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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2013 / Juli

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Pija Lindenbaum: Franziska versteckt sich

/ Pija Lindenbaum. Aus dem Schwed. von Birgitta Kicherer. - Frankfurt a. M. : Moritz-Verl., 2013. - [28] S. : überw. Ill. (farb.) ; 26,5 cm
ISBN 978-3-89565-263-9      fest geb. : ca. € 14,40

Babys sind toll; sie riechen gut, sind winzig klein und eignen sich hervorragend als Spielzeug. So denken zumindest Almut und ein bisschen auch Franziska, als die Babysitterin mal eben nicht da ist und sie die beiden „Kleinen“ aus ihren Bettchen holen. Um ihnen Kätzchen auf den Kopf zu malen, „Gefängnis“ und „Grillwurst“ zu spielen und ihnen ein gruseliges Theater vorzuspielen. Alles geht gut (herrlich ist hier die verdutzte Mimik der Kleinen), doch gerade als Franziska eines von ihnen wieder ins Bett heben will, lässt sie es fallen. Und das Geschrei des Babys, vor allem aber der Babysitterin ist groß.
Voller Angst, Scham und Sorge versteckt sich Franziska im Schrank, bleibt dort aber nicht lange allein … „Das kommt manchmal vor. Plötzlich sind da ein paar Tiere, die hängen ein bisschen in der Gegend herum.“ Pija Lindenbaum setzt in der neuesten Geschichte rund um die Bilderbuchheldin Franziska ganz auf deren bewährtes Talent: in den kuriosesten Situationen auf Tiere zu treffen. Nach Wölfen, Elchen und Schafen sind es diesmal Frettchen (oder Marder oder Wiesel), die dem Mädchen bei der Bewältigung ihrer Schuldgefühle helfen und den trotz allen Dramas unbeschwerten Ton der Geschichte verkörpern. Die Grenzen zwischen Realität und kindlicher Vorstellungswelt sind fließend, die unterschiedlichen Stimmungen hingegen grenzen sich in den Aquarellbildern deutlich ab: vom bunten Spieletumult bis zur gedämpften und ruhigen Kummerphase im Schrank und schließlich der großen Versöhnung am Ende. Wieder einmal schafft es Pija Lindenbaum, kindliche Gefühlswelten ganz wunderbar, nahbar und leicht zu vermitteln, deshalb ist das Bilderbuch für alle Bestände (und Franziska-Fans ab 3 Jahren) zu empfehlen.

Christina Ulm | STUBE 

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Claudia Gürtler: Finnas Pferde

/ Claudia Gürtler. - Wien : Jungbrunnen, 2013. - 195 S.
ISBN 978-3-7026-5848-9     fest geb. : ca. € 16,95

Obwohl der Titel des Buches auf anderes schließen lässt, wird hier kein Mädchen und ihr persönlicher Bezug zu Pferden porträtiert, sondern vielmehr der eines ganzes Landstrichs: In Island halten die Menschen Pferde nicht aus Gründen der Freizeitgestaltung oder zweckfreien Tierliebe, vielmehr sind die Tiere ein bedeutender Teil der wirtschaftlichen Existenzsicherung. Und dennoch gibt es vielfältige emotionale Bindungen, die hier in den Blick genommen werden. Schauplatz der Erzählung sind vier isländische Höfe; die erzählte Zeit folgt dem Jahreskreis und dem Alltag ihrer menschlichen und tierischen BewohnerInnen. „In Island wachsen Pferde und Kinder in Herden auf“, heißt es so schön im Text und genau jenes soziale Gefüge beschreibt Claudia Gürtler sehr vielschichtig. Finna ist eines der Kinder, mit zwölf soll sie traditionell ihr erstes eigenes Pferd bekommen, wenn nicht der verbitterte Pferdezüchter Einar Wert auf ihr auserwähltes Pferd legen würde …
Dieser Grundkonflikt ist Anlass für atmosphärische Beschreibungen von kurzen Sommern, harter Arbeit, einem Leben mit den Pferden und der Natur. Über die etwaigen Anachronismen und Inkonsistenzen in den Erzählperspektiven tröstet der mystische Erzählton hinweg – so werden nordische Sagen und Brauchtum in die Handlung verwoben. Eine „Island-Saga“, die sich der Einschränkung „Pferdbuch“ verwehrt und auch zum gemeinsamen Lesen von Kindern und Erwachsenen geeignet ist.

Christina Ulm | STUBE

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Judith W. Taschler: Die Deutschlehrerin

: Roman / Judith W. Taschler. - Wien : Picus-Verl., 2013. - 222 S.
ISBN 978-3-85452-692-6      fest geb. : ca. € 21,90

Eine fein ziselierte, psychodramatische Beziehungsgeschichte zwischen einer Deutschlehrerin und einem Jugendbuchautor. (DR)

Der dem Roman vorangestellte Prolog ist ein amtliches Schreiben mit einer Zusage an eine Frau Mag. Kaminski, die ihre Deutschklasse für eine Veranstaltung "Schüler/in trifft Autor/in" angemeldet hat. Daraufhin folgen eine Reihe E-Mails, die die Deutschlehrerin Mathilda und der Jugendbuchautor Xaver einander schreiben, bis es zu einer ersten Wiederbegegnung nach knapp 16 Jahren kommt. Nach und nach erfährt man von ihrer gemeinsamen Vor-, Lebens- und Liebesgeschichte und taucht ein in ein atemberaubendes Psychodrama zwischen Wahrheit und Trug: Sie scheint die hingebend und sich aufopfernde Liebende mit obsessivem Kinderwunsch zu sein, während er sich in seiner Liebhaber- und Autorenrolle gefällt, jedoch nicht zu Ehe und Vaterschaft bereit ist. Eines Tages verschwindet er spurlos aus der gemeinsamen Wohnung und geht eine Familiengründung ein. Was zwischenzeitlich in den darauffolgenden Jahren sowohl in Mathildes wie in Xavers Leben geschieht, wird jeweils bruchstückhaft aus beider Perspektive erzählt und endet im Epilog mit einem berührenden Text einer Schülerin über ihre Deutschlehrerin.
Eine atemberaubende und spannende Lektüre mit einem Wechselbad von großen Gefühlen und unterschiedlichen Wahrheiten, die sich bis zum Schluss zuspitzen und kein Happy End brauchen, um ein intensives Leseerlebnis zu vermitteln.

Jutta Kleedorfer | biblio

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Tess Gerritsen: Abendruh

 : Roman / Tess Gerritsen. Dt. von Andreas Jäger. - München : Limes, 2013. - 412 S.
ISBN 978-3-8090-2578-8      fest geb. : ca. € 20,60

Extrem spannender Thriller, in dem drei Jugendliche zum Ziel eines unglaublichen Mordkomplotts werden. (DR)

Als in Boston die wohlhabende Familie Ackerman ermordet aufgefunden wird, stehen die Ermittler vor einem Rätsel. Dass der einzige Überlebende des Verbrechens, der Pflegesohn Will, schon einmal eine Familientragödie überlebt hat, macht den Fall noch mysteriöser. Der traumatisierte Jugendliche wird ins Internat Abendruh gebracht, eine Schule, die sich darauf spezialisiert hat, Kindern, die Opfer von Verbrechen wurden, ins Leben zurückzuhelfen. Als die Kriminalkommissarin Jane Rizzoli herausfindet, dass es in Abendruh zwei weitere Jugendliche gibt, die wie Will sowohl die Ermordung ihrer Eltern als auch die Ermordung ihrer Pflegefamilien überlebt haben, beginnt sie nach Zusammenhängen zu suchen und stößt auf ein unglaubliches Komplott.
Dieser Krimi bietet seinen LeserInnen nicht nur fesselnde Spannung und ein perfekt durchdachtes Handlungskonzept mit immer neuen Höhepunkten, sondern auch faszinierende Charaktere, intelligente Dialoge und einen brillanten, gestochen scharfen Sprachstil. Wie in einem Puzzlespiel fügen sich in diesem Thriller Teilchen um Teilchen ineinander - bis hin zu einem furiosen Finale. LiebhaberInnen raffinierter Spannung werden dieses Buch nicht vor der letzten Seite aus der Hand legen können.

Michaela Grames | biblio

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Bonnie Jo Campbell: Stromschnellen

 : Roman / Bonnie Jo Campbell. Aus dem Engl. von Carina von Enzenberg. - München : Piper, 2013. - 397 S.
ISBN 978-3-492-05492-8      fest geb. : ca. € 23,70

Ein Roman über die Natur, die Freiheit und die Selbständigkeit. (DR)

Die sechzehnjährige Margo lebt mit ihrem Vater und der Großfamilie Murray am Stark River im Norden Michigans. Das Leben des stillen Mädchens wird ganz vom Fluss bestimmt - sie badet und fischt in ihm und ist eine exzellente Schützin. Doch ihre Welt ist nicht heil: Die Gewässer werden durch die Abwässer der Anlagen, die längs des Ufers betrieben werden, mit Chemikalien verseucht und die Männer der Familie Murray machen ihre eigenen Gesetze und nehmen sich, was sie begehren, auch mit Gewalt. Als Margos Vater bei einem unglücklichen Vorfall getötet wird, entscheidet sie sich für ein Leben auf dem Fluss. Ausgestattet mit Proviant, einem Gewehr und Patronen macht sie sich mit ihrem Ruderboot auf die Reise und beginnt ein Leben zu Wasser. Sie ernährt sich von dem, was ihr die Natur bietet, und tauscht ihre Funde ein so wie ihr Vorbild Annie Oakley, eine bedeutende Kunstschützin des Wilden Westens. Margo trifft immer wieder auf Menschen, die ihr helfen oder sie beschützen, und schlussendlich findet sie einen Weg, so zu leben, wie sie will.
Bonnie Jo Campbells Roman zeugt von einer tiefen Verbundenheit mit der Natur und berichtet von einem Leben im Einklang mit der Umwelt, von Unabhängigkeit und Freiheit. Die Autorin erzählt die Abenteuer ihrer Hauptfigur in leisen Tönen, ihre Sprache ist klar und fließend und die Geschichte unvorhersehbar und fesselnd. Bei der Lektüre von "Stromschnellen" atmet man die Luft des Flusses ein, man hört, wie sich die Tiere im Dickicht bewegen und man verspürt die Schüsse, die Margo mit ihrem Gewehr abfeuert. Ein empfehlenswertes Buch und eine tolle Gelegenheit, sich an die Schätze der Natur zu erinnern.

Dagmar Weingartner | biblio

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Karlheinz Rossbacher: Lesen und Leben

 : ein persönliches Alphabet / Karlheinz Rossbacher. - Salzburg : O. Müller, 2013. - 292 S.
ISBN 978-3-7013-1208-5      fest geb. : ca. € 22,00

Bunter Fleckerlteppich Leben. (PL)

Ein Leben im Zeichen des Alphabets? Bei Karlheinz Rossbacher buchstabieren sich das Berufliche wie das Private aus den gleichen elementaren Bausteinen und Zauberzeichen der Sprache, was liegt also näher, als auf der Abfolge des Alphabets die Einstiege in ein persönliches Netz der Erinnerungen, Gedanken und Erfahrungen zu unternehmen.
39 Begriffe von A wie „Alain“ bis Z wie „Zeit“ sind es, die die Ausgangspunkte dieser literarischen Lebenserkundungen von jeweils einigen Seiten bilden. In der Lesezeit von etwa zehn Minuten wird man hineingenommen in kleine Erinnerungsräume, die der Autor literarisch gestaltet und damit lebendig werden lässt. Das abgelegene Kärntner Heimattal und die Weiten Amerikas, lebensbedrohliche Ereignisse in der Kriegszeit und selige Badetage in der Kindheit, germanistische Laufbahn an der Salzburger Uni oder eine irritierende Russlandreise: Der Fleckerlteppich ist aus starken Kontrasten gewebt.
Ein Hauptakteur aller Texte, der ganz am Ende auch persönlich die Bühne betritt, ist die Zeit: Vergangenes und Gegenwärtiges verschränken sich und werden spannend in ihrer wechselseitigen Wirkung beleuchtet. Die Erinnerung malt Bilder, an denen ständig weitergearbeitet und retouchiert wird: Erinnern als Prozess.
Fasziniert von der Philosophie Ernst Machs, der die menschliche Identität als eine nur lose verknüpfte und unbeständig vernetzte Ansammlung von Sinneseindrücken deutete, schreibt Rossbacher in seinem persönlichen Alphabet zugleich gegen diese beunruhigende Vorstellung an: Als Autor setzt er darauf, dass sich der Kettenfaden der Sprache als stark genug erweist, die flirrenden Erlebnisse und Erinnerungen in ein gefestigtes Lebens- und Lesegewebe zu verdichten. Ein faszinierendes Buch, in dem das Lesen als eine wunderschöne Anleitung zur Selbstbefragung erscheint.

Reinhard Ehgartner | biblio

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Ute Woltron: Warum schmecken Maulbeeren am besten nackt?

 : selbstgemachte Köstlichkeiten aus Natur und Garten / Ute Woltron. - Wien : Brandstätter, 2013. - 159 S. : zahlr. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-85033-716-8      fest geb. : ca. € 25,00

Ein Garten-, Koch- und Lesebuch für Naturfreunde und Naturfreundinnen. (VL)

Der blasslila Umschlag mit zarter weißer Titel- und Untertitelschrift macht neugierig, welche besonderen Köstlichkeiten aus Natur und Garten diese Lektüre für die eigene Küche anbietet. Dies wird noch verstärkt durch die kategorische Aufforderung, das Vorwort zuerst zu lesen. Dann aber folgen im Jahreskreis auf je einer Doppelseite kleine Geschichten und sachkundliche Erklärungen zu den einzelnen Pflanzen, die mit meist unkomplizierten Rezepten zu besonderen Gerichten verarbeitet werden oder einfach "nackt am besten schmecken".
Entgegen herkömmlichem Foodstyling veranschaulichen authentische Fotos der Autorin, wie die oft eher ungewöhnlichen oder alten Pflanzen aus eigenem Anbau bzw. von Bauernmärkten überhaupt aussehen und was man Köstliches daraus machen kann. Ein Buch, das bestimmt all jenen Freude bereitet, die sich einen sorgsamen Blick für die natürliche Vielfalt an "grünen" Lebensmitteln erhalten haben und diese zu genießen verstehen.

Jutta Kleedorfer | biblio

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Franz Troyer: Ihren Spuren folgen

: die Botschaft biblischer Gestalten für Menschen von heute / Franz Troyer. - Innsbruck : Tyrolia, 2013. - 204 S.
ISBN 978-3-7022-3243-6      fest geb. : ca. € 17,95

Was wir von biblischen Gestalten lernen können. (PR)

Die Menschen der Bibel sind keine Übermenschen, sie haben ihre Stärken und Schwächen, ihre positiven Seiten und ihre Fehler. Sie sind durch Lebenserfahrungen gewachsen, stellen Gott ihre Fragen, setzen ihre Ansprüche mit oft zweifelhaften Methoden durch. Ihre Lebensläufe haben auch modernen Menschen viel zu sagen. Franz Troyer hat für sein Buch 19 markante Gestalten ausgewählt, schildert das Besondere an ihrem Charakter, zeigt ihre Entwicklungen auf und stellt die Verbindung zu uns her. Wir sehen z.B. bei Mose, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, lernen mit Adam und Eva das Leben wagen, mit dem Propheten Jona, eine zweite Chance zu bekommen, mit Jesus Lasten tragen, mit Petrus nochmals beginnen, mit den Korinthern eine Gemeinde bauen. Jedes Kapitel schließt mit einem Gebet oder einer Kurzmeditation, die hilft, den vorangehenden Text auf die eigene Person hin anzuwenden.
Ein spannendes Buch, das man nicht einfach so herunterliest, sondern mit dem man sich lange beschäftigen muss. Es bietet - da die 19 ausgewählten Gestalten eine große Bandbreite an Schicksalen, Glaubenswegen und Menschlichkeit abdecken - eine wirkliche Lebenshilfe aus der Bibel. Breit zu empfehlen.

Hanns Sauter | biblio

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