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biblio : aktuelle buchtipps

Buchtipps / 2008 / September

erstellt von der STUBE (Studien- und Beratungsstelle für Kinder und Jugendliteratur) und dem Österreichischen Bibliothekswerk

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Philip Matyszak: Rom für 5 Denar am Tag

:ein Reiseführer in die Antike / Philip Matyszak. Aus dem Engl. von Birgit Brandau. – München : Sanssouci, 2008. - 172 S. : Ill., Kt.
ISBN 978-3-8363-0088-9      kart. : ca. € 15,40

Ein längerer Aufenthalt in der Ewigen Stadt Rom will gut geplant sein: Man sollte sich mit den Umgangsformen der BewohnerInnen vertraut machen, Zeichen von Gastfreundschaft und Bedrohung richtig deuten können und natürlich über die interessantesten Sehenswürdigkeiten Bescheid wissen – das galt auch schon in der Antike.
Und so hat Philip Matyszak einen „Reiseführer in die Antike“ geschrieben, der mit genau jenem erzähltechnischen Kniff sich von vielen Sachbüchern zum gleichen Thema unterscheidet. Seine Ausführungen zu Themen wie Kultur, Politik, Kulinarik, Recht und Umgangsformen im sprichwörtlichen „alten Rom“ kommen nicht als rückblickende Lehrbuchvermittlung daher. Anstatt dessen verpackt er die Sachinformationen in den erzählerischen Rahmen eines Reiseführers, der mit den Vorbereitungen vor der Abreise beginnt, zu beachtende Besonderheiten auf der Anreise per Schiff erwähnt und Tipps für die Quartierssuche gibt. Die Ausführungen des kundigen Romreiseführers werden ergänzt und grafisch durchbrochen von einfach, klar und deutlich im Stil gehaltenen Zeichnungen und sowie zwei längeren Fotostrecken. Im Haupttext sowie in der Randspalte sind immer wieder Zitate von Philosophen, Politikern und Geschichtsschreibern eingearbeitet, die den Informationsfluss auflockern und der Fiktion eines antiken Reiseführers zeitgenössische Unterstützung bietet.
Ein Buch unter anderem für all diejenigen, die sich im Lateinunterricht schon immer einen stärkeren Schwerpunkt auf Landeskunde gewünscht hätten oder einem ungewöhnlichen Zugang zum Rom der Antike zugeneigt sind.

Lukas Bärwald | STUBE 
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Veronika Rotfuß: Mücke im März

/ Veronika Rotfuß. - Hamburg : Carlsen , 2008. - 189 S.
ISBN 978-3-551-58195-2      kart. : ca. € 12,40

Mücke findet ihr Leben gar nicht so einfach – neben den üblichen Teenagerproblemen und der Frage, ob sie nun mit Yurik zusammen ist oder nicht, überschattet die Demenzerkrankung ihrer Mutter ihren Alltag. Sie erzählt im Präsens von den Wochen rund um ihren sechzehnten Geburtstag im Monat März, vom Wirrwarr der Gefühle rund um ihre eben erst begonnene und schon wieder beendete Beziehung zu Yurik, der Sorge um ihren kleinen Bruder, der sehr unter der Krankheit der Mutter leidet und den Turbulenzen mit Nora, ihrer besten Freundin, die auch nicht immer einfach ist. Die Autorin Veronika Rotfuß, 1980 geboren und als Schauspielerin tätig (Näheres unter http://veronikarotfuss.de/) erzählt in ihrem Debütroman ebenso eindringlich wie leichtfüßig von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens – schöne Lektüre für den Wiedereinstieg ins Schul- und Alltagsleben! Ab 14 Jahren.

Kathrin Wexberg | STUBE   
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Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs

: Roman / Mikael Niemi. Aus dem Schwed. von Christel Hildebrandt. - München : btb, 2008. - 351 S.
ISBN 978-3-442-75198-3       fest geb. : ca. € 20,60

Warum ein nur mittelmäßiger Krimi trotzdem ein starkes Buch sein kann. (DR)

Die junge Stockholmer Polizistin Therese Forsnes ist nicht unbedingt begeistert, ausgerechnet im nordschwedischen Tornedal einen skurrilen Mord aufklären zu müssen. Martin Udde, ehemaliger Lehrer und Zöllner, wurde mit einem Lachsspeer erstochen. Und bald hat Forsnes mehr Motive als ihr lieb ist, denn Udde war als Lehrer ein brutaler Sadist und auch als Pensionist machte er sich zahlreiche Feinde. Besonders die Verfechter des Meänkieli, eines finnischen Dialekts, verfolgte Udde hasserfüllt. Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Hauptthema: Denn Tornedal ist auch die Heimat des Autors und quer durch die Region tobt ein erbitterter Sprachenstreit. Während die einen "richtige" Schweden werden wollen und ihre als rückständig und beschämend empfundene Abstammung verleugnen, indem sie sogar ihre Namen ins Schwedische übersetzen, wollen die anderen die Traditionen bewahren, um ihre Identität nicht zu verlieren.
Und so ist "Der Mann, der starb wie ein Lachs" erst in zweiter Linie ein Krimi - in erster ist er eine Hommage des Autors an seine Heimat. Und die beschreibt er in ausdrucksstarken Bildern, emotionsgeladen, teilweise auch schroff, aber vor allem voller Zärtlichkeit und Sympathie. Vor allem für LeserInnen, die bei Krimis den gesellschaftspolitischen Hintergrund einer spannungsgeladenen Handlung vorziehen.

Anita Ruckerbauer | biblio
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Anthony McCarten: Englischer Harem

: Roman / Anthony McCarten. Aus dem Engl. von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. - Zürich : Diogenes, 2008. - 581 S.
ISBN 978-3-257-06640-1      fest geb. : ca. € 22,60

Geschichte einer großen Liebe in der Zerreißprobe zwischen Alt und Jung, Ost und West, Arm und Reich - eine Tragikomödie. (DR)

Was passiert, wenn ein junges Mädchen aus einem Vorort im Londoner Süden, Milieu untere Mittelschicht, seinen Eltern erklärt: "Ich heirate. Er ist Perser, über dreißig Jahre älter als ich - und übrigens, er hat schon zwei Frauen..."? Tracy Pringle, 19 Jahre, Neokellnerin im vegetarischen persischen Restaurant ihres Bräutigams, versucht, ihren Eltern diese niederschmetternde Neuigkeit möglichst schonend beizubringen. Das von Anthony McCarten anschaulich geschilderte Ergebnis ist eine vergnügliche, komische und dabei durchaus tragische Liebesgeschichte zwischen den Kulturen. Die vom Protagonisten des Romans, dem 53-jährigen überzeugten Vegetarier, Oxfordabsolventen, Englandliebhaber, Restaurantbesitzer, Muslim und Sänger in einem anglikanischen Kirchenchor, Saaman, genannt Sam, gelebte Form der Polygamie findet weder von der Seite der persischen noch von jener der englischen Schwiegereltern die geringste Zustimmung. Ist auch das Familienleben der Sahars vorbildlich, so gilt Sam in der britischen Gesellschaft als Sexmonster und die Hochzeit von Sam und Tracy zeitigt so schlimme Folgen, dass die beiden sich ernsthaft zu fragen beginnen, ob sie sich das Recht nehmen durften, ihre Liebe zu leben...
Ein Roman, der durch seine genaue und liebevolle Charakterzeichnung, den hintergründigen Humor, die selbstverständliche Infragestellung kultureller und religiöser Vorurteile (die auf beiden Seiten existieren) ohne erhobenem Zeigefinger besticht, ganz nebenbei eine große Liebesgeschichte erzählt und von tiefer Solidarität unter Frauen handelt. Anthony McCarten ist hier ein großer Wurf gelungen und der Diogenes-Verlag darf sich das Verdienst der Publikation auf Deutsch auf die Fahnen heften. Sehr empfehlenswert.

Monika Roth | biblio
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Xaver Bayer: Die durchsichtigen Hände

: [Erzählungen] / Xaver Bayer. - Salzburg : Jung und Jung, 2008. - 167 S.
ISBN 978-3-902497-42-0       fest geb. : ca. € 19,80

Xaver Bayer stellt sich die ganz großen Fragen und macht daraus literarische Kleinode. (DR)

Es sind die ganz großen Fragen, die sich Xaver Bayer in den meist sehr kurzen Erzählungen stellt, es geht in diesen Texten um nichts weniger als um das Woher und Wohin, um Leben und Tod, um die Frage des Glaubens und darum, welchen Sinn das alles hat. Lauter kleine Versuchsanordnungen, in denen der Autor die Figuren in nicht immer ganz alltägliche Situationen bringt und ihnen dabei zusieht, was sie daraus machen und an welches Ziel sie dabei kommen. Und nicht anders ergeht es dem Leser, lässt er sich auf diese literarischen Laborsituationen ein. Er wird mitgetragen vom Text und gelangt unweigerlich dahin, seine eigenen Ansichten und Positionen einzubringen. Das funktioniert deshalb, weil der Autor die Texte wunderbar in der Schwebe hält und keine vorgefassten Erklärungen mitliefert, sondern weitere Irritationen streut, wo die Figuren den sicheren Boden ohnehin schon verlassen haben. Der souveräne Umgang mit einer alles relativierenden Ironie trägt auch seinen Teil dazu bei. Und es liest sich so gut, weil Xaver Bayer zu jenen Autoren gehört, die einen hohen formalen Anspruch an den Tag legen und stilsicher auch die großen existenziellen Fragen in federleichte Erzählungen zu verpacken imstande sind.

Joe Rabl | biblio
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Christiane Weidemann / Petra Larass / Melanie Klier: 50 Künstlerinnen, die man kennen sollte

/ Christiane Weidemann ; Petra Larass ; Melanie Klier. - München : Prestel, 2008. - 173 S. : zahlr. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-7913-3957-3       kart. : ca. € 20,60

Wichtiger Grundbeitrag zur Kunstgeschichte. (KB)

Entdeckungen und Wiederentdeckungen, vertraute Namen und fast vergessene - das bietet dieser Abriss von KünstlerInnenporträts. Der Bogen spannt sich vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, von der Malerei bis zu interdisziplinären Kunstformen; vertreten sind Künstlerinnen aus mehreren Kontinenten. Natürlich finden sich die großen Namen, wie etwa Artemisia Gentileschi, Angelika Kauffmann oder Frida Kahlo, aber es gilt Entdeckungen zu machen und zu staunen über vergessenes, unterdrücktes, zu wenig gefördertes oder unterschätztes weibliches Kunstschaffen.
Der Band ist chronologisch gegliedert, wobei fortlaufende Zeitleisten die historische Zuordnung und Parallelisierung mit männlichen Künstlern erleichtern. Die Beiträge sind jeweils ähnlich aufgebaut: Einer Kurzcharakteristik folgen historische Informationen und Hinweise zu Werdegang, künstlerischer Entwicklung, Erfolgen und Wirkungsgeschichte. Und natürlich gibt es reiches Bildmaterial, das Lust auf mehr macht. - Intelligent gemachter und notwendiger Basis-Band: verführerisch, informativ und von guter Bildqualität.

Fritz Popp | biblio
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Roya Hakakian: Bitterer Frühling

: meine Jugend im Iran der Revolutionszeit / Roya Hakakian. Aus dem Engl. von Rita Seuß. - München : Deutsche Verlags-Anstalt, 2008. - 286 S.
ISBN 978-3-421-04328-3       fest geb. : ca. € 20,60

Eine junge Frau erlebt die Revolutionszeit im Iran. (BO)

Roya Hakakian schildert in diesem autobiografischen Roman ihre Kindheit und Jugend im Iran der Revolutionszeit. Sie kommt aus einer jüdischen Familie und erlebt so nach dem Sturz des Schahs nicht nur die zunehmende Gewalt und Repression, mit der die Religiösen regieren, sondern hat auch mit Antisemitismus zu kämpfen. Familienmitglieder verlassen das Land, Freunde verschwinden.
Das Buch ist irgendwo zwischen Autobiografie und Roman angesiedelt. Es ist in einer wunderbar einfachen Sprache geschrieben, die einen leicht in die Erzählung eintauchen lässt, es schwingt auch immer ein Hauch orientalischer Erzählkunst mit. Denn trotz aller Hindernisse, denen die Jugendliche Roya begegnet, trotz des Ausnahmezustands, der herrscht, geht das Leben einfach weiter. Das Buch ist mit einem kurzen Glossar und einer Zeittafel versehen, die beide sehr hilfreich sind. Sicherlich für alle Bestände empfehlenswert.

Sabine Eidenberger | biblio
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Marcus Lautenbacher: Erntedank

: Gemeinde-, Familien- und Jugendgottesdienste / Marcus Lautenbacher. - Regensburg : Pustet, 2008. - 152 S. - (Konkrete Liturgie)
ISBN 978-3-7917-2106-4      kart. : ca. € 15,40

Modelle, Anregungen und Ideen zur Feier des Erntedankfestes. (PR)

Das Buch enthält in vier Abschnitten zahlreiche Gestaltungsideen zum Erntedankfest: Predigten und Fürbitten für Gemeindegottesdienste, Familiengottesdienste, Jugendgottesdienste (beide ausgearbeitet) und weitere Vorschläge zur Feier des Erntedankfestes (mit Fotos). Die Modelle sind bemerkenswert vielfältig und ansprechend, die Texte zeitgemäß und lebensbezogen, leider fehlen solche zur Gottesdienstfeier mit Senioren. Vorangestellt ist eine knappe, informative Einleitung, die den biblischen Befund zur Entstehung des Erntedankfestes enthält und seinen Weg durch die Geschichte skizziert - mit einem Blick auch auf außerbiblische Erntedank-Traditionen. Trotz der fehlenden Seniorengottesdienste zum Erntedank allen Pfarren und Liturgieverantwortlichen sehr zu empfehlen!

Hanns Sauter | biblio
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