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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2009 / August

erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Jakob Wegelius: Sally Jones

 : eine Weltreise in Bildern / Jakob Wegelius. Aus dem Schwed. von Gabriele Haefs. – Hildesheim : Gerstenberg, 2009. - 132 S. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-8369-5259-0     fest geb. : ca. € 17,40

Heute lässt sich eine Weltreise relativ schnell bewerkstelligen – das war früher anders. Die Reise, von der hier erzählt wird, beginnt vor hundert Jahren, als im Regenwald in einer sternenlosen Nacht ein Gorillamädchen geboren wird, dem der Sippenälteste ein unheilvolles Schicksal prophezeit. Die Vorhersage erfüllt sich, als die Herde von Wilderern überfallen, das junge Tier verschleppt und an einen türkischen Elfenbeinhändler verkauft wird. Er schmuggelt es nach Europa, getarnt als Baby und ausgestattet mit dem Pass der Tochter eines verschwundenen Missionarsehepaares mit dem Namen Sally Jones – womit die Protagonistin einen Namen erhält. Für Sally beginnt eine Odyssee, die sie von Istanbul nach Makedonien und wieder zurück führt, um ihren tierischen Gefährten aus dem Zoo zu befreien. Sie flüchten auf ein Schiff, das über den indischen Ozean nach Borneo fährt, wo sie wiederum unter Affen leben können. Doch damit ist die Reise noch lange nicht zu Ende…
Wie schon in „Esperanza“, dem Debüt des schwedischen Künstlers Jakob Wegelius, wird hier die Geschichte einer ganz besonderen Figur erzählt. Die historisierenden Bilder machen sich den Reiz alter Landkarten zu Nutze, nehmen aber auch Anleihen an andere Sujets: Werbeplakate, Zeitungsseiten, Geldscheine und sogar Tätowierungen werden zur Grundlage der ganzseitigen Bilder, die der erzählten Zeit entsprechend in gedämpften Farben sind. In der Darstellung der tierischen Protagonistin spielt er geschickt mit dem Moment der Anthropomorphisierung: Obwohl sie nicht sprechen kann, findet Sally Freunde – unter Tieren und Menschen. Und mit einem davon fährt sie am Ende ihrer langen Reise dem Happy End entgegen…

Kathrin Wexberg | STUBE 

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Richard Platt: Mondlandung

: ein faszinierendes Sachbuch mit zahlreichen Pop-up- und 3-D-Effekten / [Text Richard Platt. Übers.: Inga Hübner]. - Hamburg : Carlsen, 2009. - [12] S. : zahlr. Ill.
ISBN 978-3-551-18537-2       fest geb. : ca. € 25,60

Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins saßen an Bord der Rakete der Weltraummission Apollo 11 und erreichten vor 40 Jahren, am 20. Juli 1969, das so genannte Meer der Ruhe und betraten somit als erste Menschen den Mond. Aus Anlass des Jubiläums dieses bahnbrechenden Ereignisses erscheinen in diesem Jahr zahlreiche Publikationen, welche die Astronomie und ihre Geschichte in den Mittelpunkt rücken.
Der Carlsen Verlag steuert dazu in seiner Reihe aufwendig ausgearbeiteter und üppig ausgestatteter Pop Up-Sachbücher einen Beitrag zur „Mondlandung“ hinzu. Gleich nach dem Aufschlagen der ersten Doppelseite wird deutlich, wie sehr hier die Dynamik dieser dreidimensionalen Buchform intelligent in Anspruch genommen wurde: Vom langsamen Aufklappen bis zur vollständigen Ausbreitung der Doppelseite erhebt sich eine Trägerrakete von einem breiten Feuerball verfolgt in die Höhe und schießt über die Grenzen des Buches hinaus. Auf ähnliche Art und Weise schweben zwei Astronauten in ihrer Raumkapsel scheinbare schwerelos über der Oberfläche der Seiten und durch das vollständige Auffalten einer Einzelseite entsteht der Atlas eines kugelförmigen Mondmodells. Die locker gesetzten Informationsblöcke schildern das globale Wettrennen um Fortschritte bei der Erkundung des Weltalls, bieten eine minutiöse Übersicht zum Verlauf der Apollo 11-Mission und geben Einblick in die Biografie der Astronauten sowie die Bedingungen, mit denen sie bei ihrer Arbeit im All konfrontiert waren.
Wer umfassende und profunde Informationen zur Frühgeschichte sowie dem ersten Höhepunkt bemannter Raumfahrt sucht, wird hiermit wohl nicht das richtige Buch gefunden haben, aber für einen ersten, spektakulären und durchaus informativen Einblick bietet diese beeindruckend gestaltete Papieringenieurskunst das absolut Richtige.

Lukas Bärwald | STUBE   

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Fred Vargas: Der verbotene Ort

: Roman / Fred Vargas. Aus dem Franz. von Waltraud Schwarze. - Berlin : Aufbau-Verl., 2009. - 423 S.
ISBN 978-3-351-03256-2      fest geb. : ca. € 20,60

Ein spannender, schauriger Krimi um alte Vampirlegenden mit amüsanten Dialogen und sympathisch-bizarren Eigenbrötlern. (DR)

In ihrem jüngst erschienenen Krimi verwebt die erfolgreiche französische Bestsellerautorin Fred Vargas gekonnt den Krimiplot mit gruselig-schaurigen Vampirmythen. Den Anfang nimmt die mystisch angehauchte Handlung vor den Toren des berühmten Londoner Friedhofs Highgate, wo 17 Schuhe säuberlich aneinandergereiht gefunden werden, in denen noch die Füße ihrer einstigen Besitzer stecken. Zeuge dieses mysteriösen Zwischenfalls wird der aus vielen Fällen bekannte und gewohnt eigenbrötlerische Kommissar Adamsberg höchstpersönlich, der äußerst widerwillig - kann er doch kein Wort Englisch im Gedächtnis behalten - an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt. Kaum zurück in Paris, wird er zu einem besonders bestialischen Tatort gerufen: Die Leiche wurde zerstückelt und im ganzen Raum verteilt. Die Spuren der beiden Fälle führen Adamsberg in das serbische Dorf Kiseljevo, wo er alten Vampirlegenden auf den Grund zu gehen sucht und sich dabei selbst in große Gefahr begibt.
Nur zu gern taucht man wieder in den Vargas'schen Krimikosmos mit seinem köstlich eigenwilligen Figurenpersonal ein. Abermals verwirrt der brummige, immer ein wenig abwesend wirkende Adamsberg die Leute mit seinen unkonventionellen Ermittlungsmethoden. Diesmal erscheint der Kommissar allerdings ein wenig angeschlagen: Seine Karriere steht auf dem Spiel, jemand aus dem Team will ihm übel mitspielen und mit aller Kraft die Aufklärung des Falles verhindern. Die äußerst verstrickte Geschichte ist exzellent geschrieben (lässt man ein paar holprige Übersetzungen außer Acht), nicht zu durchschauen und hat viele unerwartete Wendungen parat. Erneut spielt Adamsbergs Vergangenheit eine Rolle.
Die Auflösung des Falles mag den Plot zu konstruiert erscheinen lassen, Vargas-Fans werden den Krimi mit seiner Mischung aus Mythos und Crime aber bestimmt mit Begeisterung lesen und von diesem Manko absehen. Allen Bibliotheken zu empfehlen.

Cornelia Gstöttinger | biblio
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Uli T. Swidler: Toskana für Arme

: Liebeserklärung an ein italienisches Dorf / Uli T. Swidler. - München : Kindler, 2009. - 332 S.
ISBN 978-3-463-40559-9      fest geb. : ca. € 18,40

Ein Deutscher "flüchtet" nach Italien, erwirbt in den Marken ein altes Objekt und lernt die italienische Mentalität kennen. (DR)

Luise war die Erste. Irgendwann in den 1970er Jahren hat sie Deutschland verlassen und sich in den Marken angesiedelt. Zwischenzeitlich sind einige Familien ihrem Beispiel gefolgt. Von den Einheimischen misstrauisch beobachtet - schließlich hat man den letzten Besuch der Deutschen im Jahr 1945 noch nicht vergessen - bemühen sich die Zugewanderten um Anerkennung und Integration, was angesichts der historischen Vorbelastung und der schier unüberbrückbaren Mentalitätsunterschiede beinahe aussichtslos erscheint. Auf Luises Beerdigung trifft sich die ganze Dorfgemeinschaft. Max, nach einer "verlorenen" Liebe ebenfalls aus Deutschland zugewandert, beschreibt rückblickend Personen und Geschehnisse, gleichzeitig aber auch seine eigenen Erfahrungen. Die Sanierung eines alten Anwesens, die Verlegung einer Wasserleitung mit all ihren Problemen und die Begegnungen im Dorf-Café brechen schließlich das Eis. Als Max auch noch die verfallene Bocciabahn saniert, ist er einer von ihnen und alle sind am "Happy-End" beteiligt.
Eine unterhaltsame Geschichte, die leidvolle Erfahrungen, aber auch positive Erlebnisse und Erfolge - Rückschläge inkludiert - wiedergibt. Das Klima ist in den Marken rauer, die Grundstücke sind billiger und die Einwohner sind naturnäher als in der "teureren" Toskana. Vielleicht entsteht gerade dadurch diese natürliche Herzlichkeit, die dieses Buch ausstrahlt?!? Ungewöhnlich sind vielleicht die immer wieder vorkommenden italienischen Begriffe, Ausdrücke und Sätze. Ein amüsanter, unterhaltsamer Roman, der besonders Italienfreunden oder auch -urlaubern zu empfehlen ist.

Maria Dorrer | biblio
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Lukas Hartmann: Bis ans Ende der Meere

: die Reise des Malers John Webber mit Captain Cook ; Roman / Lukas Hartmann. - Zürich : Diogenes, 2009. - 486 S.
ISBN 978-3-257-06686-9      fest geb. : ca. € 22,60

Roman über den Maler John Webber, der Cook auf seiner letzten Weltumseglung begleitet. (DR)

Im Jahre 1776 erhält der Maler John Webber ein faszinierendes Angebot: Er wird eingeladen, die dritte Weltumsegelung Captain Cooks zu begleiten und mit seinen Mitteln zu dokumentieren. Webber sagt zu und im Juni desselben Jahres setzt der Dreimaster "Resolution" die Segel. Vier Jahre dauert die Reise, die nicht nur der Mannschaft, sondern auch Webber ein Äußerstes an Strapazen abverlangt und von der Cook nicht mehr heimkehrt. Als Webber 1781 wieder in London eintrifft, ist er nicht mehr der Gleiche. Die Sehnsucht nach der Südsee und nach einer wunderschönen Insulanerin, aber auch die albtraumhaften Eindrücke rund um Cooks Tod lassen ihn nicht mehr los.
Webber, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, introvertiert und gewissenhaft, hat es nicht leicht, sich an die raue Welt auf dem Schiff zu gewöhnen. Nicht nur die Seekrankheit und katastrophale sanitäre Verhältnisse sind zu ertragen, mehr noch machen ihm Grobheit und Brutalität der Mannschaft zu schaffen. Dennoch findet er Anschluss: Sein engster Vertrauter wird der eigenwillige Schiffsarzt Anderson, der es auch wagt, dem bewunderten, aber auch gefürchteten Kapitän gegenüber seine Meinung zu behaupten. Dass Cook mit unnachgiebiger Härte das Schiff befehligt, wird nicht in Frage gestellt, doch kommen in der Offiziersmesse auch ethische Themen zur Sprache, die durchaus kontrovers beurteilt werden - vor allem die Frage, ob der Einfluss der Weißen für die Eingeborenen nicht eher Fluch als Segen ist. Für Cook gibt es keinen Zweifel an der Höherwertigkeit der Zivilisation und dem Nutzen, den sie für die Eingeborenen bedeutet. Dennoch ist er nicht blind für die Gefahren, vor allem für die Ausbreitung der venerischen Krankheiten, mit denen seine Seeleute die Insulanerinnen anstecken. Die Kontakte zu den fremden Völkern verlaufen überwiegend friedlich, doch schließlich führen völlig unterschiedliche Auffassungen von Eigentum zu einer blutigen Auseinandersetzung, bei der Cook den Tod findet.
Lukas Hartmann hat anhand der Logbücher Cooks die Reiseroute seiner letzten Weltumsegelung genau recherchiert. Über Webber gibt es wenige Quellen. Der Autor imaginiert die Reise aus der Sicht des Malers. Die Härten des Lebens auf einem Schiff im 18. Jahrhundert werden nicht beschönigt, sondern kontrastieren mit überwältigenden Naturschilderungen. Wahrhaft malerisch werden die herrlichen Farben des Meeres, Wolkengebilde, tropische Küsten und Inseln mit traumhaften Stränden beschrieben. "Bis ans Ende der Meere" ist ein spannender Reiseroman zugleich aber auch ein überzeugender Entwicklungsroman. Darüber hinaus thematisiert er die ersten Zweifel an der Legitimität der Kolonisation. Anspruchsvolle und anregende Unterhaltung für alle Bibliotheken.

Ingrid Kainzner | biblio
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Michael Breckwoldt: Cottage-Gärten

: Landhaus-Gärten nach englischem Vorbild gestalten / Michael Breckwoldt. - 2. durchges. Aufl. - München : blv, 2009. - 143 S. : zahlr. Ill. (farb.) ; 30 cm
ISBN 978-3-8354-0446-5      fest geb. : ca. € 30,80

Lernen von den Koryphäen der Gartengestaltung. (NL)

"Die Größe eines Gartens hat im Grunde nichts mit seiner Schönheit zu tun. Es hängt vielmehr vom Herzen, vom Verstand und von dem ernsthaften Bemühen des Besitzers ab, ob sein Garten reizvoll oder langweilig ist." Dieses Zitat der bekannten englischen Gartengestalterin Gertrude Jekyll sei gleich beruhigend für all jene an den Anfang gestellt, die nicht die Fläche für einen großzügigen Landgarten aufzubieten vermögen. Auch auf kleinen Arealen lässt sich mit Geschick, kluger Planung und ausdauernder Sorgfalt Wunderbares gestalten. Die prägenden Elemente des Cottagestils sind Natursteinmauern, sanft gerundete Hecken (etwa aus niedrig geschnittenem Buchs oder Lavendel), blühende Rankgewächse (Pergola, Rosenbögen, Spaliere), mit Platten ausgelegte und seitlich bepflanzte Wege sowie stilvolle Gartenmöbel.
Die ausführlich erläuterte Theorie wird mit zahlreichen Bildern aus den schönsten Gärten anschaulich gemacht. Damit zu jeder Jahreszeit etwas blüht, werden im Praxisteil den frühlingsblühenden, den sommerblühenden und den herbstblühenden Stauden jeweils eigene Kapitel gewidmet. Einen besonderen Stellenwert nehmen die Rosen ein, insbesondere die historischen Formen, deren Renaissance in vollem Gange ist. Küchenkräuter, Gemüse, Obst und Naschbeeren runden das perfekte Gartenbuch ab. Nur schade, dass keine Kost- und Duftproben mitgeliefert werden können!

Maria Schmuckermair | biblio
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Ingrid Riedel: Die innere Freiheit des Alterns

 / Ingrid Riedel. - Düsseldorf : Patmos, 2009. - 188 S.
ISBN 978-3-491-42121-9      fest geb. : ca. € 19,50

Die Jahre zwischen siebzig und achtzig aus der Sicht der bekannten Jung`schen Analytikerin. (PP)

Ein schönes Buch, schon der Umschlag fasziniert. Dunkle Steine aufeinandergelegt, aneinandergelegt, wirken federleicht vor dem zartgelben und hellblauen Hintergrund, der Farbe des Himmels, wenn sich frühmorgens ein strahlend schöner Tag ankündigt. Dieses erste Bild bereitet die LeserInnen auf die bildhafte Sprache vor, auf die Nähe zu den Märchen und Mythen. Die Geschichten, die Frau Riedel erzählt, eröffnen eine reiche, weite Innenwelt, in die sie ihre LeserInnen mitnimmt, ähnlich wie Großeltern ihre Enkelkinder an der Hand nehmen und ihnen die Welt erklären. Der Leser/die Leserin lässt sich bezaubern von ihrer Lebensweisheit, einige ihrer Figuren können Vorbild sein, Orientierung und Vorstellung geben, wie menschliche Existenz ihren Sinn findet. Thematisch reihen sich persönliche Erinnerungen, wiederholt an den jüngeren Bruder, Erzählungen anderer Therapeuten, Erfahrungen mit Klienten und eigene Betrachtungen willkürlich aneinander, dennoch führt eine klare Linie durch das ganze Buch, sie führt zu einem sich verdichtendem Bild, einer Vision des weisen alten Menschen, der mit sich und der Welt versöhnt ist, in sich ruhend wie ein Stein, rund und abgeschliffen.
Erkenntnisse der Altersforschung werden ebenso integriert wie die künstlerische Verarbeitung der großen Themen der Menschen, eine lange Literaturliste dokumentiert das fleißige Schaffen der Autorin, die selbst über siebzig ist. Ein sehr empfehlenswertes Buch, das bestimmt auch jüngere Menschen einiges an Lebenskunst lehren kann.

Aloisia Altmanninger | biblio
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Nikolaus Kuster: Franziskus

: Rebell und Heiliger / Niklaus Kuster. - Freiburg i. Br. : Herder, 2009. - 239 S. : Ill.
ISBN 978-3-451-30153-7      fest geb. : ca. € 17,50

Das spannende Lebensbild eines Mannes, der die Welt verändert(e). (PR)

Gegliedert in die drei Abschnitte "Lebensskizze", "Spiritualität" und "Aktualität", bringt uns der Autor den populären Heiligen auf neue Weise nahe. Zunächst skizziert er Franziskus als den Sohn einer reizvollen italienischen Kleinstadt und erfolgreichen Geschäftsmann, der unerwartet die Schattenseiten dieser Welt entdeckt, mit seiner Vergangenheit radikal bricht und sich unermüdlich darum bemüht, dem Auftrag Jesu, den Armen das Evangelium zu verkünden, zu folgen. Dadurch lebt er in einer dauernden Spannung zu einer reichen und verbürgerlichten Kirche. Der Abschnitt "Spiritualität" betrachtet den inneren Weg des Heiligen, der aus der ihm geschenkten Gotteserfahrung heraus zu einer inneren Freiheit gefunden hat, die es ihm ermöglicht, die Welt zu gestalten. Seine "Suche nach dem Höchsten" vermittelt ihm dabei eine neue Sicht auf Welt und Kirche, Menschen und Gesellschaft. Da sie alle Geschöpfe des einen Gottes sind, der sich in seinen Geschöpfen zu erkennen gibt, sind sie untereinander Geschwister. Diese Geschwisterlichkeit aber führt zu einem anderen Umgang mit der Schöpfung und den Menschen (z. B. mit den Moslems in Palästina, denen Franziskus auf der Ebene des Menschen begegnet, nicht wie die gleichzeitigen Kreuzzüge auf der des Feindes).
Abschließend versucht der Autor, durch einen "franziskanischen Weg" Gegenwart und Geschichte zu verbinden. Er stellt Standpunkte des Franziskus zu Erfolgsdenken, Wachstum, Hoffnung, zum Dialog der Religionen, der Kluft zwischen Arm und Reich, zu Frieden, dem Leben in Beziehungen und zum Tod, die sich aus Quellen ergeben, heutigem Denken gegenüber. Dadurch erhält der Poverello die Züge eines Propheten, der für unsere Zeit Bedeutsames zu sagen hat. - Spannend geschrieben und von einer fesselnden Tiefe steht hier den LeserInnen ein Franziskus gegenüber, der mit dem immer wieder gezeichneten Bild des "Bruders Immerfroh" wenig zu tun hat. Die Freude, die für Franziskus so kennzeichnend ist, ist keine "Wir haben uns alle so lieb"-Stimmung, sondern vielmehr die Freude eines Menschen an Gott, der ihm Schmerzen, Enttäuschungen und Leid nicht erspart, ja der sie gerade deshalb umso heftiger spürt; in dem aber der ganze Christus lebt, um durch ihn in die Welt zu wirken. - Allen Büchereien zu empfehlen.

Hanns Sauter | biblio
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