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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2010 / April

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Jürg Schubiger: Der Wind hat Geburtstag

/ Jürg Schubiger. Mit Ill. von Wiebke Oeser. - Wuppertal : P. Hammer Verl., 2010. - 48 S. : Ill.
ISBN 978-3-7795-0282-1    fest geb. : ca. € 13,30

„Über dem Hut / der blaue Himmel, / den wir uns teilen, / Vater und ich: / jeder genau die Hälfte. / Tschüss, sagt Vaters Stimme. / Sein Hut geht weg, / seine Hälfte des Himmels / über dem Hut / geht mir.“
Die Gemeinsamkeit und das Verlassen, das Wetter und die kleinen Dinge des Alltags: In diesen Zeilen aus dem Gedicht „Alles unter einem Hut“ finden sich die zentralen Motive und Erzählanlässe der 32 in diesem Band versammelten Gedichte. In fünf thematisch geordneten Kapiteln erzählt der Hans-Christian-Andersen-Preisträger von 2008 von den Jahreszeiten und den sich in ihnen spiegelnden Gemütszuständen, von familiären Glücks- und Verlusterfahrungen und von der niemals versiegenden Faszination an der Sprache und Literatur.
Schubiger Texte sind „erzählt aus der Kindlichkeit des Erwachsenen“, wie er vor einigen Jahren erläuterte. Diese Kindlichkeit findet sich wieder in der Neugier an Dingen, die scheinbar glanzlos am Wegesrand liegen und vom Schweizer behutsam aufgenommen und aus immer wieder überraschenden Perspektiven betrachtet werden. Dabei kann es sich um persönliche Erfahrungen, tatsächliche Gegenstände oder das Hängenbleiben an einzelnen Worten, Lauten oder anderen sprachlichen Gefügen handeln, die den Anlass zu einem Gedicht darstellen. Das für Schubiger typische Rätselhafte in seinen bildstarken Texten nimmt Wiebke Oeser in ihren Illustrationen auf, die von viel Weißraum und durch den Einsatz von Buntstiften und Stempeln bestimmt sind. Durch den Einsatz der für die Künstlerin charakteristischen Kinderfiguren unterstützt sie den Bezug der lyrischen Texte auf die Lebensrealität des lesenden bzw. zuhörenden Publikums und fängt dabei gleichzeitig die phantastischen Elemente von Schubigers Schreiben ein.
„Der Wind hat Geburtstag“ gleicht einem kunstvollen Zaubertrick: Er verläuft überraschend und unvorhergesehen, herausfordernd und Fragen aufwerfend zugleich und in seiner Mitte steht ein rätselhaft-magisches Moment, das unausgesprochen und nur individuell zu entdecken bleibt.

Lukas Bärwald | STUBE 

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Kate Petty/Charlotte Voake: Veilchen, Mohn und Gänseblümchen

: Pflanzen bestimmen mit Kindern / Kate Petty. Ill. von Charlottte Voake. Aus dem Engl. von Margot Wilhelmi. – 3. Aufl. - Hildesheim : Gerstenberg, 2010. - 62 S. : überw. Ill.
 ISBN 978-3-8369-5106-7  fest geb. : ca. € 15,40

Der Löwenzahn – lat. Taraxacum officinale, auch Pusteblume genannt, Familie der Korbblütler, bis zu 35 cm hoch, Blütezeit von Frühling bis Herbst. „Löwenzahnblüten sehen aus wie kleine gelbe Sonnen.“Die jungen Blätter, deren gezahnter Blattrand an ein Löwengebiss erinnert, eignen sich hervorragend für Salate.
Neben Basisinformationen zu den einzelnen Blumen ergänzt Charlotte Voake – wie schon in „Linde, Weide, Apfelbaum: Bäume bestimmen mit Kindern“ – Hintergrundwissen zu Verwendung bzw. Anwendung der Pflanzen sowie die Herkunft der Namen, aus dem Lateinischen ebenso wie aus dem Volksmund. „Nach dem Verblühen wird aus der Blüte eine Pustblume. Wenn sich die kugeligen Pusteblumen gebildet haben, kannst du die Fallschirme in alle Winde pusten.“
Die nach Farben der Blüten unterteilten Kapitel ermöglichen eine schnelle Suche einzelner Pflanzen. Einleitend werden darüber hinaus Grundlagen zu Blattformen, Blüten und Blumen erklärt und durch die angefügte Fundliste zum Ankreuzen schon entdeckter Pflanzen wird der Ergeiz großer und kleiner NaturkundlerInnen geschürt. Detailgetreue, liebevoll ausgestaltete Aquarelle machen aus Charlotte Voakes praktisch anwendbarem Pflanzenbestimmungsbuch eine farblich und optisch äußerst ansprechende Rundschau durch die Welt der Blumen. Kate Pettys klar und leise-poetisch ausformulierte Pflanzenbeschreibungen ergänzen den Streifzug über Wiesen und Felder, entlang des Wegrandes, durch Wälder und Gärten äußerst stimmig. – Der Frühling kann kommen!

Andrea Kromoser | STUBE

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Arno Geiger: Alles über Sally

: Roman / Arno Geiger. - München : Hanser, 2010. - 363 S.
ISBN 978-3-446-23484-0      fest geb. : ca. € 22,10

Über die komplexen Abhängigkeiten im Beziehungsalltag und die ewige Suche nach Glück. (DR)

Viel durfte man erwarten vom neuen Roman des 42-jährigen Vorarlberger Schriftstellers Arno Geiger, der 2005 für "Es geht uns gut" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde - und man wird nicht enttäuscht. Wenngleich das Thema des Ehebruchs und der Untreue auf den ersten Blick eher unspektakulär und abgenutzt erscheint, schafft es Geiger, mit seiner unnachahmlich präzisen Beobachtungsgabe und seinem instinktiven Gespür für die deutsche Sprache einen beeindruckenden Roman über eine 50-jährige Frau in Aufbruchsstimmung zu kreieren. Sally und Alfred führen seit 30 Jahren eine relativ harmonische Ehe, sind Eltern von drei mittlerweile fast erwachsenen Kindern und Besitzer eines spießig-gemütlichen Wiener Vorstadthauses. Der alljährliche England-Urlaub wird jäh unterbrochen, da ein Einbruch in das Wiener Heim zur überstürzten Rückkehr nach Österreich zwingt und ein Bild der Zerstörung und des Chaos offenbart. Alfred, zutiefst bestürzt über dieses Eindringen in seine private Intimität, verzweifelt beinahe über das Geschehene und versinkt zusehends in eine tatenlose Depression. Anders reagiert seine Frau Sally - erfüllt von Tatendrang und trotziger Eigeninitiative beseitigt sie verbissen die Spuren der Verbrecher und stürzt sich angesichts der nervenden Resignation Alfreds in eine heftige Liebesaffäre mit dem dynamischen Nachbarn und Bekannten Erik. Doch am Ende geht Sally selbst als Betrogene aus der Affäre hervor und findet einmal mehr Halt in ihrer unspektakulären, aber beständigen Ehe mit Alfred.
Geiger gewährt in seinem neuen Buch intime Einblicke in den Alltag eines ungleichen Ehepaares, dem es trotz unterschiedlicher Glücksbedürfnisse gelingt, eine funktionierende Beziehung aufrechtzuerhalten. In objektiv-beobachtender Weise werden die komplexen Abhängigkeiten in einer Beziehung ausgelotet, in der es nicht darum geht, wer am Ende als Verlierer oder Gewinner dasteht, sondern vielmehr um die Bejahung der Beständigkeit als Möglichkeit des privaten Glücks.

Barbara Tumfart | biblio
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Amélie Nothomb: Der japanische Verlobte

: Roman / Amélie Nothomb. Aus dem Franz. von Brigitte Große. - Zürich : Diogenes-Verl., 2010. - 162 S.
ISBN 978-3-257-06746-0      fest geb. : ca. € 19,50

Eine romantische Liebesgeschichte zwischen einer Belgierin und einem Japaner. (DR)

Wie weit autobiografisch oder auch nicht: Die Protagonistin trägt den gleichen Namen wie die Autorin und Teile ihrer Biografie kommen auch im Buch vor. Amélie, 21-jährig, verbrachte die ersten fünf Lebensjahre in Japan und verbindet damit glücklich machende Erfahrungen. Nach 16 Jahren kehrt sie dann wieder nach Tokio zurück. Um ihr Japanisch zu verbessern, annonciert sie sich als Französischlehrerin, die Einzelunterricht erteilt. Es meldet sich Rinri, ein reicher 20-jähriger Französischstudent mit nur sehr rudimentären Kenntnissen. Aus der Lehrerinnen-Schüler-Beziehung wird eine intime Freundschaft, die ihren Reiz auch in den kulturellen Unterschieden hat. Für Amélie bedeutet sie ein Eintauchen in ihre geliebte japanische Kultur. Aber auch der eher melancholisch stille Rinri profitiert stark vom "Wunder" Amélie. Die beiden durchleben eine unglaublich leichte, beschwingte Zeit voller aufregender Erfahrungen.
Zärtlich, staunend und mit liebevoll-fremdem Blick berichtet die Erzählerin von dieser Art Ausnahmesituation, die so lange unbeschwert andauert, bis ihr Rinri einen Heiratsantrag macht. Um Zeit zu gewinnen, stimmt sie einer Verlobung zu, die sie als eine weniger einengende Beziehungsform empfindet. - Liebenswürdige Ironie, charmante Erotik, Sprachwitz und verblüffende Gedankenwelten. Eine höchst intelligente Lektüre. Sehr gerne gelesen und empfohlen.

Fritz Popp | biblio
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Doris Mayer: 365

: Roman / Doris Mayer. - Wien : Picus-Verl., 2010. - 222 S.
ISBN 978-3-85452-662-9      fest geb. : ca. € 21,90

Ein Buch über den Stillstand der Menschheit, einige Auserwählte und die zarten Bande einer großen Liebe. (DR)

365 Tage dauert der abnorme Zustand einer erstarrten Welt, in der Menschen, wie aus Porzellan geschaffen, leblos in alltäglichen Handlungen verharren. Inmitten dieses Ausnahmezustands blickt dieses Buch auf acht Personen, die der Erstarrung entkommen sind und sich nun in dieser neuen Welt zurechtfinden müssen.
In kurzen, klar strukturierten Sätzen breitet die Autorin das Leben, die Vergangenheit und das Innerste dieser Menschen aus: Eine alte Frau, ausgeschlossen von der innigen Liebe ihres Mannes und ihrer Tochter. Ein kranker Junge, verzehrend nach seinen Eltern. Ein Mann, konfrontiert mit seinen Fehlern als Familienvater. Eine Frau, die an ihrer Abtreibung leidet. Ein verlassenes Baby. Ein bärtiger Mann, der dem Anlass für die plötzliche Erstarrung der Menschheit auf den Grund kommt und seiner Umwelt voll Hass begegnet. Ein Junge, der sich entgegen aller Vernunft in ein Mädchen verliebt. "Die Rothaarige" wird sie von ihm genannt, sie scheint äußerlich erstarrt, doch sie fühlt, denkt und empfindet wie er.
In faszinierender Weise offenbart sich im Buch der schwierige Prozess des Konfrontiertwerdens mit sich selbst in jeder dieser Personen. Am Ende, inmitten des Chaos, lässt es kleine Hoffnungsschimmer der Fürsorge und Liebe aufscheinen. Die Antwort auf die Frage nach dem Grund der Erstarrung der Welt bleibt im Verborgenen, die Beziehungsgeflechte selbst stehen im Fokus. Spannend erzählt, verstörend und doch irgendwie vorstellbar entwirft Doris Mayer mit "365" ein Buch, das man nicht so schnell aus der Hand legen kann.

Ina M. Schenk | biblio
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Martin Schenk: Es reicht! Für alle!

: Wege aus der Armut / Martin Schenk ; Michaela Moser. - Wien : Deuticke, 2010. - 236 S.
ISBN 978-3-552-06114-9      kart. : ca. € 20,50

Ein umfassendes Buch über die vielen Aspekte von Armut. (GS)

Die Autoren, beide ausgewiesene österreichische Sozialexperten, haben zur aktuellen Armutsdebatte ein fundiert geschriebenes Buch beigesteuert. Sehr anschaulich führen sie vor Augen, dass Armut ein Phänomen mit vielen Facetten und Gesichtern ist. Während sich die Diskussion in der breiten Öffentlichkeit nur auf den materiellen Aspekt konzentriert, verdeutlichen Schenk und Moser, dass es in der Armutsdiskussion neben der Debatte um die Verteilung von materiellen Gütern um viele andere Dinge geht: um Anerkennung und um Teilhabe an den gesellschaftlichen Entscheidungen, um Bildung ohne Selektionsdruck, um adäquate Abgeltung von Leistungen im Zusammenhang mit der Sorge für andere beispielsweise.
Die Autoren nähern sich den vielen Aspekten von Armut nicht streng systematisch, sondern bieten eine Verbindung von Fallbeispielen, Beschreibungen von gesellschaftlicher Realität und Darstellung von Ergebnissen der Armutsforschung. In dem prägnant formulierten Werk werden die wichtigsten Aspekte des Themas kenntnisreich erörtert: Langzeitarbeitslosigkeit, Frauen- und Kinderarmut, die Bildungsproblematik, Pflege, gesundheitliche Versorgung. Die Autoren räumen mit vielen Mythen auf, die über Armut kursieren, und bieten dazu noch eine Menge konkreter Lösungsvorschläge. Oft wären diese mit einfachen Mitteln und sogar ohne großen finanziellen Aufwand umsetzbar. Sie verdeutlichen nachdrücklich, dass Armut nicht sein muss.
Ein kenntnisreiches Buch, das Interessierten einen hervorragenden Einblick in das Thema vermittelt und der Politik jede Menge Grundlagen für Entscheidungen liefert.

Karl Vogd | biblio
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Uwe Jochum: Geschichte der abendländischen Bibliotheken

 / Uwe Jochum. - [Darmstadt] : [Primus-Verl.], 2010. - 160 S. : Ill. (farb.) ; 29,5 cm
ISBN 978-3-89678-669-2      fest geb. : ca. € 41,10

Eine ansprechende Reise durch die Geschichte der abendländischen Bibliotheken. (PB)

Die Schriftkultur als Mutter, die Architektur an Vaterstelle, das jeweilige Menschenbild und Gesellschaftsmodell als Paten - so präsentieren sich die Bibliotheken im Lauf ihrer Geschichte und können als kultur- und sozialgeschichtlicher Spiegel ihrer Entstehungszeit gelesen werden. In diesem schön aufgemachten Bild-Textband nimmt uns Uwe Jochum mit zu einer Reise durch die Entwicklungsgeschichte der Bibliotheken, die zwar im Morgenland ihre Ursprünge haben, doch im Abendland ihre schönsten Blüten hervorbrachten.
Sechs Stationen sind es, in denen Jochum die jeweiligen Charakteristika bündelt und veranschaulicht. Die „Bibliothek in der Höhle“ spricht von der Ursehnsucht des Menschen nach dem Festhalten  von Ideen, Vorstellungen und Eindrücken. Die „Kosmologischen Bibliotheken“ erzählen von den Umbrüchen der Menschheitsgeschichte mit der Erfindung der Schrift und den ersten Systemen ihrer Speicherung und Verwahrung. Die „Imperialen Bibliotheken“ von der Antike bis in die Neuzeit tragen in sich die Idealbilder von Herrschaft und Macht. Die „Bibliotheken des Heils“ in Klöstern und Stiften wachsen aus den Vorstellungen spiritueller Suche und werden zum Ausdruck religiöser Ordnungsvorstellungen. Die „Bibliotheken des Nutzens“ spiegeln das aus den weltlichen und religiösen Herrschaftsbildern heraustretende Selbstverständnis von Renaissance und Aufklärung. Die am Ende angeführten faszinierenden „Bibliotheken im Netz“ zeigen, dass entgegen den Befürchtungen digitaler Verflüchtigung die Idee der Zusammengehörigkeit von Raum, Medium und Mensch weiterlebt.
Ein ansprechender Band, der den bleibenden Traum von Bibliothek als Ort geistiger Auseinandersetzung und intellektuellen Austausches anschaulich werden lässt.

Reinhard Ehgartner | biblio
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Georg Steins: Licht - Wasser – Leben

: die biblischen Lesungen in der Osternacht / Georg Steins ; Egbert Ballhorn. Mit Beitr. von Heinz-Günter Bongartz, Marianne Heimbach-Steins, Klemens Teichert. - Regensburg : Pustet, 2010. - 152 S.
ISBN 978-3-7917-2258-0      kart. : ca. € 15,40

Ein Buch zur Feier der Osternacht. (PR)

Die Osternachtfeier unterscheidet sich von allen anderen Gottesdienstfeiern beträchtlich. Viele Gottesdienstbesucher haben mit ihr - vor allem mit der Auswahl ihrer Lesungen aus dem Alten Testament - Verstehensschwierigkeiten. Das vorliegende Buch erschließt die Osternachtfeier von ihrer bibeltheologischen Seite und schlüsselt Unverständliches, ja sogar als anstößig Empfundenes plausibel auf. Neben einer Erklärung der Osternachtfeier bietet es spannend zu lesende Auslegungen aller vorgesehenen Lesungen, Hilfen zur Gestaltung der Osterliturgie und Impulse für das Weiterwirken der Osterbotschaft in den Alltag. Darüber hinaus ist es auch ein Arbeitsbuch für alle, die für die Gestaltung der Osterfeier verantwortlich sind, gibt es Anregungen zu Predigt und Glaubensgesprächen und Impulse zur Vor- und Nachbereitung des Osterfestes in der Gemeinde.
Eine hervorragende Kombination von Information und Glaubensverkündigung, ein Arbeits- und Materialbuch, Gebetbuch und Meditationshilfe für einen breiten Interessentenkreis.

Hanns Sauter | biblio
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