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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2013 / Mai

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Birgitta Sif: Oliver

/ Birgitta Sif. Aus dem Engl. von Sophie Birkenstädt. - Hamburg : Aladin, 2013. - [29] S. : überw. Ill.
ISBN 978-3-8489-0001-5   fest geb. : ca. € 13,30

Das berühmte „Ende“, integrativer Bestandteil jeder Geschichte, ist dort platziert, wo es hin gehört. Doch es wird durchgestrichen und ein „Anfang“ wird ihm zur Seite gestellt: Das Ende der Geschichte markiert den Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und (so bleibt zu hoffen) mehrerer Bilderbuchkarrieren: „Oliver“ ist das Debütbilderbuch einer jungen Künstlerin und Teil des ersten Programms im neuen Aladin-Verlag, mit dem der ehemalige Verantwortliche des Carlsen Verlags, Klaus Humann, einen Neustart wagt. Die Wunderlampe wirft diesmal ein warmes Licht auf ein Kinderleben, das ein wenig aus der Norm fällt; denn während Oliver von Zweisamkeiten der unterschiedlichsten Art umgeben ist, bleibt er für sich.
Die in erdigen Farben kolorierten, skizzenhaften Zeichnungen zeigen Oliver in detailverliebt ausgestalteten Alltagsszenerien, in denen stets auch kleine Zwischenwesen ihr Eigenleben führen. Oliver jedoch bleibt ganz auf seine Freunde fokussiert – kleine Stofftiere, mit denen er jene Abenteuer besteht, die seine Wahrnehmung des Lebens als Spiel bestimmen. Dennoch: Wenn Oliver auf dem Flügel spielt, klatscht keiner. Nur selten wurde ein so liebevoller Blick auf kindliche Einsamkeit geworfen – die als berührend, nicht aber als bedrückend empfunden wird. Und die letztlich auch für Oliver in eine ganz besondere Form der Zweisamkeit mündet. Sehr zu empfehlen ab 5 Jahren.

Heidi Lexe | STUBE 

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Deborah Ellis: Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken

/ Deborah Ellis. Aus dem Engl. von Franka Reinhart. - München : cbj, 2013. - 251 S. - (cbj Thriller)
ISBN 978-3-570-40175-0    kart. : ca. € 8,30

Es ist die Abrechnung einer Freundschaft, eines Sommers und eines grausamen Verbrechens: Die Ich-Erzählerin Jess hat „ziemlichen Redebedarf“, als sie ihre Geschichte beginnt, schließlich ist oder war sie die beste Freundin von Casey, jener Jugendlichen, die wegen Mordes an einem Kind angeklagt wurde. Durch wiedergegebene Verhöre, Tagebucheinträge und Briefe, immer geprägt durch den retrospektiven Blick von Jess, ergibt sich ein verschachteltes Bild der Ereignisse: Casey und Jess, zwei sehr unterschiedliche Freundinnen, sind Betreuerinnen im Feriencamp „Ten Willows“ und für eine Gruppe kleiner Mädchen verantwortlich. Eines davon macht es den beiden sehr schwer und fordert die beiden Betreuerinnen immer wieder heraus. Als das Mädchen verschwindet und bald darauf ermordet aufgefunden wird, gerät Casey unter Verdacht: Nicht nur hat sie gehässige Aussagen über das ermordete Mädchen getätigt, auch dessen blutiges T-Shirt findet sich unter Caseys Sachen …
Deborah Ellis charakterisiert die beiden zentralen Figuren äußerst undurchsichtig und schürt damit große Spannung: Bis zum Schluss ist unklar, inwieweit Casey und/oder Jess in den Mord verwickelt sind. Falsche Fährten und zahlreiche Vermutungen prägen die Rezeption und doch kommt am Ende alles anders als man denkt. Auch was die grundsätzliche Prägung des Romans betrifft. Denn entgegen eines ersten Lektüreeindrucks läuft die Erzählung nicht auf spektakuläre Enthüllungen zu, sondern vielmehr auf das vielschichtige Porträt einer Freundschaft. Als Jess in den Fokus der Ermittlung gerät und zur Aussage gegen oder für ihre Freundin gedrängt wird, muss sie Stellung beziehen. Das regt an, auch eigene Werte zu hinterfragen und die Handlungsmöglichkeiten von Jess für sich persönlich auszuloten. Wenn am Ende des Romans schließlich das Ende einer Freundschaft steht, ist klar, dass hier kein Krimi oder Thriller im engeren Sinne vorliegt, aber ein mindestens ebenso spannender psychologischer Roman über Freundschaft, Opportunismus und Loyalität.

Christina Ulm | STUBE

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René Freund: Liebe unter Fischen

 : Roman / René Freund. - Wien : Deuticke, 2013. - 205 S.
ISBN 978-3-552-06209-2      fest geb. : ca. € 18,40

Der melancholische Lyriker Firneis kämpft gegen sein Burnout und findet in der Abgeschiedenheit zurück zur Sprache und zur Liebe. (DR)

Fred Firneis ist ein gefeierter Lyriker, doch er leidet unter massivem Burnout oder einfach nur an Melancholie mit (zu)viel Alkohol. Seine Verlegerin braucht dringend Geld. Nach mehreren Anrufen und drängenden Vorschlägen macht sich Firneis auf deren Geheiß hin auf den Weg in das oberösterreichische Voralpenland, in eine einsam gelegene Hütte in Grünbach am Elbsee, das unschwer als Grünau im Almtal auszumachen ist. Als Exilösterreicher fühlt Firneis sich anfangs in der ländlichen Gegend nicht besonders wohl. Dann die Katastrophe: Er ist von der Umwelt abgeschnitten, die Forststraße wurde vom Regen weggespült! Nachdem die kärglichen Lebensmittel aufgebraucht sind, begibt er sich wagemutig ins Tal. Beinahe wäre das schlecht ausgegangen, doch der Wirt, der zugleich der Förster in der Gegend ist, rettet ihn. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und Fred Firneis kommt langsam zur Ruhe. Da taucht eines Tages eine Forscherin auf, die die Elritze und deren Fortpflanzungsverhalten beobachtet und zwar im See vor seiner Hütte. Mara kommt aus der Slowakei und hat - wie Fred findet - eine bezaubernde Art. Sie reden viel miteinander, schwimmen im See und Fred beginnt wieder zu dichten.
Wie es kommt, dass Fred doch wieder unglücklich ist - eine Zeitlang zumindest -, ergibt sich durch die handelnden Personen. Doch keine Bange: Es gibt ein Happy End! Luftig, leicht, unterhaltsam, zum Schmunzeln des feinen Witzes wegen - das Buch sollen ganz viele lesen, es macht fröhlich!

Angela Zemanek-Hackl | biblio

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Peter Rosei: Madame Stern

 : Roman / Peter Rosei. - St. Pölten : Residenz-Verl., 2013. - 153 S.
ISBN 978-3-7017-1606-7      fest geb. : ca. € 19,90

Ein typisch österreichisches Sittenbild voller gewissenloser Politiker, aalglatter Aufsteiger und gieriger Bankiers. (DR)

Mit dem ersten Satz und dem Cover des Buches lässt Peter Rosei keinen Zweifel offen, dass darin ein ehemaliger österreichischer Finanzminister eine Hauptrolle einnimmt. Den Politiker scheint nach den ersten Seiten nichts mit der Hauptfigur des Buches, Gisela Stern, zu verbinden. Die soziale Wendigkeit und Rücksichtslosigkeit beider Emporkömmlinge führt beide an die Spitze der Gesellschaft. Gisela hat es zur Bankdirektorin gebracht, erliegt dem Charme des Berufspolitikers und erweist ihm eine "kleine Gefälligkeit". Damit beginnt auch der Abstieg der beiden. Der Minister stürzt über seine Gefallsucht, Gisela Stern über ihre Angewohnheit, das Leben als bloßes strategisches Spiel mit Gewinnern und Verlierern zu sehen.
Peter Roseis Roman könnte man auch als unterhaltsames Sachbuch über das Österreich der jüngsten Vergangenheit sehen. Nur schade, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt, weil man weiß, dass bei den geschilderten kriminellen Figuren aus Politik und Wirtschaft die Fiktion des Romans mit der österreichischen Realität ident ist. Rosei zeigt sich in diesem Buch einmal mehr als Meister der Milieuschilderung. Mit vielen Zeitsprüngen und Parallelhandlungen sorgt er für eine dramaturgisch schlüssige, spannende Handlung. Diesen Roman kann man aufgrund seiner Kurzweiligkeit und sprachlichen Qualität mit bestem Gewissen empfehlen!

Johannes Preßl | biblio

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Claudia Pineiro: Betibú

: Roman / Claudia Pineiro. Aus dem Span. von Peter Kultzen. - Zürich : Unionsverl., 2013. - 349 S. - (metro)
ISBN 978-3-293-00453-5      fest geb. : ca. € 22,60

Kriminalroman, Liebesgeschichte, Thriller. "Betibú" hat alles davon und noch ein bisschen mehr. (DR)

Betibú alias Nurit Iscar ist hauptberuflich Schriftstellerin, betätigt sich aber nach dem Verriss ihres letzten Romans nur noch als Ghostwriterin. Jaime Brena, ehemals als Journalist im Polizeiressort ansässig, muss aufgrund von öffentlicher Kritik an seinem Arbeitgeber zur Zeitung "Tribuno" wechseln und beschäftigt sich jetzt tagtäglich mit Umfragen wie: Wie viel Prozent der argentinischen Frauen schlafen am Bauch und wie viele am Rücken? Als in Buenos Aires der alte Cazarretta ermordet wird, der seit Jahren bei der Bevölkerung unter Verdacht stand, seine Frau getötet zu haben, werden sowohl Brena als auch Nurit Iscar mehr oder weniger freiwillig mit den Geschehnissen konfrontiert. Der ehemalige Geliebte Nurits und Chefredakteur vom "Tribuno" beauftragt die Schriftstellerin, für die Zeitung eine fiktive Kolumne über das Thema zu verfassen. Was er nicht weiß, ist, dass Brena auf eigene Faust ermittelt und Nurit laufend mit neuen Fakten versorgt.
Die Aufklärung des Verbrechens verwebt sich mit der persönlichen Geschichte der einzelnen Protagonisten. Die Spannung steigert sich bis zum ungewöhnlichen Ende. Fazit: Ein vielschichtiger, packender Krimi, verpackt in einen argentinischen Gesellschaftsroman.

Katharina Ferner | biblio

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Sylvia Näger: Wenn Ameisen reisen

: Lyrik erleben mit Kindern ; die Welt der Sprache entdecken / Sylvia Näger. Mit Ill. von Bjarke. - Freiburg i. Br. : Herder, 2013. - 96 S. : Ill. (farb.) ; 26 cm
ISBN 978-3-451-32460-4      kart. : ca. € 20,60

Gedichte als Lebensmittel und lyrische Vollwertkost für Kinder. (PN)

Das vorliegende Buch ist eine einzige Einladung, sich Gedichte hörend, sprechend, lesend oder sich bewegend anzueignen. Dass sich diese von Rhythmus, Klang und Bildern geprägte literarische Gattung in ihren vielfachen Ausprägungen wunderbar eignet, Kindern einen Zugang zur Sprache und zur Welt zu vermitteln und somit auch ihre Ausdrucksfähigkeit zu stärken, zeigt Sylvia Näger an vielen Beispielen eindrucksvoll. Der Bogen spannt sich von Schiller über Ringelnatz und Morgenstern bis zur Gegenwart, von der Ballade über das Nonsensegedicht bis zum Sprach- und Buchstabenspiel. Poetische Tierwelten und Gedichte zum Jahreskreis bilden thematische Schwerpunkte.
Die Autorin stellt somit eine Grundbibliothek mit Gebrauchslyrik im besten Sinne zur Verfügung und bietet darüber hinaus zahlreiche praktische und gut umsetzbare Anregungen für den Umgang mit den Texten: rhythmische Aneignungen, sprachspielerische Fort- und Neuschreibungen, kreative Umsetzungen - klar formuliert und strukturiert und von Bjarke einladend illustriert. Und für die, die noch nicht genug haben, enthält das Buch eine anregende weiterführende Bibliographie. - Für Kindergärten, Volksschulen, Eltern und Lyrikbegeisterte.

Fritz Popp | biblio

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Manfred Stelzig: Krank ohne Befund

: eine Anklageschrift / Manfred Stelzig. - Salzburg : Ecowin, 2013. - 254 S.
ISBN 978-3-7110-0028-6      fest geb. : ca. € 21,90

Ein Wegweiser zum besseren Umgang mit psychosomatischen Störungen. (NK)

"Eine Anklageschrift" - so der Untertitel, den der Leiter der psychosomatischen Abteilung der Universitätsklinik in Salzburg für dieses Buch gewählt hat. Dieses Buch musste er schreiben, es sei ein Versprechen, das er sich abgerungen habe. Nach wie vor bekommen Menschen mit medizinisch unerklärlichen körperlichen Symptomen viel zu oft weder eine Diagnose noch eine passende Therapie, das eingefahrene System hält am Behandeln der organischen Erkrankungen fest. Seelische Störungen, so häufig sie vorkommen, werden zu wenig genau erkannt und benannt, es mangelt an ausgebildeten Fachärzten, das notwendige ausführliche Gespräch kann nicht verrechnet werden, die Unkenntnis der Betroffenen ist groß.
Tatsächlich kann unser System mit somatoformen Erkrankungen noch nicht richtig umgehen. Dabei sind viele Störungen gut behandelbar und wenn die richtigen Diagnosen gestellt werden, können wir uns viel Leid und hohe Kosten ersparen, belegt der Mediziner mit Fallgeschichten und Studien. Wie in einem guten Arzt-Patienten-Gespräch erklärt er stets wertschätzend und allgemein verständlich die komplexen Mechanismen, die Krankheitsbilder und die Behandlungen mit und ohne Medikamente. Das Verständnis um den eigenen Körper und die eigene Seele setzt schon vieles in Bewegung, sagt er, und die Selbstfürsorge kann man nachlernen. Jeder sollte den Dialog mit sich beherrschen. Er stellt sein Modell des Seelenhauses vor, ein wunderbares Bild für die Pflege und die Entfaltung der Selbstheilungskräfte. Ein wichtiges Buch, für alle Bibliotheken!

Aloisia Altmanninger | biblio

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Rudi Weiß: Pssst

 : Randstundengebete / Rudi Weiß. - Wien : Wiener Dom-Verl., 2012. - [63] S. : zahlr. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-85351-245-6      fest geb. : ca. € 19,90

Ein etwas anderer Meditationsband. (PR)

Meditationsbände mit schönen Bildern gibt es viele. Der vorliegende, im Wiener Dom-Verlag erschienene Lyrikband von Rudi Weiß sticht jedoch aus den üblichen hervor. Zwar benennt der diplomierte Sozialarbeiter, Religionslehrer, Erwachsenenbildner und Fotograf seinen Band im Untertitel "Randstundengebete", tatsächlich handelt es sich jedoch formal um auf die Essenz reduzierte, religiöse Gedichte, inspiriert von der Form des Haikus. Zwischen den Gedichten finden sich unkonventionelle Landschaftsansichten aus dem Weinviertel, das dem Autor 1983 zur Heimat wurde.
Ein Bändchen, das zum Nachdenken, Schauen und Verweilen einlädt. Der Klappentext "Ein Buch für Atemlose und Luftschöpfer" trifft meines Erachtens den Nagel auf den Kopf. Sehr empfehlenswert.

Monika Roth | biblio

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