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Wahl, Heribert:
LebensZeichen von Gott - für uns : Analysen und Impulse für eine zeitgemäße Sakramentenpastoral / Heribert Wahl - Münster ; Hamburg : Lit-Verl., 2008. - 323 S. : graph. Darst. - (Kommunikative Theologie - interdisziplinär; Bd. 9)
      ISBN 978-3-8258-1340-6 / 3-8258-1340-1    kart. : ca. € 30,80

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Rezension:

Heribert Wahl, geb. 1945 und noch Ordinarius für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät Trier, legt mit diesem Buch eine Summe seines pastoral-theologisch-psychologischen Denken und Könnens vor. Indem er die Sakramentenpastoral zum Thema macht, zeigt er zum einen seine tiefe und sorgenvolle Verwurzelung in einer authentischen Grundverwirklichung von Kirchesein und zum anderen seine hohe Kompetenz, diesbezüglich Theologie und Psychologie ineinander zu vermitteln. Man kann darüber hinaus bei allem abstrakten, ja bisweilen sogar komplizierten Duktus seiner Gedankenführungen in der Fülle einer schwierigen Materie sogar den Atem ganz persönlicher Frömmigkeit spüren.

Im Aufbau folgt der Verfasser nach einer die sakramentale Landschaft sichtenden Hinführung (Kap. 1) dem klassischen pastoraltheologischen Dreischritt "Sehen - Urteilen - Handeln", wobei er nach dem kairologischen Zugriff "Sehen" (Kap. 2: Wo steht die Sakramentenpraxis gegenwärtig?) die kriteriologische Phase seiner Darlegungen in drei Schritte unterteilt: "Urteilen" I / psychoanalytisch (Kap. 3: Die sakramentale Basisperspektive: Gelingende symbolische Erfahrung und Praxis), "Urteilen" II / theologisch (Kap. 4: Gelingende Symbolerfahrung: Chance und Herausforderung für eine zeitgemäße Sakramentenpastoral) und "Urteilen" III / exegetisch, historisch (Kap. 5: Theologische Vergewisserungen). Wahl belässt seine Schlussfolgerungen nicht bei einem praxeologischen Teil "Handeln" (Kap. 6: Konkretionen und Herausforderungen für eine künftige Sakramentenpastoral), sondern beschließt sein Buch, das auch auf viele Erkenntnisse seiner Habilitationsschrift "Glaube und symbolische Erfahrung" zurückgreift, mit einem doxologischen Ausblick "Gott Feiern" (Kap. 7: Mystagogisch-diakonische Seelsorge: symbolische Gotteserfahrung ermöglichen, um Leben zu mehren).

Johann Wolfgang von Goethe nennt einmal in seinem Werk "Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit" ein Sakrament der Kirche "eine heilige, große Handlung, welche sich in der Wirklichkeit an die Stelle des Möglichen oder Unmöglichen, an die Stelle desjenigen setzt, was der Mensch weder erlangen noch entbehren kann." Der Verfasser entwickelt durchaus vor diesem dichterischen Spannungshorizont im Gespräch mit der Selbstpsychologie einen entwicklungs- und lebensgeschichtlichen Zugang zu den Sakramenten, der sehr wohl um den nicht nur berechtigten, sondern notwendigen anthropologischen Entdeckungszusammenhang aller Sakramente weiß, sie aber gleichzeitig vor der oftmals kirchlichen Verflachung in gut gemeinte christliche Selbstverwirklichung bewahrt. Indem er der genannten Selbstpsychologie die fundamentale Wahrheit in Bezug auf den SelbstObjektZusammenhang entbirgt, gibt er den Raum frei für ein anthropologisch abgesichertes theologisches (und damit auch christologisches) Verstehen des ganz Anderen und Seines Entgegenkommens in jeder Feier eines Sakramentes. So geht der theologisch-christologische Begründungszusammenhang kirchlicher Sakramente nicht im anthropologischen Entdeckungszusammenhang auf, obwohl beide Zusammenhänge untrennbar aufeinander verweisen sind (siehe Goethe). Wahl zeigt psychologisch höchst kompetent (vgl. z. B. die exzellenten Exkurse zu Freud, 188-190, und Jung, 256-258, oder die immer wieder eingestreuten kritischen Anmerkungen zu Drewermann), dass dort, wo einer dieser Zusammenhänge einseitig betont wird, in der Sakramentenpastoral bei allen Beteiligten entweder zwanghafte Erstarrung oder subjektives Versinken in persönliche (und auch beliebige) Betroffenheit eintritt. Dagegen beleuchtet der Verfasser auf immer wieder neue Weise (psychologisch, theologisch, exegetisch, historisch) die Pole, die den Raum für eine stimmige Sakramentenpastoral eröffnen: das Selbst; die Gemeinde/Kirche; Gott in Jesus Christus, der das Heil der Welt ist. Und er weiß, dass diese Pole immer nur leuchten, wenn in ihnen Leiturgia, Martyria, Diakonia und opus operatum und opus operantis (koinonisch) zusammenklingen. Im Gefälle des Ansatzes von Wahl erstaunt es auch nicht, dass er zum Abschluss seiner Gedanken verstärkt auf das nachsynodale Apostolische Schreiben "Sacramentum Caritatis" von Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2007 zu sprechen kommt, das aus eucharistischer Perspektive ein Leitfaden für die Erneuerung der Sakramentenpastoral insgesamt sein könnte.

Kritisch bleibt anzumerken, dass zu wenig deutlich wird, was die Dimension der Umkehr bedeutet, die alle Sakramente durchwirken muss. Ferner wird die objektive Notwendigkeit des sakramentalen Amtes in der Sakramentenpastoral nur ungenügend behandelt. Und vor dem Hintergrund der Ausführungen des Verfassers drängt sich auch die Frage auf, ob und wie psychisch kranke Menschen Sakramente empfangen können.

*Theologisch-Praktische Quartalschrift* 1/2010 Hubert Windisch

Quelle: Theologisch-Praktische Quartalschrift


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