hintergrundbild
biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2013 / Februar

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

Buchcover

Jana Scheerer: Dinner Club

/ Jana Scheerer. – Orig.-Ausg. - Hamburg : Pink, 2013. - 224 S.
ISBN 978-3-86430-010-3     kart. : ca. € 12,40

Guerilla Gardening, Guerilla Bakery oder Guerilla Knitting sind im Trend – mit dem Anstrich des Verbotenen und der Ausübung im Untergrund wird jede Tätigkeit ein bisschen spannender. Die 15-jährige Georgina, der zuhause alles – inklusive Kochen – verboten wird, (und das obwohl sie sogar Poster von Jamie Oliver und Tim Mälzer besitzt) gründet demnach zu Recht einen sogenannten Dinner Club: Aus der kürzlich entdeckten Schulküche im Keller – seit den 1970ern etwas verstaubt – soll das Untergrundrestaurant „Hohe Schule“ werden. Georginas Freundin (oder besser „Sidekick“) Pia erzählt aus ihrer humorvollen und bisweilen herrlich zynischen Sicht von den Verstrickungen, die sich daraus ergeben: Den Schlüssel zur Schule bekommen die Mädchen ausgerechnet von Valentin, der nicht nur der Sohn des Hausmeisters ist, sondern den Pia auch noch „ziemlich ausgesprochen nett“ findet; die weißen Rüschenschürzen färben sich in der Waschmaschine ausgerechnet pink und ausgerechnet eine verfeindete Mädchenclique zieht dem Dinner Club mit ihrer Version „Um Klassen besser“ nach.
Mit viel Gespür für die Lebenswelten aktueller Generationen von Mädchen würzt Jana Scheerer dieses gelungene Lesefutter und kreiert dabei eine neue und viel cleverere Interpretation der klassischen Chick-Lit – vor allem wenn es darum geht, die nur scheinbar eindeutigen Liebes- und Freundschaftskonstellationen auf den Kopf zu stellen.

Christina Ulm | STUBE 

Buchcover

Fabeln aus aller Welt

/ mit einem Vorw. von Sybil Gräfin Schönfeldt. Ill. von Karsten Teich - Berlin : Tulipan, 2012. - 203 S. : Ill.
ISBN 978-3-939944-91-1    fest geb. : ca. € 25,70

„Die Fabel ist eine Lehre, für den, dem sie gilt, manchmal bitter oder peinlich und beschämend – aber die Fabel macht sie erträglich. […] Ihre Geschichten und ihre Moral stehen zwischen demjenigen, der sie erzählt, und demjenigen, der zuhört. Beide können sie betrachten wie ein lebendiges Wesen.“ So heißt es im zugänglichen Vorwort von Sybil Gräfin Schönfeldt und dementsprechend können auch die Illustrationen dieser wunderbaren Anthologie betrachtet werden. Karsten Teich fokussiert humorvoll auf die Figuren und damit Repräsentanten der jeweiligen Fabel. Ob Hinterlist, Ärger, Scham oder Berechnung – keiner vermag es besser, die Tiere mittels Mimik und Gestik zu anthropomorphisieren und mit der Zuschreibung von menschlichen Eigenschaften dem Charakter einer Fabel gerecht zu werden.
Mindestens ein Bild ist jeder der kurzen Geschichten beigestellt – die mündlich/schriftlich tradiert wurden oder einen konkreten Verfasser haben: von Äsop bis Grillparzer, von Lessing bis Kafka, von Luther bis Busch. Das aufgelockerte Layout des bibliophilen Hausbuchs gibt den Texten, Bildern und ihren Interpretationen viel Raum. Ein Inhalts- und Quellenverzeichnis sowie die Kurzbiografien der AutorInnen runden die bibliophile Ausgabe ab und lassen auf folgende Frage eine ganz eindeutige Antwort zu: „Und die Moral von der Geschicht?“ Dieses Buch braucht man sicherlich.

Christina Ulm | STUBE

Buchcover

Frances Greenslade: Der Duft des Regens

: Roman / Frances Greenslade. Aus dem kanad. Engl. von Claudia Feldmann. - 3. Aufl. - Hamburg : mareverlag, 2012. - 366 S.
ISBN 978-3-86648-176-3      fest geb. : ca. € 20,50

Zwei Mädchen erleben eine schwierige Zeit des Erwachsenwerdens in der tiefsten Provinz in Westkanada. (DR)

Maggie Dillon schreibt für ihre Schwester Jenny die Geschichte ihrer Familie auf - eine Geschichte, die in den Wäldern im Westen Kanadas beginnt. Dort leben die beiden Mädchen mit ihren Eltern in einfachen Verhältnissen. Der Vater ist Holzfäller und viel unterwegs, auch die Mutter liebt die freie Natur. Beide bringen den Kindern bei, wie man in der Wildnis überlebt, wie man Unterstände baut, um geschützt zu sein, wie man sich von der Natur ernähren kann. Oft sind sie tagelang mit dem Zelt unterwegs.
Doch eines Tages verunglückt der Vater bei der Arbeit tödlich, die Mutter kann den gewohnten Alltag noch ein Jahr lang aufrechterhalten, muss dann aber irgendwie Geld verdienen. Im Herbst, vor Anbruch der kalten Jahreszeit, als sie nicht mehr draußen zelten können, packt sie Maggie und Jenny ins Auto und verfrachtet sie in die nächste Stadt zu früheren Freunden des Vaters, bei denen sie wohnen sollen, während sie als Köchin in Holzfällercamps arbeitet. So leben die beiden Mädchen im Alter von 11 und 13 Jahren bei fremden Leuten, sind nur geduldet, gehen zur Schule und hoffen täglich auf einen Brief von ihrer Mutter. Der Winter geht vorbei, nur ein paar Mal kommt Post mit Briefen für sie und mit Geld für die Unterkunft.
Drei Jahre sind inzwischen vergangen, in denen sie nichts mehr gehört haben, Jenny kommt in Schwierigkeiten durch eine ungewollte Schwangerschaft und wird in ein Heim für ledige Mütter nach Vancouver geschickt. Nach der Geburt ihrer Tochter entwickelt sie massive Wahnvorstellungen und Maggie fasst daraufhin den Entschluss, ihre Mutter zu suchen, denn nie brauchten sie sie so dringend wie jetzt. Sie macht sich auf den Weg in die Vergangenheit, um das Rätsel um Mom zu lösen, die immer eine wunderbare Mutter war.
Die Autorin versteht es blendend, die Atmosphäre der Wildnis nachzuzeichnen, sie schreibt mit spannendem Handlungsbogen von der Freiheit und Naturverbundenheit der dort lebenden Menschen. Bei ihren Schilderungen kann man förmlich den Duft der Wälder und der Erde riechen. - Sehr empfehlenswert.

Hertwiga Kröss | biblio

Buchcover

Lilian Faschinger: Die Unzertrennlichen

: Roman / Lilian Faschinger. - Wien : Zsolnay, 2012. - 318 S.
ISBN 978-3-552-05577-3      fest geb. : ca. € 20,50

Beim Begräbnis ihres Vaters begegnet die Rechtsmedizinerin Sissi dem Mann ihrer verstorbenen Freundin. Waren sie bis zum mysteriösen Badeunfall wirklich so ein Traumpaar? (DR)

Schon vor Jahren verließ Sissi, die Tochter eines Außenseiters im Dorf und einer Ausländerin, das südsteirische Sausal, um in Wien Medizin zu studieren. Dort lebt die Rechtsmedizinerin in einer lesbischen Beziehung. Als ihr Vater stirbt, reist sie widerwillig in die Welt ihrer Kindheit. Beim Begräbnis lernt sie zudem allerlei schrullige Ortsbewohner wieder kennen, aber nicht unbedingt schätzen.
Zur Ordnung des bescheidenen Nachlasses, einer baufälligen Mühle, verbringt sie regelmäßig die Wochenenden in der Steiermark. Sie begegnet Stefan, dem Mann ihrer verstorbenen besten Freundin, und zieht zum Entsetzen vieler sittenstrenger Dörfler bald bei ihm ein. Regina ist zwei Jahre zuvor auf der Insel Procida im Golf von Neapel bei einem unerklärlichen Badeunfall ums Leben gekommen. Was weiß Stefan davon? Kurz entschlossen reist Sissi nach Procida und begegnet dort einer Mischung aus Borniertheit, Verschwiegenheit und Geschwätzigkeit, die dem Sausal in vielerlei Hinsicht ähnelt. Die Rätsel um Reginas Tod lösen sich aber erst nach ihrer Rückkehr nach Österreich…
Der Roman der in Kärnten geborenen und in Wien lebenden Autorin Lilian Faschinger ist als Liebesgeschichte rührend und als Krimi bis zuletzt spannend. In eindrucksvollen Schilderungen arbeitet sie die Parallelität ländlichen Lebens in der Südsteiermark und in Süditalien heraus. Wer dieses Ein- und Wiederauftauchen aus der Provinzialität liebt, wird den sprachlich brillanten und spannenden Roman sehr schätzen. (Nur die irreführende Umschlagillustration ist gründlich misslungen.)

Wolfgang Moser | biblio

Buchcover

Barbara Frischmuth: Woher wir kommen

: Roman / Barbara Frischmuth. - Berlin : Aufbau Verl., 2012. - 366 S.
ISBN 978-3-351-03508-2      fest geb. : ca. € 23,70

Vielschichtiger Familienroman von drei Frauen aus drei Generationen und ihrer Bewältigung des Lebens und Liebens. (DR)

In diesem Roman werden die tragischen Lebenslinien von drei Frauen erzählt, deren Schicksale aus der Gegenwart rekonstruiert werden. Die drei Protagonistinnen sind das genealogische Grundgewebe des Romangeschehens: die 28-jährige Künstlerin Ada, ihre Mutter Martha und deren schon verstorbene Tante Lilofee. Sie alle verbindet die schmerzhafte Erfahrung, den Menschen, der ihnen am nächsten stand, verloren zu haben. Der Titel "Woher wir kommen" lässt schon die Intention der Autorin anklingen: Sie ist überzeugt, dass familiäre Bindungen, (inter-)kulturelle Wurzeln und Zugehörigkeiten einen sehr großen Einfluss auf das haben, wozu oder zu wem wir werden. Dies wird beispielhaft erzählt in dem drei Generationen umfassenden Romangeschehen, in dem auch ein verändertes Bild von Frausein und emanzipatorische Entwicklungslinien widerspiegelnd eingefangen werden. In drei sich verschleifenden, kunstvoll aneinandergefügten Kapiteln erfährt man zuerst von Ada, einer jungen Künstlerin, die durch den Selbstmord ihres Lebenspartners schwer traumatisiert ist und erst allmählich in der Wiederbegegnung mit ihrer Jugendliebe jene Hoffnung aufkeimen lässt, um diese "wild im Herzen und klar im Kopf zu halten". Adas Mutter ist Martha, die nach dem rätselhaften Unfalltod ihres Mannes 1988 mit den beiden Zwillingen Ada und Olli Istanbul verlassen hat und zu ihrer Tante Lilofee ins Salzkammergut übersiedelt ist. Lilofee, aus gutbürgerlichem Haus stammend, verliebte sich in der Nazizeit in einen russischen Kriegsgefangenen, der infolge von Denunziation hingerichtet und dessen Kind sie abzutreiben gezwungen wurde.
Der Erzählbogen umfängt ein dreiviertel Jahrhundert Zeitgeschichte und setzt sich implizit auch mit der ständig sich wandelnden Erinnerungskultur auseinander. Dies wird in den Erzähleinschüben sichtbar, in denen das allgemeine Gerede von Leuten wiedergegeben und in denen deutlich wird, wie langlebig verkrustete Moralvorstellungen, ethnische Ressentiments und Fremdenangst sind und das Leben der Menschen belasten. All dies nimmt man bei der Lektüre dieses unglaublich dichten Romans zwar auf, aber letztlich genießt man eine zu Herzen gehende Geschichte, die mit wunderbarer Leichtigkeit von der Kunst des Lebens und Liebens erzählt.

Jutta Kleedorfer | biblio

Buchcover

Simon Winchester: Der Atlantik

: Biographie eines Ozeans / Simon Winchester. Aus dem Engl. von Michael Müller. - München : Knaus, 2012. - 527 S., [4] Bl. : Ill, Kt., graph. Darst.
ISBN 978-3-8135-0431-6      fest geb. : ca. € 30,90

Eine Naturgeschichte, farbiger und fesselnder als jede Fernsehdokumentation. (NG)

Auf dem Globus auf meinem Schreibtisch habe ich sie vor mir, die riesige blaue Fläche des Meeres zwischen den amerikanischen Kontinenten, Europa und Afrika. Als ich begann, das Buch zu lesen, fragte ich mich, wie es möglich sein sollte, 500 Seiten über diese riesige, aber doch sehr monoton wirkende Fläche zu füllen. Ich wurde außerordentlich überrascht.
Der Autor versteht es exzellent, Historisches, Naturwissenschaftliches, Mythisches und Autobiografisches in solch fesselnder Weise miteinander zu verbinden, dass es schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei beschreibt er nicht nur den Atlantik und die Abenteuer seiner Erforschung, sondern der Leser erfährt darüber hinaus sehr viel über die zahlreichen Länder und Nationen, die an seinen Küsten liegen und von und mit dem großen Ozean leben.

Jonathan R. Werner | biblio

Buchcover

Christoph Ransmayr: Atlas eines ängstlichen Mannes

/ Christoph Ransmayr. - Frankfurt a. M. : S. Fischer, 2012. - 455 S.
ISBN 978-3-10-062951-7      fest geb. : ca. € 25,70

Viel Welt in kleinen Portionen. (EL)

In 70 Episoden berichtet Christoph Ransmayr, was er an den unterschiedlichsten Orten der Welt in den vergangenen 40 Jahren erlebte und sah. Mit den Worten "Ich sah", einer Formulierung, die an biblische Prophetensprüche gemahnt, beginnt auch jeder Text - ein Beginn, der das Gesehene zugleich markiert als sehr subjektiv Gesehenes, also als Impression, die einmalige persönliche Weltsicht und -erfahrung wiedergibt. Die Geschichten sind aber keineswegs Texte eines ängstlichen Mannes, nur wenige Male schildert Ransmayr angsteinflößende, bedrohliche Situationen. Eher sind es Darstellungen eines neugierigen, gut beobachtenden und ebenso vorbereiteten Reisenden. Der Lesende ist dabei eher vorstellbar als ängstlich zu Hause Gebliebener und den Atlas Studierender, wo sich die Orte der Episoden finden.
Die Texte sind eine Art "literarische Features", die Begegnungen und Momente einfangen und verdichten, manchmal mit einer etwas künstlichen Dramaturgie, aber immer spannend, interessant, berührend und sprachlich von höchster Kunstfertigkeit und Anschaulichkeit. Anders als in einem Atlas erhalten die dargestellten Personen Stimmen, kommen ihre Sehnsüchte, Ängste und Erfahrungen zur Sprache, werden Einzelerfahrungen und Momente verbunden mit Hintergrundinformationen verschiedener Art. Ob der Reisende sich in Brasilien, Japan oder Oberösterreich befindet, auf Gipfeln oder in Höhlen, ob er über Leichenverbrennungen oder den Kauf von Schuhen für die Erstkommunion schreibt - immer liefern die Sprachkunstwerke auch kultur- und mentalgeschichtlich interessante Einblicke in die vielfältige Existenz des Menschen und anderer Lebewesen auf diesem Planeten. - Sehr empfehlenswert als Reisevorbereitung, -anreiz oder -ersatz. Und natürlich auch als literarischer Leckerbissen.

Fritz Popp | biblio

Buchcover

Hermann-Josef Frisch: Welt und Botschaft der Bibel

: das große illustrierte Handbuch / Hermann-Josef Frisch. - Ostfildern : Patmos, 2012. - 443 S. : zahlr. Ill. (farb.), Kt.
ISBN 978-3-8436-0232-7      fest geb. : ca. € 30,90

Reichhaltiges Bibelhandbuch für einen breiten Kreis von InteressentInnen. (PR)

Der durch zahlreiche praxisbezogene pastorale Veröffentlichungen hervorgetretene Autor eröffnet hier vielfältige Zugänge zur Welt und Botschaft der Bibel. Er erschließt die Bücher des Alten und Neuen Testaments mit ihren vielen Erzählungen, Gebeten, Liedern, Prophetenworten und Reflexionen für einen breiten Kreis von Interessenten. Zudem bietet er in gut verständlicher Sprache reichhaltiges Sach- und Hintergrundwissen über Länder und Völker der Bibel, über bedeutsame Orte sowie über das Alltagsleben zu biblischen Zeiten.
Über 250 Bilder, Zeichnungen, Landkarten, ein Stichwortregister sowie ein Personen-, Orts- und Schriftstellenregister machen es zu einem wertvollen Handbuch für den Hausgebrauch, dessen Wert in der gekonnten Verbindung von Sachkunde und Anleitung, die Bibel mit dem eigenen Leben zu verbinden, besteht. Empfehlenswert für alle Büchereien.

Hanns Sauter | biblio

Projekte . Kooperationen