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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2012 / März

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Isol: Ein Entlein kann so nützlich sein

/ Isol. Aus dem Span. übers. von Karl Rühmann. - Wien : Jungbrunnen, 2012. - [34] S. : überw. Ill. ; 16 x 15 cm
ISBN 978-3-7026-5836-6   Leporello im Schuber : ca. € 12,90

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Diese gängige Frage über die persönliche Weltanschauung ist bekanntlich nicht so leicht zu beantworten. Denn alles ist eine Frage der Perspektive! Genau hier setzt die argentinische Künstlerin ISOL mit ihrem ganz einfachen und doch sehr raffinierten Bilderbuch (nicht nur) für die Jüngsten an.
„Ich fand ein Entlein und nahm es zu mir.“ Ein auf gelben Hintergrund gesetztes, mit reduziertem schwarzem Strich gezeichnetes Kind erzählt Seite für Seite von diesem sehr praktischem Fund: „Ich benutze es zum Schaukeln“, „Ich benutze es als Trillerpfeife“, „Ich lasse es in der Badewanne und wenn das Wasser weg ist, benutze ich es als Stöpsel.“ Fast könnte man Mitleid haben mit diesem viel ge- und benutzten (Bade-)Entlein. Doch mit dem Umblättern der letzten Seite ist gleichzeitig die erste Seite dieses Klappbuchs erreicht und damit eine andere Sicht auf die Ereignisse: „Ich fand ein Kind und es nahm mich zu sich.“ Die gleichen Bilder (diesmal auf hellblau) werden nun vom Entlein selbst kommentiert – und plötzlich scheint umgekehrt das Kind sehr nützlich. Was vorher noch als wilder Ritt auf dem scheinbar malträtierten Entlein erschien, deutet dieses als Massage und der zu verstöpselnde Abfluss der Badewanne wird zum bequemen Schlafplatz. Ebenso wie die Pointe funktioniert auch die simple Botschaft dieses robusten Klappbilderbuchs in jedem Alter: Egal, welche Perspektive – die Badewanne ist immer halb voll!

Christina Ulm | STUBE 

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John Boyne: Der Junge mit dem Herz aus Holz

: ein Märchen / John Boyne. Aus dem Engl. von Adelheid Zöfel. Mit Bildern von Oliver Jeffers. - Frankfurt a. M. : S. Fischer, 2012. - 232 S. : Ill.
ISBN 978-3-596-85477-6   fest geb. : ca. € 14,40

„Ein richtiger Junge!“ Carlo Collodi erzählte 1881 in „Pinocchio“ vom Glück der plötzlichen menschlichen Existenz. Von den Konsequenzen dieser Wandlung erzählt jetzt John Boyne. Denn dort, wo der Text Collodis aufhört, setzt „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ erst an: Pinocchio ist alt geworden und muss sich als Preis für seine Menschlichkeit mit dem Sterben auseinandersetzen.
Er ist dem Jungen Noah als Begleiterfigur zu Seite gestellt, der wiederum mit der schweren Krankheit seiner Mutter konfrontiert ist. So verbinden sich die Biografien der beiden in verschiedenen Motivketten: Auch Noah läuft von zuhause fort, begegnet Wunderlichkeiten am Wegesrand und schließlich dem Mensch gewordenen Pinocchio. Dieser – mittlerweile selbst Spielzeugmacher –berichtet farblich abgesetzt von der Rahmenhandlung von seinen Erlebnissen und Erfahrungen. Diese Retrospektive auf das Leben regt Noah an, zurück nach Hause zu gehen, um sich von seiner Mutter zu verabschieden. Ähnlich episodisch wie in der Vorlage entsteht so eine stimmige Parabel von der Vergänglichkeit des Lebens, mit der sich Noah tröstlich arrangiert und die Pinocchio wehmütig betrachtet: „Ich hätte eine Holzpuppe bleiben sollen“, resümiert er am Ende dieses märchenhaft entrückten Textes.

Christina Ulm | STUBE

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Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

: Roman / Jonas Jonasson. Aus dem Schwed. von Wibke Kuhn. - 11. Aufl. - München : Carl's Books, 2011. - 412 S.
ISBN 978-3-570-58501-6   kart. : ca. € 15,50

Moderner Schelmenroman über den Lebensgestaltungswillen älterer Menschen. (DR)

Dieser Debütroman des 1962 geborenen Journalisten und Autors ist ein Volltreffer: Humor und Sozialkritik spazieren hier Hand in Hand durch die Geschichte um einen 100-Jährigen, der seinem Leben noch einmal eine Wende gibt. "Lieber abhauen, solange noch Zeit ist", denkt Allan Karlsson, der sich nicht länger bevormunden und beehren lassen will. Seine Kniegelenke knacksen zwar, als er aus dem Fenster steigt, aber im Verlauf der Geschichte wird noch weiteren Körpern und ihren Teilen ein Knacksen abverlangt. Es gibt Leichen, die meisten eher zufällig, und Allan, der 100-Jährige, entwickelt sich zum Meister im Verschwindenlassen der Toten. Ein Kleinkrimineller, ein gescheiterter Student und die Frau mit dem Elefanten sind Allans neue Freunde: Elefanten, dressierte Elefanten, eignen sich übrigens bestens dazu, unliebsame Schnüffler zum Schweigen zu bringen.
Die Lebensgeschichte des Helden liest sich wie das Filmleben des Forrest Gump: Erfolge und große Begegnungen beruhen mehr auf Zufällen als auf ausgeklügelten Plänen. Ein Schelmenroman der Gegenwart, 300 Seiten Sprachwitz und Klugheit: Es ist nie zu spät, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Aber es könnte mal zu spät sein, dieses Buch zu lesen. Daher: Allen Bibliotheken, AltenbetreuerInnen, PolitikerInnen und Angehörigen von Hochbetagten sehr zu empfehlen.

Christina Repolust | biblio

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Andrea Stoll: Der kalte Himmel

: Roman / Andrea Stoll. - Orig.-Ausg. - München : Goldmann, 2011. - 268 S.
ISBN 978-3-442-31282-5   fest geb. : ca. € 19,60

Roman aus den 1960er Jahren, der den Kampf einer jungen Bäuerin um die Würde und Anerkennung ihres autistischen Sohns darstellt. (DR)

Maries jüngster Sohn Felix ist anders als alle anderen Kinder. Er ist am liebsten allein, lehnt jeden Körperkontakt ab und kann noch vor der Einschulung schneller und besser rechnen als die anderen. Als es bei der Schuluntersuchung zu einem Eklat mit dem Arzt kommt, wird er in die Sonderschule verwiesen. Mit Hilfe von Freundin Alex kämpft sich Marie mit ihrem Sohn bis Berlin durch, wo gerade ein neues Konzept einer menschenfreundlicheren Psychiatrie entsteht. Der Aufenthalt in der Großstadt bringt zwar nicht die erhoffte Heilung des Buben, aber für Marie die Erkenntnis, wie sie selbst in ihrem Leben die gestalterische Kraft sein kann.
"Der kalte Himmel" wurde im Jänner 2011 als ARD-Zweiteiler ausgestrahlt und für den Deutschen Fernsehpreis 2011 nominiert. Die Autorin hat das Drehbuch geschrieben und es als Grundlage für das vorliegende Buch verwendet. Der Film erhielt zahlreiche gute Kritiken und das Buch ist ebenfalls ausdrücklich zu empfehlen. Die dichte Sprache, die die Atmosphäre der bäuerlichen Gemeinschaft beschreibt (Marie lebt mit ihrem Mann und seinen Eltern auf deren Hof) und mit der die persönliche Geschichte der Hopfenbäuerin erzählt wird, die nur getragen ist von der bedingungslosen Liebe zu ihrem Kind, ist ein Erlebnis!
Diese Geschichte einer Emanzipation, eingebettet in den sozialpolitischen Kontext der 1960er Jahre, sollte einen breiten LeserInnenkreis finden. Der Film ist Ende Februar 2012 auf DVD erschienen. Das berührende Buch gehört unbedingt in jede Bücherei!

Doris Göldner | biblio

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Sherwood Anderson: Winesburg, Ohio

: eine Reihe von Erzählungen aus dem Kleinstadtleben Ohios / Sherwood Anderson. Aus dem amerikan. Engl. übers. von Eike Schönfeld. Nachw. von Daniel Kehlmann. - Zürich : Manesse, 2012. - 299 S. : Ill.
ISBN 978-3-7175-2268-3   fest geb. : ca. € 22,60

Neu zu entdecken - fast hundert Jahre alte amerikanische Kurzgeschichten. (DR)

Sherwood Anderson, 1876 in Ohio als Arme-Leute-Kind geboren, 1941 nach einem turbulenten Leben auf einer Schiffsreise nach Südamerika an einem verschluckten Zahnstocher gestorben, hat mit dem Buch "Winesburg, Ohio" seinen Durchbruch als Schriftsteller geschafft und mit seinem originären Stil viele bedeutende Literaten (z. B. Hemingway) beeinflusst. Der junge österreichische Erfolgsautor Daniel Kehlmann konstatiert in seinem Nachwort, "Winesburg, Ohio" sei ein "verwirrendes Buch über verwirrte Leute".
Aus den zahlreichen Figuren, die die gut zwanzig Geschichten miteinander vernetzen, sodass sich fast ein Roman aus losen Episoden ergibt, tritt George Willard deutlich hervor. Er ist ein junger Redakteur im "Winesburg Eagle", das ist die Zeitung in dem abgelegenen Kaff in Ohio. Die Leute dort sind grobschlächtig, überreizt, religiöse Eiferer, voller Liebessehnsucht, aber oft unfähig zum Glück. Dem Reporter öffnen sie sich und geben ihre verschütteten Geheimnisse preis. So fügen sich unzählige groteske Figuren, Menschen mit Macken, seelischen Beschädigungen und obskuren Lebensläufen zu einem großen Wimmelbild zusammen. Daniel Kehlmann nennt diese Geschichtensammlung mit höchster Wertschätzung "ein perfektes Buch" - dem ist nichts hinzuzufügen!

Maria Schmuckermair | biblio

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KulturWerk

 : außergewöhnliche Gespräche mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten / Barbara Rett. Porträts von Ernst Kainerstorfer. Hrsg. von Johannes Fischer. - Wien : Edition Byblos, 2011. - 135 S. : Ill. (farb.) ; 30 cm
ISBN 978-3-902848-00-0   fest geb. : ca. € 34,00

Die internationale Spitze an Kunst- und Kulturschaffenden im Gespräch. (BA)

Barbara Rett hat sich für ihre TV-Sendung "KulturWerk" seit April 2010 mit 18 Künstlern im Café der Voest alpine in Linz getroffen und mit ihnen über Erfolg und Misserfolg, ihre Kindheit und ihre Karriere, ihre Geheimnisse und ihre Gedanken über Gott und die Welt geplaudert. Nun sind diese Gespräche in einem großformatigen Buch erschienen.
Die Autorin stellte Tobias Moretti die Frage, wie verführbar er sei, sprach mit Elina Garanca über das atemberaubende Tempo ihrer Karriere und entlockte Georges Prêtre sein Geheimnis, wie er sich am Dirigentenpult in eine musikalische Traumwelt begibt. Paulus Manker offenbarte seine menschlichen Abgründe, Staatsoperndirektor Dominique Meyer dachte an seine Zeit am Stehplatz der Oper zurück, der in den USA lebende Arrangeur Peter Wolf erzählte vom schwierigen Verhältnis zu seinem Vater und Julian Rachlin gab jene Orte bekannt, an denen er auf Flughäfen übt.
Die zum Teil ganzseitigen Fotos von Ernst Kainersdorfer, etwa jenes von Georges Prêtre auf einer Terrasse in Paris oder von Rudolf Buchbinder und Julian Rachlin, wie sie sich in ihren Instrumenten spiegeln, sind viel mehr als Illustration - sie sind große Kunst. Die dreispaltig gesetzten Texte sind gut lesbar und in ein exzellentes Layout eingebettet. In diesem Buch hat Kultur jenen Raum, der ihr zusteht.

Johannes Preßl | biblio

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Well. Come!

 : literarische und fotografische Porträts von jugendlichen Flüchtlingen und ihren Patinnen und Paten / Teresa Arrieta ... Fotos: Michaela Bruckmüller. Hrsg. von Klaus Hofstätter ; Herbert Langthaler. - Wien : Mandelbaum-Verl., 2011. - 138 S. : Ill.
ISBN 978-3-85476-371-0   fest geb. : ca. € 19,90

Namhafte AutorInnen und JournalistInnen stellen in packenden Porträts das Projekt connecting people vor. (BO)

"Würde jeder Asylwerber, der nach Österreich kommt, einen Mentor zur Seite gestellt bekommen, wäre Integration in Österreich kein Thema mehr", meint ein Ehepaar, das seit Jahren bei connecting people engagiert ist. connecting people stellt unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Österreich Paten zur Seite. Diese betreuen die Kinder und Jugendlichen, die nach abenteuerlichen und traumatisierenden Irrfahrten aus verschiedenen Brennpunkten der Welt nach Österreich gespült werden. Krieg, Verfolgung, Flucht, Entbehrung, körperliche und seelische Verletzungen - das sind oft die einzigen Erfahrungen, die die Kinder in ihrem Leben gemacht haben. Ohne Eltern landen sie in einer völlig fremden Kultur. Der Staat kümmert sich um die Unterbringung und ein kleines Taschengeld. Die Paten übernehmen die Feinarbeit: Sie unterstützen ihre Schützlinge dabei, in Österreich anzukommen und ins Leben zu finden. Sie erledigen Behördenwege, helfen beim Deutsch lernen, bei den Hausübungen, bei allen Problemen im Alltag; sie geben emotionale Nähe. Sie machen Integration zum Alltag.
Einige dieser Jugendlichen mit ihren Paten haben namhafte AutorInnen und JournalistInnen wie Teresa Arrieta, Marlene Streeruwitz und Julya Rabinowich in diesem Buch porträtiert. Interessante fotografische Porträts dieser Familien auf Zeit runden die Geschichten ab. Ein schön gemachtes, kurzweiliges Buch zu einem schwierigen Thema, das für alle Bestände sehr empfehlenswert ist

Sabine Eidenberger | biblio

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Youcat Deutsch

 : Jugendgebetbuch / hrsg. von Georg von Lengerke und Dörte Schrömges. - München : Pattloch, 2011. - 175 S. : Ill.
ISBN 978-3-629-02299-8      kart. : ca. € 10,30

Ein meditatives Schulungsbuch, mit dem das Beten gelernt und geübt werden kann. (JP)

Während der Jugendkatechismus in jugendgemäßer Sprache das Ganze des katholischen Glaubens behandelt, wie dies im "Katechismus der Katholischen Kirche" vorgelegt wurde, bietet dieses Gebetsbuch vielfältige Hilfestellungen, um den Glauben in Form von Gebeten zur Sprache zu bringen. Das Buch ist in zwei Teilen aufgebaut, im ersten Teil werden Anregungen gegeben für einen zweiwöchigen strukturierten Gebetskurs mit Morgen- und Abendgebeten und im zweiten Teil können sich die Leserinnen und Leser mit unterschiedlichen, thematisch geordneten vorformulierten Gebeten auseinandersetzen. Mit diesen traditionellen, aber auch kreativen Impulsen ist ein Hineinfinden in eine meditative Stille, ins Hören, Nachdenken und Beten möglich. Einladend wirken auch die am Beginn des Buches angeführten zehn Hinweise für den Einstieg in die Gebetsschule, ebenso die vielen schönen Sprüche von erfahrenen Betern und Beterinnen und die passenden biblischen Texte.
Zu wünschen ist diesem Gebetsbüchlein, dass es zum liebgewordenen Begleiter junger Menschen wird, dass einzelne Gebete, Sätze oder Worte den Lesenden "tief ins Herz fallen" und dass es dadurch immer mehr gelingen möge, ein betender, ein mit Gott verbundener Mensch zu werden. Empfehlenswert, nicht nur für Jugendliche!

Birgit Leitner | biblio

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