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Buchtipps / 2004 / Jänner

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Adelheid Dahimène / Heide Stöllinger: Die seltsame Alte

Mit Bildern von Heide Stöllinger. St. Pölten: NP 2003, 30 S., € 14,90 ISBN 3-85326-273-2

„Ich spiele dir auf deinen Fesseln ein Lied vor“: Zwischen Fangen und Gefangensein spinnt sich ein Dialog zwischen einem kleinen Mädchen und einer seltsamen Alten, die jeden Donnerstag Nachmittag vorbeikommt und das „Hexenspiel“ mitbringt: Das bewährte Fadenspiel, das sich in unterschiedlichen Varianten zwischen den eigenen Fingern entspinnt und an die Hände des Gegenübers weitergegeben wird. Illustratorisch eingefangen werden Momente und Augenblicke: Auf braune und rote Farbtöne konzentriert wird die Mimik der Alten auf faszinierende Weise ins Bild gesetzt. „Für heute bist du erlöst, aber ich komme wieder“, meint sie zum Abschied. Wer sich nicht erlösen lassen will, findet sicher die Möglichkeit, selbst jemanden mit dem Hexenspiel zu umgarnen …Sehr zu empfehlen ab 5 Jahren.

Angelika Stehlik / STUBE

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Kjersti Wold: Fußballgötter fallen nicht vom Himmel

Aus dem Norweg. von Maike Dörries. Hamburg: Carlsen 2003, 190 S., € 12,90 ISBN 3-551-55248-7

Das Leben ist nicht einfach, findet Exakt Jensen, der eigentlich Bernhard heißt, was aber natürlich ein völlig uncooler Name ist, auch wenn das seine Eltern anders sehen. Denn wenn man nur 1,33 groß ist und ständig von unfreundlichen Gestalten wie Patrick the Hattrick gemobbt wird, macht Schule nicht wirklich Spaß. Wie gut, dass er Zweimeter kennen lernt, Student in Geldnöten und „Gelegenheitsbabysitter“, der ihm nicht nur in Fußball-, sondern auch in Liebesangelegenheiten zu einem wichtigen Ratgeber wird. Und eigentlich geht es, obwohl der Buchtitel anderes vermuten lässt, gar nicht so sehr um Fußball, sondern vielmehr darum, seinen Platz im Leben zu finden. Lesevergnügen ab 9 Jahren!

Kathrin Wexberg / STUBE

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Joachim Angerer: Klösterreich

Geschichte und Gegenwart der Stifte und Klöster in Bayern, Österreich und der Schweiz / Joachim Angerer ; Gerhard Trumler. - Wien : Brandstätter, 2003. - 240 S. : Ill. (farb.)

Joachim Angerer, Abt des Prämonstratenserstifts Geras im Waldviertel, hat gemeinsam mit dem Fotografen Gerhard Trumler einen wunderschönen Text-Bild-Band über die Welt der österreichischen, bayerischen und Schweizer Klöster geschaffen. Das Buch ist allerdings erst in zweiter Linie ein Führer zu diesen Kulturstätten, obwohl ein Verzeichnis aller noch vorhandenen (existierenden und aufgelassenen) Klöster und Stifte das Buch abschließt. Kunsthistorisches erfährt man in ihm nicht systematisch, sondern durch ein Mosaik großartiger Fotos des Bildautors. Dem Abt und Theologen geht es vielmehr darum, Werden und Wesen des abendländischen Mönchtums bis hin zu dessen Stand und Bedeutung heute zu schildern. Er möchte Verständnis für das Klosterleben, für die Entwicklung klösterlicher Gemeinschaften, für Leben im und Wirken durch die Klöster, für das Zusammenspiel von Weltlichem und Geistlichem und für Entwicklungen im Lauf der Zeiten wecken. Detailliert geschildert wird die geschichtliche Entwicklung des Mönchtums von Gründung und "Stammvätern" bis zur Gegenwart, (besonders) der Benediktinerregel sowie der "alten Orden" (Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner Chorherren, Prämonstratenser). Man erfährt viel über Observanz und Leben im Kloster, über Klosterverbände und warum gerade in Österreich die Bezeichnung "Stift" gebräuchlich ist. Ein Abschlusskapitel über "Ordensstrukturen im Wandel der Zeit" berücksichtigt auf zehn Seiten schließlich auch die späteren Regularkleriker und Klerikerkongregationen, Bettel- und Predigerorden, Schul-, Krankenpflege- und Missionsorden, sozial tätige Brüdergemeinschaften und Frauenordensgemeinschaften sowie als neueste Entwicklung Säkularinstitute. Das Buch bietet einen faszinierenden Einblick in das Wesen der Klöster und Stifte, in Entwicklung und Bedeutung des Mönchtums und der Orden und sollte daher in keiner Bibliothek in kirchlicher Trägerschaft fehlen.

Johann Lenzenweger / ÖBW

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Eckhardt van den Hoogen: ABC der Oper

: die großen Musikdramen und ihre Komponisten / Eckhardt van den Hoogen. - Frankfurt a. M. : Eichborn, 2003. - 527 S. + 2 CDs

Das vorliegende Opern-Lexikon "ABC der Oper" ist bemerkenswert. Anschaulich, aber nicht ausufernd, andererseits auch nicht allzu knapp, beschreibt es die - aus heutiger Sicht - wichtigen, häufig im Spielplan aufscheinenden musiktheatralischen Werke wie auch jene aus Randbereichen (etwa einige der frühen Meisterwerke von Claudio Monteverdi) oder bedeutende Opern der sogenannten entarteten Komponisten, die jetzt gerade ihre Wiederentdeckung feiern, bis hin zu jenen kühnen Neuschöpfungen von Arnold Schönberg. Er ordnet sie allerdings nicht - wie meist üblich - den Komponisten zu, sondern listet sie alphabetisch auf. Warum nicht, der Übersicht tut es keinen Schaden. Neben einer schnörkellosen Inhaltsbeschreibung führt Eckhardt van den Hoogen, von Hause aus Germanist und Kunsthistoriker, der auch schon das ABC der klassischen Musik verfasste, außerdem aufführungsgeschichtliche Besonderheiten wie auch die musikalischen Stärken und "schönste Stellen" an. Ein Glossar mit Opern-Fachbegriffen sowie zwei CDs runden das Lexikon ab. Auch wenn es zahlreiche aktuelle Opernlexika gibt, dieses hier gehört zu den empfehlenswerten.

Beate Hennenberg / ÖBW

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Martin Prinz: Puppenstille

Inspektor Starek geht zu weit / Martin Prinz. - Salzburg : Jung und Jung, 2003. - 142 S.

Eine junge Frau wird erhängt aufgefunden, offensichtlich ein klarer Fall von Selbstmord. Doch als in rascher Folge weitere Frauen entdeckt werden, die auf genau dieselbe Weise ihrem Leben ein Ende gesetzt zu haben scheinen, wird Inspektor Starek hellhörig. Und was hat der zu einer Schlinge geknüpfte Strick, der eines Morgens vor seiner Wohnungstür liegt, zu bedeuten? Als Stareks übereifriger Stellvertreter Hofer so genannte "Atemkontrollspiele" als Todesursache in Erwägung zieht, überschlagen sich die Ermittlungen. In eine spannende Kriminalhandlung verpackt werden brisante gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert. Es geht um sexuellen Missbrauch, die verführerische Leichtigkeit eines wertfreien virtuellen Raums und die fließende Grenze zwischen Kunst und Pornografie. Mit feinem Gespür wird die Figur des Inspektor Starek gezeichnet, der sich durch das herbstliche Wien bewegt, dessen Atmosphäre authentisch wieder gegeben ist. Mit "Puppenstille" hat der junge österreichische Autor einen auch literarisch überzeugenden Kriminalroman geschrieben und als Leser/in hofft man, ihm bei der Lösung weiterer Fälle zu begegnen.

Ingrid Kainzner / ÖBW

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Jostein Gaarder: Das Orangenmädchen

- München : Hanser, 2003. - 187 S. Aus dem Norweg. von Gabriele Haefs

"Sitzt du gut, Georg? Auf jeden Fall musst du fest sitzen, denn ich werde dir eine nervenaufreibende Geschichte erzählen." So beginnt der viele Seiten dicke Brief, den der 14-jährige Georg in seinen Händen hält. Elf Jahre lang ist der Brief in der roten alten Kinderkarre gelegen, wo die Großmutter ihn nun gefunden hat. Der Brief ist ausdrücklich an Georg adressiert. Sein Vater hat ihn geschrieben, kurz bevor er an einer schweren Krankheit gestorben ist - das war vor elf Jahren. Georg ist mulmig zumute. Was hat sein verstorbener Vater, an den er sich kaum erinnern kann, ihm mitzuteilen? Der Brief handelt von der Suche des Vaters nach einem geheimnisvollen Orangenmädchen und mündet in eine philosophische Frage, die Georg beantworten muss. Dem Bestsellerautor ist hier eine bezaubernde, sehr spannende, beinahe märchenhafte Liebesgeschichte gelungen, die er geschickt mit philosophischen Fragen verknüpft. Wie in "Sophies Welt" kann man auch hier erleben, wie lebensnah Philosophie sein kann. So leicht und verständlich über tiefsinnige Fragen des Lebens und des Universums zu schreiben, kann wohl nur Jostein Gaarder. Sehr empfehlenswert für Jugendliche und Erwachsene!

Gabriele Reifinger / ÖBW

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