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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2010 / Februar

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Jenny Valentine: Wer ist Violet Park?

: Roman / Jenny Valentine. Aus dem Engl. von Klaus Fritz - Dt. Erstausg. - München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2009. - 199 S. - (dtv ; 62392 : Reihe Hanser)
ISBN 978-3-423-62392-6 kart. : ca. € 9,20

Seit sein Vater vor fünf Jahren plötzlich verschwunden ist, grübelt der 16-jährige Ich-Erzähler Lucas Swain meist allein vor sich hin. Doch als er in einem schäbigen Minicar-Büro die vergessene Urne einer Frau namens Violet Park entdeckt, beschließt er, sie zu befreien und ihr zu einer würdigeren letzten Ruhe zu verhelfen. Er beginnt zu recherchieren und stellt fest, dass es zwischen seinem Vater und dieser Frau eine Verbindung gegeben hat. Bei seinem Bemühen, dem Leben von Violet nachzuspüren, lernt er auf überraschende Weise auch sein eigenes Leben besser zu verstehen. „Ich hatte geglaubt, es sei ihr Wille, dass ich ein Problem für sie löste. Ich hatte nicht gewusst, dass sie etwas für mich tat. Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass sie mich zu meinem Vater führen würde.“
Ein Debütroman, in dem gekonnt Elemente unterschiedlicher literarischer Traditionen kombiniert werden: Detektivgeschichte, Adoleszenzroman und Coming-of-age-Roman finden hier, versetzt mit einer Portion von schwarzem britischem Humor, zueinander.

Kathrin Wexberg | STUBE 

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Lauren Child: Wer möchte schon ein Pudel sein

/ Lauren Child. Aus dem Engl. von Sophie Birkenstädt. - Hamburg : Carlsen , 2010. - [42] S. : überw. Ill. (farb.) ; 28 cm
ISBN 978-3-551-51727-2      fest geb. : ca. € 15,40

Mitte Februar wird in Wien im Rahmen der Volksbefragung über den „Kampfhundeführerschein“ abgestimmt. Dass es jedoch auch mit weit weniger gefährlich wirkenden Hunden zu nachhaltigen Problemen kommen kann, wird mit einer gehörigen Portion Ironie in Lauren Childs neuem Bilderbuch vorgeführt. Zentral geht es dabei um das Thema der aufgezwungenen Identität. Denn Mademoiselle Verity Brulées Pudel wird ganz dem glamourösen Lebensstil ihres Frauchens entsprechend erzogen, behandelt und eingekleidet. Und so wird Sissi Funkelstein von Trippeltrapp-Wohlvergnügen von morgens bis abends von Stubenmädchen, Koch und Butler verhätschelt. Doch „sie mochte weder posieren noch herumtänzeln. Sie hasste das Parfümieren, das Pudern und die Pompons.“ Anstatt dessen würde sie viel lieber mit den anderen Hunden wild durch den Park toben, Katzen jagen, sich im Dreck wälzen… Die besorgte Mademoiselle Brulée zieht Tierärztin, Hundefriseurin, Hundehellseher und Hundepsychiater zu Rate, doch niemand scheint den Pudel von seinen ungewohnten Anwandlungen kurieren zu können.
Lauren Child kombiniert in ihren collagierten Bildern Stoff- und Tapetenmuster, transparente Folien und Zeitungsausschnitte mit ihren eigenen Zeichnungen und erzeugt dadurch einen abwechslungsreichen Stilmix. Ein besonderer Aspekt in der Buchgestaltung liegt in der Art, wie hier mit Schrift umgegangen wird: Mal winden sich die Sätze wie Sissis Vorstellung um die Bäume des Parks, mal verschwinden sie im Maul ihres untersuchten Halses bei der Tierärztin und ein andermal breiten sie sich wie die Wellen der Pfütze aus, aus der die Pudeldame gerade einen im Ertrinken begriffenen Chihuahua rettet. Ein detailreich und mit zahlreichen augenzwinkernden Anspielungen versehenes Bilderbuch über den Wunsch, einfach man selbst und nicht das Abbild eines Anderen sein zu müssen.

Lukas Bärwald | STUBE

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Zdenka Becker: Taubenflug

: Roman / Zdenka Becker. - Wien : Picus-Verl., 2009. - 206 S.
ISBN 978-3-85452-645-2      fest geb. : ca. € 19,90

Treue und Unzertrennlichkeit von Brieftauben als Symbol der wahren Liebe. (DR)

Durch den Tod enger Verwandter werden Silvia und Daniel, die sich in der Jugend durch politische Wirren und persönliche Schicksale verloren und ein ganzes Leben lang gesucht haben, wieder zusammengeführt. Aus der Perspektive Silvias wird von der gemeinsamen Vergangenheit berichtet: Ein ärmliches Leben am Land in der Umgebung von Bratislava, eine innige Kinderfreundschaft, die erste Liebe. Dann die erzwungene Flucht, die Silvia und Daniel voneinander trennt, und schließlich die lebenslange Suche nach dem verlorengegangenen Partner.
Die große Leidenschaft beider sind Brieftauben. Das gemeinsame Interesse wurde in frühester Jugend geweckt. Noch als Erwachsene stehen die Tiere beruflich wie privat im Mittelpunkt ihres Lebens. Vor allem, um die Erinnerung an den anderen zu pflegen und ihm nahe zu sein, im Glauben daran, den Partner fürs Leben längst gefunden zu haben.
Zdenka Becker entwirft ein düsteres Bild von der Vergangenheit ihres Landes, historisch eingebettet in die politischen Wirren der Tschechoslowakei in der Nachkriegszeit und die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings. Die geschilderten Lebensläufe sind von Armut, Resignation, Verzicht und der Unerreichbarkeit des Ersehnten geprägt; Todesfälle und Intrigen bestimmen die Handlung. Dennoch lebt in den Protagonisten der Wunsch nach einer glücklichen Zukunft unzerstörbar fort und entgegen allen schlechten Vorzeichen findet die Geschichte für Silvia und Daniel zu einem glücklichen Ende.

Stefanie Preiner | biblio
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Andreas Eschbach: Ein König für Deutschland

: Roman / Andreas Eschbach. - Bergisch Gladbach : Lübbe, 2009. - 491 S.
ISBN 978-3-7857-2374-6      fest geb. : ca. € 20,60

Im Dom zu Aachen soll ein neuer König gekrönt werden. Im Jahr 2009. (DR)

Der junge Programmierer Vincent Merrit kann keiner Herausforderung widerstehen. Und so zögert er nicht lange, als seine Chefin ihn auffordert, ein Programm zur Manipulation von Wahlcomputern zu schreiben - natürlich zu Forschungszwecken. Dann kommt die amerikanische Präsidentschaftswahl 2004, mit deren Abwicklung sich die USA damals den Spott der ganzen Welt zugezogen hatte, und Vincent wird den Verdacht nicht los, dass sein Programm etwas damit zu tun hatte. Acht Jahre später wird Vincent erpresst - er soll noch einmal so ein Programm schreiben. Diesmal versucht er, sich abzusichern und schickt eine Kopie an seinen ihm letztlich unbekannten, in Deutschland lebenden Vater Simon König.
Der macht bald darauf die Bekanntschaft einer Horde Computerfreaks und Wahlcomputergegner. Gemeinsam planen sie, eine möglichst absurde Partei zu gründen und dank der manipulierten Computer ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, um damit deren Risiken aufzuzeigen. Und was könnte absurder sein, als die Wiedereinführung der Monarchie? Doch dann entwickelt die Wahlkampagne Eigendynamik und Simon König steht vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens.
Vor seiner Schriftstellerkarriere arbeitete Andreas Eschbach längere Zeit als Softwareentwickler, deshalb weiß er genau, wovon er schreibt. Zudem sind die technischen Details und Vorkommnisse rund um die amerikanische Präsidentschaftswahl mit zahlreichen Fakten dokumentiert, womit der Autor beweist, dass dieser Teil der Geschichte gar nicht so weit hergeholt ist. Und die Wiedereinführung der Monarchie? In Ungarn ruft eine rechtsextreme nationalistische Partei ganz offen zur Ermordung der Roma und zur Bücherverbrennung auf. Das wird nicht nur von der noch bestehenden demokratischen Regierung geduldet; man schätzt, dass die Rechtsextremisten die nächste Wahl gewinnen werden. In Bezug auf Absurdität hat die Realität die Fiktion also schon längst überholt.
Eschbachs große Stärke liegt darin, Geschichten zu schreiben, die im ersten Augenblick wie reine Sciencefiction anmuten, sich dann aber als so nahe an der Wirklichkeit liegend herausstellen, dass man sich zu fragen beginnt, wie viel davon bereits Realität wurde. Und darüber hinaus sind seine Romane auch ohne wilde Action so spannend, dass man sie am liebsten in einem Zug durchlesen möchte.
Diesmal ging es Eschbach vor allem darum aufzuzeigen, dass kein Computerprogramm sicher vor Manipulation ist. Und dass sich die Mehrheit der Gegner von Wahlcomputern ausgerechnet aus Computerfachleuten zusammensetzt, sollte uns zu denken geben. Als spannende und intelligente Unterhaltung allen Bibliotheken sehr zu empfehlen.

Anita Ruckerbauer | biblio
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Ludwig Laher: Einleben

: Roman / Ludwig Laher. - Innsbruck : Haymon, 2009. - 167 S.
ISBN 978-3-85218-603-0      fest geb. : ca. € 17,90

Steffi ist "anders" und erobert die Welt auf ihre Weise - sensibles Protokoll über das Leben mit einem "Nichtstandard"-Kind. (DR)

Was geht in einer Frau vor, die ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt bringt? Wie meistert sie das Leben mit ihrem Kind, ihrem Partner, mit den Menschen rundherum und nicht zuletzt mit sich selbst? Sehr behutsam und diskret, in einer scheinbar kühlen Sprache, die vielleicht gerade durch diese distanzierte Form unter die Haut geht, nähert sich Ludwig Laher der Geschichte von Johanna, in der sich wohl viele Mütter wiederfinden, deren Kind nicht der allgemein akzeptierten Norm entspricht. "Einleben" muss sie sich also, zunächst einmal in die ungeplante Schwangerschaft und dann in dieses Leben, das nicht zuletzt durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen noch komplizierter wird, als es ohnehin schon ist. Bei Steffis Vater dauert das Einleben noch länger, sein Hirn braucht viele Anläufe, um zu akzeptieren, dass die Ärzte keine Fehldiagnose gestellt haben.
Ludwig Laher berichtet überwiegend aus der Sicht von Johanna: In vielen Rückblenden werden die gemeinsamen Jahre mit dem Kindergartenkind Steffi aufgerollt, die spezifischen Zweifel, Sorgen, aber auch beglückenden Erlebnisse ihrer Eltern kommen genauso zur Sprache wie die ganz "normalen" Probleme und Ereignisse im Zusammenleben mit Kindern. Apropos Sprache: Wie dieser Autor sein Werkzeug beherrscht, ist virtuos und beeindruckend - vor allem in Kombination mit seiner gedanklichen Präzision und seinem Einfühlungsvermögen. Das gilt nicht nur für seine philosophischen Überlegungen zu den so gängigen wie hilflosen Bezeichnungen für Steffis Situation. Wie er zum Beispiel in wenigen Worten punktgenau die Gefühlswelt eines Mannes skizziert, der Mühe hat, seinen Platz in der Familie zu finden (S. 66), ist bewundernswert. Das Buch sollte in jeder Bibliothek vorhanden sein und den LeserInnen wärmstens empfohlen werden.

Sabine Krutter | biblio
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Christoph Drösser: Hast du Töne?

 : warum wir alle musikalisch sind / Christoph Drösser. - Reinbek : Rowohlt, 2009. - 315 S.
ISBN 978-3-498-01328-8      fest geb. : ca. € 20,50

Musikalität und was wir alle darüber wissen sollten. (KM)

Eine Welt ohne Musik kann sich kaum jemand vorstellen und doch neigen wir dazu, aktives Musizieren als Tätigkeit für Experten, für "besonders Begabte" anzusehen. Dass alle Menschen seit jeher die Fähigkeit zum musikalischen Ausdruck und zum emotionalen Verständnis von Musik haben, belegt der Zeit-Redakteur Christoph Drösser durch viele wissenschaftliche Studien, er zitiert Experten und berichtet aus eigener Erfahrung (er musiziert und singt seit Jahren leidenschaftlich in seiner Freizeit). In den letzten Jahren haben sich vor allem Hirnforscher sehr intensiv mit den Auswirkungen von Musik beschäftigt und dabei sehr spannende Erkenntnisse gewonnen, die auch therapeutisch erfolgreich genutzt werden. Die emotionalen und physiologischen Veränderungen, die Musikhören und Singen bzw. Musizieren beim Menschen auslösen, sind von der musikalischen Vorbildung weitgehend unabhängig. Der Begriff "Begabung" sollte auf jeden Fall differenziert gesehen werden, Spitzenleistungen sind ein Produkt verschiedener Faktoren, so etwa körperlicher Eignung, Motivation durch Umgebung und Vorbilder und der Häufigkeit des Übens.
Das Buch richtet sich ganz besonders (auch) an musikalische Laien, denen der Autor Mut machen will, die großen Vorteile, die Singen und Musizieren in jedem Alter bringen, zu nutzen. Im ansprechenden Plauderton gelingt es ihm, viele Geheimnisse von Musik und Musikalität für ein breites Publikum zu lüften. Sehr empfehlenswert.

Eva Moser-Reitsamer | biblio
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Ulrich Greiner: Ulrich Greiners Lyrikverführer

: eine Gebrauchsanweisung zum Lesen von Gedichten / Ulrich Greiner. - München : C. H. Beck, 2009. - 217 S.
ISBN 978-3-406-59069-6      fest geb. : ca. € 15,40

Eine Gebrauchsanweisung zum Lesen von Gedichten. (PL)

Alle kennen das Problem, dass Lyrik oft nur schwer verständlich erscheint, bisweilen ohne erkennbaren Zusammenhang. Greiner macht deutlich, dass Lyrik weit mehr ist als Reime schmieden, er zeigt eine überzeugende Präferenz für das reimlose Gedicht, wie es die (Post)Moderne charakterisiert. Der Autor unternimmt den (gelungenen) Versuch, das Phänomen "Lyrik" aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Er führt uns in die faszinierenden Facetten der "gebundenen Rede" behutsam ein und gliedert sein Buch in die zwei logischen Abschnitte: "Was ist ein Gedicht?" und "Wie versteht man ein Gedicht?" Der erste Teil eröffnet uns einen geschichtlichen Abriss von der Odyssee bis zu den Werken von Ernst Jandl und Gerhard Rühm. Im zweiten Teil liefert uns der Autor elf verschiedene Interpretationen von Gedichten, die aber ebenso gut als "Zugänge" zur Lyrik gelten können.
Das Buch ist gut und flüssig zu lesen, wer sich (noch) nicht mit Lyrik beschäftigt hat, wird hier sehr gut bedient und nach der Lektüre nicht nur vertrauter mit dieser Gattung sein, sondern Lust verspüren, tiefer einzutauchen. Uneingeschränkte Empfehlung für alle Bibliotheken!

Heinrich Klingenberg | biblio
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Peter Abel: Spirituelle Wege aus dem Burnout

 / Peter Abel. - Münsterschwarzach : Vier-Türme-Verl., 2009. - 143 S.
ISBN 978-3-89680-413-6      fest geb. : ca. € 17,40

Der Weg aus der seelischen Erschöpfung als Glaubensweg. (PR)

Seelische und/oder körperliche Erschöpfung ist nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Privatleben oder bei vielfältig engagierten Menschen weit verbreitet. Wenn man sich ausgenutzt und ungerecht behandelt fühlt, in allem keinen Sinn mehr sieht, ist der Punkt erreicht, an dem das Leben neu geordnet werden muss. So gesehen ist ein Burnout nicht nur eine Katastrophe, sondern die Chance für Veränderungen hin zu einem Glauben, der das Leben wirklich trägt. Der Verfasser erläutert hierzu praktische und leicht zu verwirklichende Möglichkeiten, die helfen, unsere Grenzen zu erkennen, anzunehmen und neue Wege der Lebensgestaltung zu finden. Hilfreich erweisen sich dazu Anregungen aus der benediktinischen Tradition und Lebensweise, aus der Bibel sowie aus der Alltagsspiritualität Papst Johannes XXIII., die jeder eigenverantwortlich für sich anwenden kann.
Allen, die unter der ständigen Erfahrung des "Mir ist alles zu viel", des "Ich kann nicht mehr" oder des "Wie soll das nur weitergehen" leiden, ist dieses lebensnah und flüssig geschriebene Buch sehr zu empfehlen.

Hanns Sauter | biblio
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