedichte und Gedanken vervollständigen dieses gut gelungene Buch.

Susanna Schrampf | biblio

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Oscar Brenifier / Jacques Després: Was, wenn Gott einer, keiner oder viele ist?

 / Oscar Brenifier. Mit Ill. von Jacques Després. Aus dem Franz. von Anja Kootz und Tobias Scheffel. - Stuttgart : Gabriel, 2013. - [15] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-522-30345-3      fest geb. : ca. € 13,40

Anregungen zum Nachdenken und Sprechen über Gott. (ab 7) (JP)

Wie man Gott erkennt, ob es nur einen oder mehrere gibt, ob Gott eine Person oder eine Idee ist, wo Gott ist, wofür man ihn braucht, ob er uns lenkt - darüber gab es in der Philosophiegeschichte und gibt es auch heute ganz verschiedene Sichtweisen. Oscar Brenifier lotet die Bandbreite der Vorstellungen aus und wie in seinen bisherigen Philosophiebüchern geht er dabei dialektisch vor. Zwischen den Polen "Manche denken..." und "Andere glauben..." spannt sich auf jeder Doppelseite der Bogen und regt an, sich selbst auf diesem Spannungsbogen zu positionieren oder vielleicht sogar die gegensätzlichen Ansichten zu vermitteln. Im Buch finden sich keine Lösungen, die muss jeder und jede für sich selber entdecken und wird daher auch mit der Aufforderung "Und du?" auf der letzten Doppelseite entlassen.
Die Illustration ist ungewöhnlich: Futuristische Wesen mit großen, bildschirmähnlichen Köpfen agieren in einer kahlen, artifiziellen Alltagswelt. Die vielleicht zunächst gewöhnungsbedürftige Illustration kann die LeserInnen beim Nachdenken unterstützen, denn die klaren Formen und glatten Flächen wollen nicht das Gefühl und die Sinne ansprechen, sondern spiegeln eher die menschliche Fähigkeit des Denkens. Und die Figuren mit ihrem ernsthaften Gesichtsausdruck scheinen tief ins Nachdenken versunken zu sein. Ausgesprochen empfehlenswert für Kinder ab 7, Jugendliche und Erwachsene.

Gabriele Doblhammer | biblio

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