
Auf dem Weg nach Italien
Frau Köhlmeier am Lenker |
Die Begleiter auf dem Campingplatz
|
Beim Verstauen des Gepäcks
|
|
Werner Matt :
Auf dem Weg nach Italien ...
In den 50er Jahren war die Nachkriegszeit
endlich überwunden und im „Goldenen Westen“
herrschte Vollbeschäftigung. Man verdiente wieder Geld
und sparte für einen Roller oder den Urlaub in Italien.
Auch Erika Köhlmeier gehörte zu denjenigen, die
es nach Italien zog. Zu den üblichen Gründen, nach
Italien zu fahren, kam dazu, dass ihr Schwager ein geborener
Italiener aus Bozen war. Er gehörte zu den knapp über
2.000 Südtirolerinnen und Südtiroler, die während
des Zweiten Weltkrieges in Dornbirn angesiedelt worden waren.
Frau Köhlmeier besaß bereits mit 18 Jahren
einen Roller. Es handelte sich um einen Puch-Motorroller.
Mit diesem unternahm sie viele Ausflüge, vor allem in
Vorarlberg. Dass eine Frau einen Roller besaß war unüblich:
„normal war es nicht, eher eine Sensation.“ Es
gab nicht viele Motorroller und diese wurden vor allem von
Männern gefahren. Auch die geplante Urlaubsreise war
keineswegs selbstverständlich, denn die Eltern waren
– wie damals üblich – sehr streng. Die Reise
wurde deshalb lange vorher geplant und mit einer ganzen Gruppe
unternommen.
Im August des Jahres 1958 fuhr diese Gruppe
endlich Richtung Italien. Auf dem Roller waren Frau Köhlmeier
und ihre Freundin, auf einem Motorrad ihre Schwester und deren
Mann unterwegs. Auf dem Roller musste alles Platz haben: Das
Gepäck für zwei, das Zelt, Kochgeschirr, Luftmatratzen
usw.
Doch für die beiden Frauen auf dem Roller traten unterwegs
viele unerwartete Schwierigkeiten auf. Im Tirol zwischen Pfunds
und Nauders streikte der Roller. In einer kleinen Werkstatt
wurde das Fahrzeug auseinandergenommen. Doch der dortige „Mechaniker“
konnte die Teile nicht wieder zusammensetzen. Die beiden Frauen
mussten zurück nach Nauders, die losen Teile in einer
Schachtel: „Zum Glück ging es abwärts und
wir konnten im Leergang hinunterrollen“. Dort wurde
der Roller dann wieder betriebsbereit gemacht.
Nach Bozen wurde dann der Zielpunkt, der
Gardasee, angesteuert. Am Abend kamen sie in Limone an, hier
bezog die Gruppe für eine Woche Quartier auf dem Campingplatz.
In dieser Woche unternahm die Gruppe viele Ausflüge rund
um den See, Märkte, Burgen und Strände wurden besucht.
Mit den Zelten hatte man kein Glück, nach Regenfällen
wurde alles nass.
Meistens wurde selbst gekocht, (Dosen-)Proviant
hatte man mitgenommen. Aber die Urlauber gingen auch auswärts
essen und die Pasta asciutta und der Chianti waren für
alle ein ganz großes Erlebnis. Auf dem Campingplatz
wurden auch Bekanntschaften gemacht und in einem nahegelegenen
Lokal konnte zu Gitarren und Handorgel aber auch zu Schallplatten
getanzt werden.
Bei der Heimfahrt brach bei Flirsch der Gepäcksträger
des Rollers. Die Straßen waren damals nicht geteert
und entsprechend holprig. Die beiden Frauen mussten ihr Gepäck
mit der Bahn aufgeben. Trotz all dieser Hindernisse gefiel
der Aufenthalt am Gardasee Frau Köhlmeier so gut, dass
sie später mit dem Auto immer wieder dorthin zurückkehrte.
|