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20 Seiten
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Robert Buchschwenter:
„Johnny, ein Glas Milch!”

Kino, Pop und der Kampf um den (guten) Geschmack

Die Jugendkultur im Wien der 50er und 60er Jahre steht im Mittelpunkt dieses Aufsatzes. Inwiefern haben Traditionen weitergelebt, wo finden sich die Brüche, wie wird die Jugend von den Erwachsenen wahrgenommen, wie sieht es um das jugendliche Selbstbild aus?

Der Artikel ist ein Vorabdruck aus der der geplanten Publikation:
Horak/Mattl/Maderthaner/Musner/Penz (Hgg.): Zur Theorie und Archäolgie von Massenkultur am Beispiel Wiens 1950-1970. Wien: Turia & Kant. - voraussichtlicher Erscheinungstermin: Oktober 2003

hierzu ein Buchtipp:
HALBSTARK – Georg Tressler: Zwischen Auftrag und Autor
hrsg. von Robert Buchschwenter und Lukas Maurer

>>> detaillierte Infos

 

Auf dem Weg nach Italien
Frau Köhlmeier am Lenker

Die Begleiter auf dem Campingplatz

Beim Verstauen des Gepäcks
Werner Matt :
Auf dem Weg nach Italien ...


In den 50er Jahren war die Nachkriegszeit endlich überwunden und im „Goldenen Westen“ herrschte Vollbeschäftigung. Man verdiente wieder Geld und sparte für einen Roller oder den Urlaub in Italien.
Auch Erika Köhlmeier gehörte zu denjenigen, die es nach Italien zog. Zu den üblichen Gründen, nach Italien zu fahren, kam dazu, dass ihr Schwager ein geborener Italiener aus Bozen war. Er gehörte zu den knapp über 2.000 Südtirolerinnen und Südtiroler, die während des Zweiten Weltkrieges in Dornbirn angesiedelt worden waren.

Frau Köhlmeier besaß bereits mit 18 Jahren einen Roller. Es handelte sich um einen Puch-Motorroller. Mit diesem unternahm sie viele Ausflüge, vor allem in Vorarlberg. Dass eine Frau einen Roller besaß war unüblich: „normal war es nicht, eher eine Sensation.“ Es gab nicht viele Motorroller und diese wurden vor allem von Männern gefahren. Auch die geplante Urlaubsreise war keineswegs selbstverständlich, denn die Eltern waren – wie damals üblich – sehr streng. Die Reise wurde deshalb lange vorher geplant und mit einer ganzen Gruppe unternommen.

Im August des Jahres 1958 fuhr diese Gruppe endlich Richtung Italien. Auf dem Roller waren Frau Köhlmeier und ihre Freundin, auf einem Motorrad ihre Schwester und deren Mann unterwegs. Auf dem Roller musste alles Platz haben: Das Gepäck für zwei, das Zelt, Kochgeschirr, Luftmatratzen usw.
Doch für die beiden Frauen auf dem Roller traten unterwegs viele unerwartete Schwierigkeiten auf. Im Tirol zwischen Pfunds und Nauders streikte der Roller. In einer kleinen Werkstatt wurde das Fahrzeug auseinandergenommen. Doch der dortige „Mechaniker“ konnte die Teile nicht wieder zusammensetzen. Die beiden Frauen mussten zurück nach Nauders, die losen Teile in einer Schachtel: „Zum Glück ging es abwärts und wir konnten im Leergang hinunterrollen“. Dort wurde der Roller dann wieder betriebsbereit gemacht.

Nach Bozen wurde dann der Zielpunkt, der Gardasee, angesteuert. Am Abend kamen sie in Limone an, hier bezog die Gruppe für eine Woche Quartier auf dem Campingplatz. In dieser Woche unternahm die Gruppe viele Ausflüge rund um den See, Märkte, Burgen und Strände wurden besucht. Mit den Zelten hatte man kein Glück, nach Regenfällen wurde alles nass.

Meistens wurde selbst gekocht, (Dosen-)Proviant hatte man mitgenommen. Aber die Urlauber gingen auch auswärts essen und die Pasta asciutta und der Chianti waren für alle ein ganz großes Erlebnis. Auf dem Campingplatz wurden auch Bekanntschaften gemacht und in einem nahegelegenen Lokal konnte zu Gitarren und Handorgel aber auch zu Schallplatten getanzt werden.

Bei der Heimfahrt brach bei Flirsch der Gepäcksträger des Rollers. Die Straßen waren damals nicht geteert und entsprechend holprig. Die beiden Frauen mussten ihr Gepäck mit der Bahn aufgeben. Trotz all dieser Hindernisse gefiel der Aufenthalt am Gardasee Frau Köhlmeier so gut, dass sie später mit dem Auto immer wieder dorthin zurückkehrte.