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Buchtipps / 2006 / April

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Kay Spreckelsen : Das U-Boot in der Limoflasche

: mit 100 einfachen Experimenten Naturgesetze verstehen / Kay Spreckelsen. Mit farbigen Bildern von Charlotte Wagner. - Frankfurt a. M. : Fischer Taschenbuch Verl., 2006. - 127 S. : Ill. (farb.) - (Fischer Schatzinsel) ISBN 3-596-85197-1 Spiralbindung: ca. € 13,30

Kinder sind wissbegierig und probieren gerne Dinge aus, zum Beispiel im physikalischen Bereich. Bei den im Schulunterricht üblichen Versuchen wird jedoch von Erwachsenenseite oft vorschnell erklärt, was mit diesem Experiment jetzt zu zeigen war und worin die Zusammenhänge zu anderen Phänomenen zu sehen sind. Dem stellt der Physiker Kay Spreckelsen einen gänzlich anderen Ansatz gegenüber: Er will Kinder ermutigen, in ihrem eigenen Tempo Dingen nachzugehen und eigenständig Zusammenhänge zu erkennen, die für sie interessant sind. Die in diesem Buch versammelten physikalischen Versuche sind nach Themen wie „Luft-Druck“ oder „Löffel-Spiegel“ angeordnet, fast alle davon sind mit Kindern zugänglichen und vertrauten Mitteln durchführbar, nur in einigen wenigen Fällen sind speziellere Geräte wie Batterien oder Lämpchen notwendig. Die ursprünglich im Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in der Rubrik „Jugend forscht“ veröffentlichten Versuche wurden für die Buchausgabe von Charlotte Wagner mit Witz und Liebe zum Detail illustriert. Durch seine Ringbindung ist das Buch auch in der konkreten Handhabung beim Durchführen der Versuche ausgesprochen praktisch! Zu empfehlen ab 9 Jahren.

Kathrin Wexberg / STUBE

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Hilary McKay: Eine Rose zum Frühstück

/ Hilary McKay. Aus dem Engl. von Irmela Brender. - Hamburg : Oetinger, 2006. - 190 S. ISBN 3-7891-4252-2 fest geb. : ca. € 10,20

Was bisher geschah: Im lebhaften Haushalt der Cassons musste Tochter Safran bemerken, dass sie als einziges der vier Kinder eines Künstlerehepaares nicht nach einer Farbe benannt wurde; gemeinsam mit der durchsetzungsfreudigen Sarah machte Saffy sich daraufhin im ersten Band „Engel verzweifelt gesucht“ auf die Suche nach ihrer eigentlichen Herkunft – einer Suche, die nun erneut fortgesetzt wird, denn immer noch ist ungeklärt: Wer ist Saffys Vater? Erneut ist es Rose, die jüngste der Geschwister, die die Familienmitglieder auf die Spuren voneinander bringt. Und das, obwohl Rose diesmal selbst genug zu leiden hätte: Tom hat sich nicht mehr gemeldet, seit er am Ende des zweiten Bandes nach Amerika musste. Auch Indigo leidet – haben er und Tom einander in „Das muss unser Glückstag sein“ doch aus ihrer jeweiligen Lethargie erlöst; doch Rose lauscht verzweifelt auf jeden Mucks des Telefons, auf jede minimale Fracht des Postboten. Doch die altkluge Achtjährige würde ihrem Namen – Permanentrose – nicht gerecht werden, wenn sie nicht in der den Cassons eigenen Unerschütterlichkeit dafür sorgen würde, dass liebe Menschen einander präsent bleiben. Beobachtet wird sie dabei von der englischen Autorin (und deren wortgewitzten Übersetzerin) einmal mehr mit charmanter Vorliebe für das Nicht-Alltägliche sowie dem Variantenreichtum von Kunst. Zu empfehlen ab 11 Jahren.

Heidi Lexe / STUBE

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Igor Sachnowski: Die vitalen Bedürfnisse der Toten

: Roman / Igor Sachnowski. Aus dem Russ. von Hannelore Umbreit. - Leipzig : Reclam, 2006. - 171 S. ISBN 3-379-00843-5 / 9783379008433 fest geb. : ca. € 15,40

Auch im Südural hat das Erwachsenwerden seine Tücken. (DR)

Sidelnikow wächst bei seiner Großmutter Rosa auf. Die beiden teilen sich ein winziges Zimmer in einer Stadt im Südural. Schweigsam, ruhig und beständig, ist Rosa der Mittelpunkt von Sidelnikows Leben. Dann muss er auf eine höhere Schule wechseln, lernt erste Liebeswirren und Liebesenttäuschungen kennen. Die autoritäre Universität, Schlägereien im Studentenwohnheim und die Armut des Studentenlebens, aber auch Affären mit anderen Frauen bestimmen sein Erwachsenwerden. Als Rosa stirbt, erscheint sie ihm weiterhin in seinen Träumen, um ihm wie immer wortkarg und energisch zur Seite zu stehen. Sachnowski bevölkert seinen ersten Roman mit ebenso schrulligen wie liebenswürdigen Käuzen. Er bedient sich dabei einer lyrischen, dichten Sprache und offenbart viel Gespür für Humor. Die verschiedenen Episoden über die großen und kleinen Widrigkeiten des Lebens, auf die der heranwachsende Sidelnikow stößt, geben einen interessanten Einblick in das Russland der 1970er Jahre. Allen Beständen zu empfehlen.

Anita Ruckerbauer / biblio

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Michael Wallner: April in Paris

: Roman / Michael Wallner. - München : Luchterhand Literaturverl., 2006. - 238 S. ISBN 3-630-87221-2 / 9783630872216 fest geb. : ca. € 20,60

Paris 1943 - zwischen den Fronten und zwischen Krieg und Liebe. (DR)

Der junge Obergefreite Roth wird 1943 nach Paris versetzt, um bei Verhören der SS als Dolmetscher zu arbeiten. Im Dienst und in Uniform eindeutig als Deutscher - und damit als Besatzer und Feind - erkennbar, fühlt er sich innerlich doch der französischen Sprache und Kultur verbunden. So kann er der Versuchung, seine Identität in seiner Freizeit zu wechseln - obwohl bei Strafe verboten - , nicht widerstehen. Fatal wird seine Situation, als er die junge Französin Chantal, die Tochter eines Buchhändlers, kennen lernt und sich ihr Vater und einige Freunde als Mitglieder einer Widerstandszelle erweisen. Als Gefangener der eigenen Gefühle, die große Liebe zu Chantal einerseits und seine deutsche Identität andererseits, entscheidet er sich für die Liebe und gerät so selbst in die Mühlen der Nazi-Maschinerie. Nach Inhaftierung, Verhören und Folterungen entkommt er mit viel Glück und schwerst verletzt den eigenen Peinigern und nimmt die Suche nach Chantal auf. Schließlich findet er Chantals Familie auf einem Bauernhof. Vom Tode gekennzeichnet und nicht willkommen, erfährt er, dass Chantal nicht mehr lebt und dass er Vater einer kleinen Tochter ist. Eine hochsensible Geschichte, die die verschiedenen Facetten des Krieges beleuchtet, den tiefen Zwiespalt zwischen Dienst und Privatleben aufzeigt, und einen Balanceakt zwischen Brutalität und Zärtlichkeit, zwischen Leben und Tod versucht. Für alle Bibliotheken sehr empfehlenswert.

Maria Dorrer / biblio

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Arnaldur Indriðason: Kältezone

: Island-Krimi / Arnaldur Indriðason. Aus dem Isländ. von Coletta Bürling. - Bergisch Gladbach : Lübbe, 2005. - 413 S. - (Edition Lübbe) ISBN 3-7857-1567-6 fest geb. : ca. € 18,50

Mitreißender Krimi aus Island, der in die Tiefen des europäischen Kommunismus der Nachkriegszeit führt. (DR)

Nach dem Fund eines Skeletts in einem See nahe Reykjavik, stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um ein Mordopfer handelt, dessen gewaltsamer Tod irgendwann in den späten 1960er Jahren passiert sein muss. Der schrullige Kommissar Erlendur und sein Team müssen bei ihren Ermittlungen weit in die Vergangenheit eintauchen und rühren dabei alsbald Dinge auf, die lange in Vergessenheit geraten waren. Im sechsten Fall rund um Kommissar Erlendur hat der Autor den europäischen Kommunismus der Nachkriegszeit zum Thema gewählt und zeigt am Beispiel der DDR schonungslos die menschenverachtenden Mechanismen auf, mit denen junge Menschen voller Ideale in ein brutales System gezwungen wurden, das von Denunziation, Bespitzelung und systematischer Überwachung seiner Bürger lebte. Geschickt wechselt die Handlung zwischen Gegenwart und Vergangenheit und der Autor versteht es, die einzelnen Teile dieser Geschichte wie in einem hochkomplizierten Puzzle zusammenzusetzen und die Spannung somit bis zum Schluss am Höhepunkt zu halten. Wie bereits in seinen Vorgängerromanen beweist Arnaldur Indriðason, dass er ein Meister des Erzählens ist, er zeichnet Menschenschicksale voller Dramatik nach, ohne je schwülstig zu werden, und hat wieder einen Thriller geschaffen, der sich durch sein stimmiges Handlungskonzept, tiefgründige Charakterzeichnungen und eine schnörkellose, unverfälschte Sprache auszeichnet. LiebhaberInnen intelligenter Krimispannung werden begeistert sein und dieses Buch kaum vor der letzten Seite aus der Hand legen können.

Michaela Grames / biblio

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Jacques LeGoff: Ritter, Einhorn, Troubadoure

: Helden und Wunder des Mittelalters / Jacques LeGoff. Aus dem Franz. von Annette Lallemand. - München : C. H. Beck, 2005. - 239 S. : zahlr. Ill. (z.T. farb.) ISBN 3-406-53585-2 fest geb. : ca. € 30,80

Bildwelten des Mittelalters. (GK)

Den Begriff der Bildwelten definiert der berühmte französische Mediävist Jaques LeGoff als "System der Traumwelten einer Gesellschaft". Die Wirklichkeit wird umgewandelt in "faszinierende Wirklichkeiten des Geistes", die in Mythen und Legenden produktiv werden. In den 20 Kapiteln dieses kurzweiligen und dennoch überaus informativen Werks - Anmerkungen, Bibliographie und Bildnachweise werden wissenschaftlichen Anforderungen gerecht - stellt der Autor das "Beste" aus der Bildwelt des Mittelalters vor: Helden und Wunderwerke. Zu den Letzteren gehören z.B. die Kathedrale und die Burg, unter den heldenhaften Gestalten finden wir neben Karl dem Großen und Robin Hood auch ambivalente Figuren wie die Päpstin Johanna oder Melusine. Das Einhorn und der schlaue Fuchs Renart sind die zwei Vertreter der Tierwelt, das wütende Heer steht für die so genannten Wiedergänger. LeGoff beschäftigt sich mit den Quellen - beim Einhorn z.B. liegt diese in der Antike -, der Entwicklung dieser Phänomene und ihrer Wirksamkeit bis in die Gegenwart. Diese motivgeschichtlichen Untersuchungen sind aber meist erweitert durch ideologiekritische Betrachtungen. Die lebendige Sprache, der Reichtum an Information, die Vielfalt der Methoden und nicht zuletzt die wunderschönen Bilder machen dieses Buch bestimmt für viele Leser interessant. Ob man sich einen Überblick über die heute noch wirksamen Mythen des Mittelalters verschaffen möchte oder ob man ganz gezielt etwas über das Schlaraffenland erfahren will: Mit diesem Werk liegt man richtig.

Johanna Kircher / biblio

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Der Koran

/ erschlossen und kommentiert von Adel Theodor Khoury. - Düsseldorf : Patmos, 2005. - 349 S. : Ill. (farb.) ; 26,5 cm ISBN 3-491-72485-6 fest geb. : ca. € 51,30

Eine empfehlenswerte und inhaltsreiche Einführung in den Koran. (PR)

Der Islam hat aus bekannten Gründen mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, die am ehesten durch eine bessere Kenntnis seiner Grundüberzeugungen überwunden werden können. Wer sich ernsthaft mit dieser Weltreligion beschäftigen möchte, muss sich naturgemäß mit dem Koran auseinandersetzen. Eine profunde Anleitung dazu, die auch den interreligiösen Dialog berücksichtigt, legt nun der renommierte Islamkenner Adel Theodor Khoury vor. Er erschließt und kommentiert den Koran nicht in fortlaufender Lektüre, sondern anhand einer übersichtlich und klar konzipierten Themenfolge: Beginnend mit der Bedeutung des Korans für den Islam entfaltet er weitere Themen wie Gott und Jenseits, Offenbarung und Propheten, den religiösen Weg der Muslime, die Organisation der islamischen Gemeinschaft sowie die heutige islamische Sicht des Korans und Muhammads. Diese Themen werden in einem fortlaufenden "Haupttext" vornehmlich mit Hilfe des Korans ausführlich und verständlich dargelegt - womit Khoury gleichsam eine Innenansicht des Islams vermittelt, während für zusätzliche Informationen, Erklärungen und kritische Anmerkungen auf jeder Seite eine Randspalte vorgesehen ist. Erwähnenswert sind auch die zahlreichen Fotografien, welche die Religion sowie das Leben und die Kultur der Muslime trefflich ins Bild setzen. Ein ausführliches Namens- und Sachregister sowie ein Inhaltsverzeichnis runden den sehr ansprechend gestalteten und inhaltsreichen Band ab. Empfehlenswert!

Karl Krendl / biblio

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Reinhard Dippelreither: Das Honigkochbuch

/ Reinhard Dippelreither. - Graz : Stocker, 2005. - 158 S. : zahlr. Ill. (farb.) ISBN 3-7020-1104-8 fest geb. : ca. € 15,80

Eine Fülle von Informationen und Rezeptideen zum Nahrungsmittel Honig. (VL)

Honig galt lange Zeit als Sinnbild für Reichtum. Er ist nicht nur Nahrungs- und Genussmittel, sondern auch ein wichtiges Kulturgut. Dieses Buch setzt sich mit den zahlreichen Facetten des alten Kulturguts Honig auseinander, mit seiner Geschichte, dem Honig als Heilmittel und seiner Verwendung zur Schönheitspflege, den verschiedenen Honigsorten u.v.m. Der Schwerpunkt dieses Kochbuchs liegt einerseits auf ausführlicher Information und andererseits auf einem breiten Angebot an Rezepten. Dabei findet man neben heimischen Gerichten auch byzantinisch-türkische Zwiebeln, Baked Beans, äthiopisches Schwarzfleisch und natürlich Baklava. Eine riesige Auswahl, in der sicher jeder etwas Geeignetes entdeckt. Fotos ergänzen die gut verständlichen Anleitungen, sind aber nicht so dominant, wie man es aus vielen modernen Kochbüchern schon gewöhnt ist. Empfehlenswert!

Gabriele Reifinger / biblio

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