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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2012 / Dezember

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Jonny Duddle: Die Piraten von nebenan

/ Jonny Duddle. - Bindlach : Loewe, 2012. - [17] Bl. : überw. Ill. (farb.) ; 25,2 cm
ISBN 978-3-7855-7510-9      fest geb. : ca. € 13,40

Als in Schnarch am Deich eine Piratenfamilie samt Schiff einzieht, sind die konservativen Erwachsenen nicht sehr glücklich. Matilda allerdings, eines der wenigen Kinder, ist begeistert und freundet sich mit dem Sohn der Familie an. Schon bald brodelt die Gerüchteküche, die wortwörtlich ins Bild gesetzt wird, ohne dass klar wird, welche der Vorurteile über die neuen Nachbarn tatsächlich stimmen. Musste der Postbote wirklich über die Planke gehen und haben die Freibeuter tatsächlich so ungepflegte Zähne? Der Außenseiterstatus der Piraten wird im Text durch das Sprechen in Reimen und im Bild durch übersteigerte Kleidungsmerkmale (z.B. Hüte und Hemden mit Totenköpfen, Augenklappen und einem Haken als Hand) charakterisiert. Stil und Technik des Buches sind dabei vom Animationsfilm inspiriert. Jonny Duddle bedient sich neben überwiegend ganzseitigen Illustrationen auch an Comicelementen wie Sprechblasen und Panels. Die konsequente Gestaltung erstreckt sich bis ins Vorsatz- und Nachsatzpapier, wo An- und schließlich auch Abreise der Piraten gezeigt werden.
In guter alter Piratenmanier gibt es auf einer aufklappbaren Doppelseite gegen Ende sowohl für die LeserInnen als auch die skeptischen BewohnerInnen Schnarchs einige vergrabene Schätze zu entdecken: Denn die Piratenfamilie hinterlässt – im Wissen um die Anfeindungen – für jeden Nachbarn ein passendes Objekt aus Gold, was alle in reumütige Stimmung versetzt und dem Bilderbuch neben seiner humoristischen auch eine sehr tiefgründige Note verleiht.

Sonja Loidl | STUBE 

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Heinz Janisch/R.v.d. Vondervoort: Max und Merle auf großer Fahrt

/ Heinz Janisch. R.v.d. Vondervoort. Manfred Spitzer (Hrsg.). - Etsdorf am Kamp : Galila-Verl., 2012. – 36 S. : Ill. - (Leben lernen)
ISBN 978-3-902533-44-9     fest geb. : ca. € 14,95

Das sogenannte symbolische Spiel ist eine wichtige Phase in der kindlichen Entwicklung: Beim „So-tun-als-ob“ wird Gegenständen eine Bedeutung zugeschrieben. Heinz Janisch vollzieht ein solches, von jeder Pflicht befreites Spiel in diesem Erstlesebuch dialogreich nach. Max und Merle sind eine Woche bei Oma und Opa auf dem Land und finden in dem herrlich anachronistisch beschriebenen Umfeld ein Segelschiff aus Holz. Dieses ganz konkrete Ding reicht für die beiden aus, um ein ganzes Spielszenario aus Alltagsgegenständen zu kreieren. Der lange blaue Schal wird zum Fluss, der Gehstock zur Brücke und der Hut zur Insel.
In den Illustrationen von René van de Vondervoort wird die phantasievolle Verwandlung und Belebung der Umwelt aufgegriffen. Der Künstler schichtet mehrere Bildebenen übereinander und mixt verschiedene Techniken, erzeugt so aber keinen collagierten Effekt, sondern vielmehr eine faszinierende räumliche Tiefe, in der Fakt und Fiktion miteinander verschwimmen. Immer sichtbar bleiben die beiden enthusiastischen Kinder (und die Katze), die nach der abenteuerlichen Imaginationsreise gleich noch eine beginnen – diesmal mit Oma und Opa.

Christina Ulm | STUBE

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Eowyn Ivey: Das Schneemädchen

: Roman / Eowyn Ivey. Aus dem Engl. von Claudia Arlinghaus, Margarete Längsfeld und Martina Tichy. - München : Kindler, 2012. - 459 S.
ISBN 978-3-463-40621-3      fest geb. : ca. € 20,60

Zauberhaftes Wintermärchen. (DR)

Der mit wunderschönem Einband versehene Roman erzählt ein bekanntes russisches Märchen neu. Mabel und Jack, ein vom Kinderwunsch enttäuschtes Ehepaar, zieht in den 1920er Jahren nach Alaska. Eines Abends beschließen sie, einen Schneemann zu bauen. Ein Schneemädchen. Wenige Tage später beobachten sie am Waldrand ein Mädchen mit blonden Haaren in Begleitung eines Rotfuchses. In unregelmäßigen Abständen taucht das Mädchen, Faina, in der Nähe des Hauses auf und wird immer zutraulicher, bis sie des Öfteren zum Abendessen bleibt, jedoch nie über Nacht. Eines Abends vertraut sie sich Jack an und zeigt ihm, wo im Wald sie wohnt. In diesem Unterschlupf befindet sich auch Fainas toter Vater, der sich zu Tode getrunken hat. Im Frühjahr verschwindet Faina und mit jedem ersten Schnee taucht sie wieder auf. Bis Garrett, der Nachbarssohn, sich in sie verliebt.
Die Autorin, die in Alaska aufwuchs, beschreibt klar die atemberaubende, aber karge Landschaft und das harte Leben. Ein wunderschönes Märchen, perfekt für die Weihnachtsfeiertage. Sehr empfehlenswert.

Ingrid Scherk | biblio

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Petros Markaris: Zahltag

: ein Fall für Kostas Charitos ; Roman / Petros Markaris. Aus dem Neugriech. von Michaela Prinzinger. - Zürich : Diogenes-Verl., 2012. - 418 S.
ISBN 978-3-257-06841-2      fest geb. : ca. € 23,60

Der Krimi zur griechischen und europäischen Krise. (DR)

Kommissar Charitos kämpft nicht nur mit langweiliger Büroarbeit, sondern auch mit den Auswirkungen der Krise in Athen: Demonstrationen und Staus, die den Verkehr zum Erliegen bringen. Auch seine Beförderung ist unsicher und dann gibt es noch privat Probleme mit der Tochter, die nach Afrika gehen will, weil sie hier keinen Job findet. Beruflich wird es für Charitos erst wieder interessant, als auf einem antiken Friedhof ein Toter gefunden wird - der erste einer zusammenhängenden Serie. Alle Opfer verbindet neben der antiken Hinrichtungsart, dass sie Steuerschulden hatten. Der Mörder hat die Opfer jeweils vorher vergeblich aufgefordert, ihre Steuerschuld zu begleichen; er bezeichnet sich als "nationaler Steuereintreiber" und kündigt weitere Tötungen an. In der Folge profitieren die griechischen Finanzämter enorm von Nachzahlungen, was dem Täter Sympathien beim Volk einbringt.
Wie der Fall gelöst wird, soll natürlich nicht verraten werden. Was das Buch aber zusätzlich spannend und interessant macht, ist die atmosphärische Schilderung der griechischen Krisensituation anhand einzelner, auch tragischer Schicksale. Und natürlich wird das griechische Politiksystem mitverhandelt und kritisiert. Kurz: Sehr gern empfohlen - Markaris at his best.

Fritz Popp | biblio

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Anna Weidenholzer: Der Winter tut den Fischen gut

: Roman / Anna Weidenholzer. - St. Pölten : Residenz-Verl., 2012. - 237 S.
ISBN 978-3-7017-1583-1      fest geb. : ca. € 21,90

Im Ton wunderbar getroffene Schilderung von Leben und Alltag einer Frau, die in der Langzeitarbeitslosigkeit gefangen ist. (DR)

"Jetzt haben Sie die Freiheit, von vorne zu beginnen", so möchte Marias Chef ihr die Entlassung schmackhaft machen. Anna Weidenholzer beginnt Marias Geschichte von hinten, von Kapitel 54 bis Kapitel 1 erleben wir den Werdegang einer Langzeitarbeitslosen. Zwanzig Jahre hat Maria in einer Boutique gearbeitet, jetzt ist sie fast fünfzig, Witwe und arbeitslos. Natürlich weiß man, was man in einer solchen Situation zu tun hat, und Maria macht all das: aufs AMS gehen, Kontakt zu Freunden und Familie aufrechterhalten, sich einen neuen Alltag schaffen. Die neu gewonnene Freizeit sinnvoll nutzen. Wenn sich in diesem Roman "nicht viel tut", dann eben deswegen - im arbeitslosen Alltag gibt es nicht viel Action. Maria ist bemüht um Routine: anziehen, waschen, die Bettwäsche regelmäßig wechseln. Sie hat viel Zeit. Sie macht viele Gedankenexperimente: Was wäre geschehen, wenn sie an dieser oder jener Stelle in ihrem Leben etwas anders gemacht hätte, wenn Dinge anders gekommen wären?
So plätschert der Roman dahin, der Ton bleibt gleich, ganz egal, ob es gerade um einen Schicksalsschlag in Marias Leben geht oder um die Schilderung, wie sie sich morgens ankleidet. Das könnte langatmig werden, man taucht aber so völlig ein in die Lebenswelt Marias, dass man sich dem Tempo des Romans mühelos anpasst. Ein sehr gut aufgebauter und erzählter Roman, für den die Autorin merklich aufwändig recherchiert und mit Betroffenen gesprochen hat.

Sabine Eidenberger | biblio

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Andreas Kumpf: Glück im Alter

 : zu Besuch bei 21 glücklichen Menschen im Alter von 65 bis 95 Jahren / Andreas Kumpf. [Fotografen: Sebastian Freiler ; Carina Hinterberger]. - Salzburg : A. Pustet, 2012. - 157 S. : zahlr. Ill. ; 28,5 cm
ISBN 978-3-7025-0668-1      fest geb. : ca. € 25,00

Was ist das Besondere am Glück im hohen Alter? (PP)

Im Gespräch mit 21 Menschen zwischen 65 und 95 Jahren spürt der Autor und Psychologe Andreas Kumpf diesen spannenden Fragestellungen und den maßgeblichen Faktoren nach, die für ein „gelungenes Leben“, insbesondere für erfolgreiches und zufriedenes Altern, ausschlaggebend sind. Neben der Begeisterung für Musik, Beruf und Reisen, ehrenamtlichen Tätigkeiten, Spaziergängen in der Natur oder dem Geschmack des Milchreises in der Kindheit werden vor allem Partnerschaft und Liebe, Familie und Freundschaft, ein offenes Herz für andere, Loslassen und Zuwarten können, Freiheit, Dankbarkeit, aber auch Disziplin und Fleiß sowie Zufriedenheit mit dem, was man hat, als Spender des Lebensglücks geortet.
Die ausschließlich in Schwarz-Weiß gehaltenen Aufnahmen der jungen FotografiestudentInnen Carina Hinterberger und Sebastian Freiler zeigen die interviewten Personen in ihrer alltäglichen Umgebung, die abgebildeten Räume, Möbel und Alltagsgegenstände wirken natürlich und realitätsnah. Die ansprechenden Porträts strahlen große Gelassenheit und stille Freude aus.
Dieses bereichernde Buch kann als Aufforderung, über das eigene Leben nachzudenken und zu anderen Ufern aufzubrechen, gelesen werden. Es birgt die tröstliche Botschaft, dass vor allem die einfachen, kleinen und zarten Dinge im Lebensstrom zum Alltagsglück und zur Zufriedenheit beitragen und jeder selbst Schlüssel zum Glück in sich trägt. Als Ausgangspunkt für Erzählkreise und Literaturgesprächsrunden in der Bibliothek hervorragend geeignet, aber auch zur stillen Lektüre sehr empfohlen!

Elisabeth Zehetmayer | biblio

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Christian Felber: Die Gemeinwohl-Ökonomie

: eine demokratische Alternative wächst / Christian Felber. - Aktual. und erw. Neuausg. - Wien : Deuticke, 2012. - 205 S.
ISBN 978-3-552-06188-0      kart. : ca. € 18,40

Plädoyer für sozialen Frieden, Demokratie und dafür, dass das Geld wieder den Menschen dient. (GW)

Christian Felbers Buch liegt nun in der erweiterten Neuausgabe vor: Heftig diskutiert von BefürworterInnen und GegnerInnen des Modells der Gemeinwohl-Ökonomie. Zentrale Fragen werden hier gestellt und beantwortet, alle fragen nach dem richtigen Weg. Der Begriff der Gemeinwohl-Ökonomie, das hält der Autor in seiner unnachahmlichen klaren Bescheidenheit und intellektuellen Schärfe fest, wurde nicht von Attac erfunden, sondern hat - das vergessen seine GegnerInnen allzu gern - eine lange Tradition, vielleicht hilft es ja, auf Aristoteles zu verweisen. "Allen großen Begriffen ist gemein, dass sie begehrt sind", schreibt der Autor auf Seite 10 und liefert anschauliche Beispiele dafür.
Felber setzt sich mit direkter und indirekter Demokratie auseinander, diskutiert die Gemeinwohl-Ökonomie etwa in Bezug zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) und lässt noch einmal auf Seite 195 aufhorchen, wenn es um die Veränderung des Bildungswesens geht. Allen Bibliotheken sehr zu empfehlen, Literaturkreise profitieren davon, sich mit diesem philosophischen Sachbuch auseinanderzusetzen.

Christina Repolust | biblio

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Margret Färber: Wir erleben Gottes Haus

: mit Kindern Kirchenräume entdecken / Margret Färber. - München : Don Bosco Verl., 2012. - 91 S. : Ill. - (KinderSpiritualität)
SBN 978-3-7698-1927-4      kart. : ca. € 15,40

Anregungen für Kirchenerkundungen mit Kindern ab 3. (PR)

Kirchen sind markante Gebäude: größer und anders als andere. Das weckt die Neugier der Kinder und bereits bei einer Umrundung der Kirche gibt es viel zu entdecken: meist mehrere Türen, den Turm, die Glocken, Grabplatten. Auch im Inneren ist vieles anders als in einem Wohnhaus.
Die Autorin bietet 14 ausgearbeitete Konzepte für Kirchenbesuche, die jeweils einen bestimmten Ort im Kirchenraum in den Blick nehmen: das Weihwasserbecken - eine Quelle für mich; der Tabernakel - das Schatzkästchen; das Taufbecken - mit dem Wasser des Lebens in Berührung kommen; was machen all die Tiere in der Kirche? Die Modelle enthalten Hintergrundinformationen, Ideen zur Vor- und Nachbereitung im Kindergarten, Bastelideen und Gebete. Insgesamt eine sehr brauchbare Hilfestellung für kirchenpädagogische Erkundungen mit Kindergarten- und Schulkindern.

Gabriele Doblhammer | biblio

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