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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2010 / Mai

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Philipp Seefeldt: Ida still im Menschenmeer

/ von Philipp Seefeldt. - Würzburg: Arena, 2010. – [26] S. : überw. Ill. ; 29 cm
ISBN 978-3-401-09800-5    fest geb.: ca. € 13,40

In Berlin regeln Faulenzertiere den Verkehr, krumme, wasserscheue Wesen überspannen die Flussarme, eine überdimensionale Schildkröte aus Glas und Stein ruht am Reichstagsufer und unter den Straßen wohnt ein großer gelber Wurm, mit dem sich Menschen durch die Stadt bewegen. Ida betätigt sich als Stadtführerin durch ihre Heimat und vermittelt dabei den BuchtouristInnen einen phantasievollen Blick auf die Großstadt.
Philipp Seefeldt gewann mit seinem Entwurf dieses Bilderbuchs den Marktheidenfelder Preis für Bilderbuchillustration und damit verbunden die Veröffentlichung seines Werks im Arena-Verlag. Das Stilmittel der Collage, bei dem verschiedene Techniken und Materialien miteinander kombiniert werden, wendet er auch auf der Textebene an: Denn Ida schildert ihre Heimatstadt nicht nur nach dem, wie sie Berlin sieht, sondern verknüpft konsequent Wahrnehmungen aller fünf Sinne und hinterlässt so einen vielfältigen Eindruck bei den LeserInnen. Auch auf der Ebene der Illustration geht es Seefeldt darum, einen im wortwörtlichen Sinne vielseitigen Eindruck der Bilder der Stadt zu vermitteln: Dazu schneidet, knickt und bearbeitet er sein Zeichenpapier, klebt es in verschiedenen Höhenabständen zueinander auf und lässt dadurch die fotografierte Szenerie dreidimensional erscheinen. Auf diese Weise gelingt es ihm, dem Stadtrundgang räumliche Tiefe zu verleihen. Ida zeigt auf, dass eine Großstadt nicht nur aus Lärm, Enge und tristen Häuserschluchten besteht, sondern sich ebenso phantastische Wesen, Orte der Stille und urbanen Poesie entdecken lassen.

Lukas Bärwald | STUBE 

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Oscar Brenifier/Clément Devaux: Gut und Böse – was ist das?

/ Oscar Brenifier. Ill. von Clément Devaux. Aus dem Franz. von Tobias Scheffel. - Köln : Boje-Verl., 2010. - [96] S. : zahlr. Ill. (farb.) - (Philosophieren mit neugierigen Kindern)
ISBN 978-3-414-82303-8      kart. : ca. € 15,40
Oscar Brenifier/Aurélien Débat: Ich - was ist das?    ISBN 978-3-414-82301-4
Oscar Brenifier/Catherine Meurisse: Glück – was ist das?   ISBN 978-3-414-82302-1

„Man muss nicht auf jede Frage eine Antwort finden. Man kann eine Frage auch als solche mögen, einfach nur, weil es eine interessante Frage ist“. Die neue Sachbuchreihe aus dem Boje-Verlag „Philosophieren mit neugierigen Kindern“ erklärt das Fragen zum Grundprinzip und Selbstzweck: In jedem Band werden sechs Aspekte zum jeweiligen Oberthema (Gut und Böse, Ich, Glück) in Frageform unter die Lupe genommen. So geht es bei „Gut und Böse“ unter anderem um den Aspekt der Freiheit und die damit verbundene Frage, ob man immer tun sollte, was man will. Auf den fünf nachfolgenden Doppelseiten wird jeweils eine andere Antwort auf diese Frage gegeben und deren Konsequenzen schlagwortartig thematisiert. Auf der letzten Doppelseite zu jedem Aspekt findet sich ein längerer Text, der die vielfältigen Antwortmöglichkeiten reflektiert und weiterführende Fragen bietet.
So ist die Beschäftigung mit einem Thema nie abgeschlossen, sondern wir über die Inhalte des Buches hinaus fortgesetzt. Im Zentrum dieser Aufarbeitung verschiedener philosophischer Fragen aus dem kindlichen Lebensalltag steht die Bewusstmachung der Uneindeutigkeit. Keine Frage kann verbindlich mit einer Antwort geklärt werden; stets gilt es, auch die übrigen Antwortmöglichkeiten zu beachten. Jeder Band ist von anderen IllustratorInnen gestaltet. Das grafische Grundprinzip der Reihe beruht jedoch bandübergreifend auf klaren und aussagekräftigen Bildern, die dabei den Zugang durch ihre humorvolle Note nicht zu ernst und tiefsinnig erscheinen lassen. Eine sehr empfehlenswerte Sachbuchreihe für alle, die Lust am grenzenlosen Fragen haben und auch nicht davor zurückscheuen, selbst Antworten finden zu müssen, wo es keine fixen Antworten geben kann.

Lukas Bärwald | STUBE

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Arne Dahl: Dunkelziffer

: Kriminalroman / Arne Dahl. Aus dem Schwed. von Wolfgang Butt. - München : Piper, 2010. - 415 S.
ISBN 978-3-492-05350-1      fest geb. : ca. € 20,60

Das A-Team auf der Jagd nach Pädophilen. (DR)

> Während eines Schulausflugs verschwindet die 14-jährige Emily in den nordschwedischen Wäldern. Da ganz in der Nähe drei Pädophile leben und zeitgleich mit Emilys Verschwinden mehrere Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen beobachtet werden, wird Kerstin Holm mit ihrem A-Team eingeschaltet. Über das Internet führen Spuren zu einer obskuren Gruppierung namens "Fac ut vivas" und zu Mordopfern, die mit einer Klaviersaite fast enthauptet wurden. Und letztlich findet sich auch noch ihr ehemaliger Kollege Paul Hjelm, obwohl ursprünglich mit einem ganz anderen Fall beschäftigt, in die Ermittlungen verwickelt.
Mit gewohnter Raffinesse führt Arne Dahl seine LeserInnen durch das Labyrinth des aktuellen Falles, der sich vor allem um Kindesmissbrauch, Selbstjustiz und die Möglichkeiten, die das Internet für beides offenhält, dreht, mitten hinein in "Das Herz der Finsternis" - auf das gleichnamige Buch von Joseph Conrad wird immer wieder angespielt.
Wie immer steht nicht Kerstin Holm im Vordergrund, die Entwicklung jedes einzelnen Teammitglieds wird konsequent weitergeführt, die Ermittlungen funktionieren nur in der Gemeinschaft. Ein Krimi, der sich aufgrund intelligenter Handlung, interessanter Personen und eines ausgefeilten Stils deutlich vom Durchschnitt abhebt. Wie immer sehr zu empfehlen.

Anita Ruckerbauer | biblio
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Anna Mitgutsch: Wenn du wiederkommst

: Roman / Anna Mitgutsch. - München : Luchterhand, 2010. - 271 S.
ISBN 978-3-630-87327-5      fest geb. : ca. € 20,60

In ihrer Intensität und Sensibilität außergewöhnliche und berührende Totenklage und zugleich die Geschichte einer tiefen, ambivalenten Liebe. (DR)

"[…] während man versucht, sich dem Tod zu nähern, stehlen die Worte und Begriffe sich davon" (S. 261), der Tod ist nicht fassbar, vor ihm verlieren alle Wörter ihren Sinn. Reflexionen über Tod und Trauer, Liebe und Sehnsucht stehen im Zentrum von Anna Mitgutschs bemerkenswertem neuen Roman: Die Ich-Erzählerin trauert um ihren Lebenspartner Jerome, jenem Menschen, dem sie sich zeitlebens trotz der Scheidung vor etlichen Jahren verbunden fühlte. Es war eine ambivalente Liebesbeziehung, überschattet von Missverständnissen, Lügen und Enttäuschungen, aber auch geprägt von unaufhörlichen Versuchen aneinander festzuhalten. Ihr Wunsch nach Unabhängigkeit und seine Untreue schienen ein Zusammenleben unmöglich zu machen. Kurz vor seinem Tod sprach Jerome jedoch von einem gemeinsamen Altwerden, zeichnete sich "vorsichtig, zwischen den Sätzen, […] ein neues Leben ab, wie das hauchzarte Gewebe eines leuchtenden Altweibersommers, ohne die Forderungen und Ausweichmanöver, die Ungewissheiten und das Warten auf später wie bisher." (S. 7) Doch dann die Todesnachricht, überraschend, unerwartet, unerbittlich.
Dass Jeromes Familie ihr als geschiedener Ehefrau das Recht zu trauern abspricht, verletzt die Erzählende tief und schürt Zweifel in ihr: Was empfand Jerome wirklich für sie? Was war sie ihm? Ihre Totenklage ist ein wütendes Aufbegehren gegen den Tod, ein Erinnern und Abschiednehmen und der verzweifelte Versuch, sich seiner Liebe zu vergewissern. Jerome ist dabei immer stummes Gegenüber, abwesendes Du, er bleibt gegenwärtig, "ist der Zwischenraum zwischen den Dingen, die Zeit zwischen den Minuten." (S. 253)
Es sind vor allem die subtile, poetische Sprache, die feinsinnige, intensive Auseinandersetzung mit Trauer und Schmerz und das sensible Ausloten von Gefühlszuständen, die diesen Roman zu einem besonderen Stück österreichischer Gegenwartsliteratur machen. Das jüdische Trauerjahr bildet den erzählerischen Rahmen dieses nahe gehenden, beklemmenden Romans, der Literaturkreisen und allen Bibliotheken sehr empfohlen werden kann.

Cornelia Gstöttinger | biblio
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Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter

: Roman / Marie-Sabine Roger. Aus dem Franz. von Claudia Kalscheuer. - Hamburg : Hoffmann und Campe, 2010. - 207 S.
ISBN 978-3-455-40254-4      fest geb. : ca. € 18,50

Ein berührender Roman über Freundschaft, Liebe und Bücher. (DR)

Auf Buchcover abgedruckte Lobpreisungen eines Werkes sind für den kritischen Leser und Rezensenten oft eher Warnzeichen als Kaufanreiz. Interesse wecken sie in jedem Fall. Im Fall von Marie-Sabine Rogers Roman ist die Begeisterung indes gerechtfertigt, wird die erzeugte Erwartungshaltung nicht enttäuscht. Die Geschichte von Germain und Margueritte ist tatsächlich zugleich anrührendes Beispiel für Menschlichkeit und eine Liebeserklärung ans Lesen. Germain, fünfundvierzig, aus einfachen Verhältnissen, in einem Wohnwagen hausend, ungebildet, aber mit gutem Herzen, füllt sein Leben mit der Sorge um seinen Gemüsegarten, dem Schnitzen von Holzfiguren und dem gewissenhaften Zählen der Tauben im Park. Er befindet sich im Stillstand, wird rasch deutlich, auch in seinen sozialen Beziehungen.
Das ändert sich durch die Bekanntschaft mit Margueritte. Diese kultivierte alte Dame verbringt ihren Lebensabend im Altenheim und besucht regelmäßig denselben Park wie Germain. Dort kommen der Hüne und die zarte alte Dame dann auch ins Gespräch und freunden sich langsam an.
Eines Tages beschließt Margueritte, ihren neuen Freund für die Welt der Bücher zu gewinnen. Dadurch setzt sie Wandlungen in Germains Gefühls- und Gedankenwelt in Gang, die immer deutlichere Auswirkungen auf sein Leben haben. Auch sein Umfeld, Margueritte eingeschlossen, bleibt von dieser Veränderung nicht unbeeinflusst. Ein Buch mit Charme, das an das Gute im Menschen glauben hilft, ohne dafür eine rosarote Brille zu bemühen.

Eva Unterhuber | biblio
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Gerd Wolfgang Sievers: Venedig genießen

: 200 authentische Rezepte und Lokaltipps / Gerd Wolfgang Sievers. - Wien : Christian Brandstätter, 2010. - 159 S. : zahlr. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-85033-406-8      kart. : ca. € 19,90

Reiseführer für den Gaumen mit Authentizitätsanspruch. (VL)

Venedig ist ein kultureller Sonderfall. Vermutlich zeichnen sich die kulinarischen Hervorbringungen der Stadt auch deswegen durch Aromareichtum und Vielfältigkeit aus, weil sie vor allem durch den Handel mit Gewürzen reich geworden ist. Sievers lässt in sein Kochbuch auch eine Küchengeschichte Venedigs einfließen, bezieht sich auf historische Rezeptesammlungen, vergisst auch nicht auf die jüdische Küche, die orientalischen Wurzeln und die kulinarischen Besonderheiten der Lagune. Nach einer kurzen Einleitung hält er sich an den klassischen Aufbau: Beginnend mit kleinen Happen, die neben einem Aperitivo in Venedig so wichtig sind, geht´s von Suppen und Antipasti über die Secondi und ihre Beilagen bis zu den Dolci. Es ist eine Schlemmer- und Entdeckungsreise durch Hausmannskost und gehobene Gastronomie, sie führt von einfachen Weinschenken bis zu Harry´s Bar und zeigt, wie vielfältig verarbeitet wird, was Meer und Land zu bieten haben. Natürlich fehlen die klassischen Gerichte - wie etwa Sarde in saor oder Risi bisi - nicht, ein Rezept für gebratene Tauben ist übrigens auch dabei.
Sievers hat tief in die Kochtöpfe venezianischer Köche und Köchinnen geblickt und dabei großen Wert auf Authentizität gelegt. Seine klaren Anleitungen eignen sich gut zum Nachkochen, sofern die Zutaten erhältlich sind. Zusätzlich findet sich eine Anzahl interessanter historischer Hinweise und nützlicher Tipps. Lokalempfehlungen gibt es im Anhang, von Letzteren hätte man sich noch mehr gewünscht. Ein nützliches Glossar sowie ein Rezeptregister beschließen den schön gestalteten, reich und farbig illustrierten Band, der eine große Auswahl aus der reichhaltigen kulinarischen Schatzkammer Venedigs bietet. Sehr empfehlenswert.

Fritz Popp | biblio
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Eckart Hammer: Das Beste kommt noch - Männer im Unruhestand

: Erfahrungen - Orientierungen - Tipps / Eckart Hammer. - Stuttgart : Kreuz, 2010. - 177 S. : graph. Darst.
ISBN 978-3-7831-3434-6      kart. : ca. € 15,40

Lebens- und Praxisbuch für die "besten Jahre des Lebens." (PP)

Nach seinem Erfolgsbuch "Männer altern anders" (2007), das grundsätzliche Ausführungen zum "Ruhestand für Männer" zum Inhalt hat, legt der Autor nun einen Praxisband mit Erfahrungen, Orientierungen, Tipps und vielen weiteren Ideen, die Männern zur Gestaltung ihres Pensionistenlebens hilfreich sein können, vor. Voraussetzung für eine Neugestaltung des Lebens ist die Erkundung der eigenen Kompetenzen. Dazu gibt das Buch Hilfestellung und Anleitung. In den folgenden Kapiteln beschreibt der Verfasser lohnende Ziele für die Zeit der nachberuflichen Jahre und ordnet diese einander zu. "Die späte Freiheit auskosten", "Kompetenzen weitergeben", "Sich engagieren" und "Früher an später denken" - so die Überschriften. Wie im Vorgängerband illustrieren auch hier Fallbeispiele die Ausführungen; die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, werden unter verschiedenen Blickwinkeln erörtert.
Als weitere Orientierungs- und Planungshilfe sind die angefügten Kontaktadressen zu verstehen. Ihre Vielfalt verdient große Anerkennung. Was "das Beste" ist, das "noch kommt", muss jeder für sich beantworten. Wer auf der Suche danach unschlüssig ist oder sich alleingelassen fühlt, sollte sich von diesem wiederum erfolgsverdächtigen Buch beraten lassen. Für alle Öffentlichen Büchereien.

Hanns Sauter | biblio
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Annegret Hiekisch: Dem Geheimnis auf der Spur

: in der Familie Gott erfahren / Annegret Hiekisch. - Ostfildern : Schwabenverl., 2010. - 120 S.
ISBN 978-3-7966-1490-3      kart. : ca. € 10,20

Entwurf einer familientauglichen Spiritualität. (PR)

Das Leben in einer Familie ist oft geprägt von unvorhergesehenen Ereignissen, auf die man spontan reagieren muss, nicht immer läuft alles nach Plan. Im Alltag mit Kindern kann man eine große Gefühlsdichte erleben, große Glücksgefühle und heftige Wutausbrüche können bei Kindern sehr nahe beisammen liegen. Anknüpfend an diese besondere Lebenswirklichkeit von Familien, fragt die Autorin, wie eine Spiritualität für Familien aussehen könnte. Sie findet dafür Ansatzpunkte in der klösterlichen Tradition, etwa bei Ignatius, der empfiehlt, Gott in allen Dingen zu suchen, und bei Teresa von Avila, für die Gott auch zwischen den Kochtöpfen zu finden ist. Spiritualität im Familienleben bedeutet für die Autorin, die selbst verheiratet und Mutter von drei Kindern ist, vor allem innere Haltungen einzuüben: Achtsamkeit gegenüber dem Leben, Neugier und Offenheit, Dankbarkeit.
Das Buch versteht sich als Einladung und Ermutigung für Eltern, der vielleicht schon etwas verschütteten Sehnsucht nach Spiritualität wieder Raum zu geben, und versucht, in gut lesbarer Diktion zu zeigen, wie das auch im Leben mit Kindern möglich ist.

Gabriele Doblhammer | biblio
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